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Mal so, mal so – das Berufsfeld Musikvermittlung

Das netzwerk junge ohren präsentiert gemeinsam mit EDUCULT eine Studie zu den Arbeitsbedingungen von Musikvermittlerinnen und Musikvermittlern im deutschsprachigen Raum.

Um Genaueres über die Arbeitsbedingungen von Musikvermittlerinnen und Musikvermittlern an Orchestern und in der freien Szene zu erfahren, hatte das netzwerk junge ohren gemeinsam mit dem in Wien ansässigen Forschungs- und Beratungsinstitut EDUCULT im Frühjahr dieses Jahres eine Umfrage freigeschaltet. Vom 20. März bis zum 8. April 2018 konnten Musikvermittlerinnen und Musikvermittler Fragen rund um ihren Beruf beantworten. Der Fokus lag dabei auf ihren allgemeinen Tätigkeitsfeldern, ihren Qualifikationen, der wirtschaftlichen sowie beruflichen Situation und einer persönlichen Einschätzung des Arbeitsumfeldes. Im Schönberg-Saal des Wiener Konzerthauses präsentierten Lydia Grün, Geschäftsführerin des netzwerks junge ohren, und Michael Wimmer von EDUCULT nun die Ergebnisse.

Musikvermittlung – ein weiter Begriff und ebenfalls ein weites Tätigkeitsfeld. Die Musikvermittlung ist zwar, trotz ihres noch jungen Daseins, in aller Munde, doch was eine Musikvermittlerin oder ein Musikvermittler genau tut, ist normalerweise nicht in einem Satz zu beschreiben. Aus diesem Grund hat das netzwerk junge ohren gemeinsam mit EDUCULT eine Umfrage gestartet, denn bislang gab es keinerlei stichfeste Forschungsergebnisse, wie sich die Tätigkeiten von Musikvermittlerinnen und Musikvermittlern definieren, welche Ausbildungen sie vorweisen und wie viel Gehalt sie für ihre Arbeit bekommen. Das hat sich dank des umfassenden Fragebogens geändert und das Berufsfeld transparenter gemacht.

Die Auswertung der Umfrage

An dem Fragebogen, der sich ausschließlich auf den deutschsprachigen Raum beschränkte, nahmen 352 Personen teil, von denen 222 die Umfrage vollständig beantworteten. Prozentual gesehen füllten 79 % Frauen und 21 % Männer den Fragebogen aus. Der Großteil der Teilnehmenden war zwischen 26 und 35 Jahren alt (41 %), gefolgt von 36- bis 45-Jährigen (25 %) und 46- bis 55-Jährigen (23 %). Mit 77 % kam die Mehrheit der Fragebögen aus Deutschland, gefolgt von Österreich mit 15 % (wobei 46% der Umfragen aus Wien stammten), der Schweiz und Luxemburg sowie einer Person aus einem weiterem nicht-europäischen Land.

Interessant ist es, festzustellen, welche Ausbildung Musikvermittlerinnen und Musikvermittler vorweisen. Es zeigt sich, dass in diesem Bereich sehr hohe Qualifikationsstandards herrschen und 50 % der Befragten künstlerisch-pädagogische Studiengänge absolviert haben; gleichzeitig gaben ebenfalls 50% an, dass sie über keine spezielle Musikvermittlungsausbildung verfügen, sondern Quereinsteiger seien.

Hinsichtlich der Arbeits- und Tätigkeitsfelder ist der Großteil der Musikvermittlerinnen und Musikvermittler mit über 60 % in Orchestern oder Ensembles beschäftigt, gefolgt von Lehrtätigkeiten und der freien Szene, wobei fast 45 % in ihrer Funktion Mitglied eines Teams und mehr als 30 % selbstständig künstlerisch aktiv sind. Mit fast 45 % sind die meisten Musikvermittlerinnen und Musikvermittler freiberuflich tätig, nur etwa 25 % haben eine unbefristete und etwa 22 % eine befristete Anstellung.

Arbeitsdauer und Arbeitsbedingungen

Auf die Frage, wie lange man schon in der Musikvermittlung tätig sei, antworteten über 35 % mit 1 bis 5 Jahre. Dies könnte darauf hinweisen, dass es zwar ein großes Engagement der Ausführenden gibt, der Beruf an sich aber sehr kräftezehrend ist und deshalb nach nur wenigen Jahren eine andere Tätigkeit angestrebt wird. Grund dafür könnte auch sein, dass 64 % in Vollzeit und nur 36 % in Teilzeit angestellt sind und dennoch viel mehr arbeiten als vereinbart. So gaben 60 % der Befragten an, dass sie mehr leisten als vereinbart und somit Selbstausbeutung stattfindet, gleichzeitig bestätigt die Mehrheit aber auch, in ihrer Arbeit relativ frei zu sein – auch wenn die Arbeitsverhältnisse nicht immer optimal sind, so gibt es doch viele Freiheiten und nur wenig Intervention der Vorgesetzten. Demnach schätzt der Großteil der Befragten die eigenen Arbeitsbedingungen wechselnd ein – „mal so, mal so“ – und blickt dennoch mit einer optimistischen Grundeinstellung in die berufliche Zukunft.

Unzufriedenheit beim Einkommen

Ein besonderes Augenmerk wurde mit der Frage nach dem Brutto-Jahreseinkommen auf die Gehälter von Musikvermittlerinnen und Musikvermittlern gelegt. In Österreich verdienen Musikvermittlerinnen und Musikvermittler zu 25 % zwischen 20.001 Euro und 30.000 Euro – das Medianeinkommen in dem Bereich liegt in Österreich mit 30.000 Euro doch um einiges höher als in Deutschland mit 24.000 Euro. Insgesamt schätzen die Befragten ihr Einkommen in Bezug auf die dafür erbrachte Leistung jedoch als zu gering ein. Umso mehr, da für 40 % die Tätigkeit in der Musikvermittlung die einzige Einkommensquelle ist, 60 % nutzen noch weitere Ressourcen, um überhaupt über die Runden zu kommen.

Erfolgreiches Ergebnis

Letztendlich sollte mit der Studie zunächst darauf aufmerksam gemacht werden, dass der Bereich der Musikvermittlung existiert. Es wird deutlich, dass es sich bei Musikvermittlung um ein zerrissenes Berufsfeld handelt, das nur schwer in einer übergeordneten Organisation gebündelt werden kann – auch daher gibt es bislang noch keine gemeinsame Interessensvertretung von Musikvermittlerinnen und Musikvermittlern, ein Umstand, den es zu ändern gilt.

Mit der Umfrage ist es dem netzwerk junge ohren und EDUCULT gelungen, Menschen für die Arbeit der Musikvermittlerinnen und Musikvermittlern und die Bedeutung ihres Berufsfelds zu sensibilisieren und sichtbar zu machen, was ihre Tätigkeit beinhaltet. Ein Ziel wäre, mit Hilfe der Studie für mehr Geschlechtergerechtigkeit zu sorgen und gleichzeitig eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu erreichen, insbesondere weil das Berufsfeld der Musikvermittlung aus etwa 80 % Frauen besteht, diese aber kaum in Leitungspositionen zu finden sind.

Die Begriffe „Freude“ und „Spaß“ werden bei der persönlichen Einschätzung des Berufs dicht gefolgt von „Sorge“ und „Erschöpfung“ – dies zeigt, dass sich an den Berufsbedingungen der Musikvermittlerinnen und Musikvermittler etwas ändern muss. Die Umfrage hat mit ihren eindeutigen Ergebnissen sicherlich einen Stein ins Rollen gebracht, der die alten Verhältnisse aufwühlen wird.

Ab Anfang Oktober werden alle Ergebnisse der Studie als Download verfügbar sein.

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