Musiklernen in Österreich

Als das mica-Projektteam die Ergebnisse ihrer Ausschreibung durchsahen war das Staunen groß. Trotz einer sehr kurzfristigen Stellenausschreibung – gesucht wurden insgesamt 24 MusikerInnen darunter auch 6 ElektronikerInnen – hatten sich fast 150 junge Menschen für diese Stellen beworben. Aber nicht nur die Anzahl der Bewerbungen war bemerkenswert: Sabine Reiter, Geschäftsführerin des mica: „Von den etwa 60 MusikerInnen, die wir zum Vorspiel eingeladen haben, hätten wir alle auch für diese Stellen empfehlen können. Die Qualität war sehr hoch und das große Interesse dieser jungen Menschen an Neuer Musik hat unsere Erwartungen stark übertroffen.“ Auch wenn der Großteil der BewerberInnen geborene ÖstereicherInnen sind, so ist die Internationalität der jungen MusikerInnen auffallend: Finnland, Deutschland, Bulgarien, Ungarn, Ukraine Japan und sogar China, um nur einige der Nationen zu nennen, aus denen die jungen Menschen stammen. Gleichzeitig hatten fast alle österreichischen MusikerInnen bereits intensive Auslandserfahrung – ob in Meisterkursen oder Orchestern.

Österreichische Musik ist international.

Österreich ist nicht das einzige Land, aber wohl eines der attraktivsten, um Musik zu lernen und sie auch gleich anzubieten. Die Veranstalter und Festivals im Land laden ausländische Musiker und Musikerinnen gern ein; im Staatsopernchor sind  Mitglieder, die aus Japan, Korea, Polen oder Ungarn stammen, der Österreichische KomponistInnenbund macht die österreichische Staatsbürgerschaft nicht zur Bedingung einer Mitgliedschaft, die IGNM vertritt alle in Österreich Komponierenden, selbst höchste Auszeichnungen wie der Große Österreichische Staatspreis, 2010 an Olga Neuwirth vergeben, sind nicht an die Staatsbürgerschaft gebunden.

Die Integration aus dem Ausland stammender Musikschaffender ist weit fortgeschritten: der Österreichische Musikrat plant Ende Mai/Anfang Juli 2010 ein Musikfest der Vielfalt, ausgehend von der Unesco-Konvention der Forderung nach Erhalt und Förderung der Vielfalt.

Wenn Musikschaffende Österreich zum Lebensmittelpunkt erwählen, können sie freundliche Aufnahme und Integration erwarten. Die österreichischen Musikuniversitäten tun viel dafür, dass der Austausch mit anderen ausländischen Universitäten gut funktioniert. Die Lehrveranstaltungen werden mittlerweile in deutscher und englischer Sprache ausgewiesen, englische Abstracts für alle in deutscher Sprache verfassen Diplomarbeiten sollen verlangt werden, die Punkte-Bewertung nach dem europäischen Studiensystem machen den zahlreichen Erasmus-Studierenden das Leben leichter.

Und so wundert es nicht, dass die Österreichischen Musikuniversitäten zum Mekka der internationalen Musikausbildung geworden sind. In Österreich studiert zu haben gilt etwas in anderen Ländern, vor allem im asiatischen Raum. Es klingt gut für das weitere Leben, gar nicht nur für Musikkarrieren.
Irene Suchy

Lesetipp:
Echo der Vielfalt, heruasgegeben von Ursula Hemetek und Emil H. Lubej, erschienen bei Böhlau Wien 1989.