Claudia Spahn: Musikergesundheit in der Praxis

In vielen Berufen gehört die Prävention gegen gesundheitliche Folgeschäden längst zum guten Ton. Wo früher oft Fleiß mit Aufopferungsbereitschaft verwechselt wurde, haben Aufklärungskampagnen und ein veränderter Stellenwert der Arbeit im Leben in den letzten Jahrzehnten immer mehr zu einem Umdenken geführt. Auch in Musikberufen werden berufsbedingte Beschwerden immer weniger akzeptiert.

„Die unter Orchestermusikern früher herrschende Meinung, dass chronische Schmerzen zum Beruf dazugehören, ist glücklicherweise weitgehend revidiert“, stellt Claudia Spahn, die Leiterin des Freiburger Instituts für Musikermedizin des Universitätsklinikums Freiburg und der Hochschule für Musik Freiburg, in ihrem 2015 erschienen Buch „Musikergesundheit in der Praxis“ fest.

Nachschlagewerk und Übungsbuch

Der Band ist ebenso Nachschlagewerk wie Übungsbuch. Im ersten Teil werden die körperlichen und psychischen Grundlagen des Musizierens für die Laiin bzw. den Laien verständlich erklärt. Eine Vielzahl von Grafiken und Fotos erleichtert das Verständnis. In den Abbildungen wird besonderes Augenmerk nicht nur auf die Haltung, sondern auch auf die Bewegung gelegt. Der Bewegungsapparat nimmt hier viel Raum ein, aber auch die Sinnesorgane (insbesondere Hör-, Tast- und Sehsinn), die Psyche und soziale Faktoren werden einbezogen. Dieser Abschnitt dient als Nachschlagewerk, eignet sich jedoch auch gut zum Schmökern. Im zweiten Teil werden spezifische Problemstellungen nach Alter, Instrument und Tätigkeitsbereich besprochen und einige instrumentenspezifische Übungen vorgestellt. Im dritten Teil werden Work-outs erarbeitet, die in den oft unregelmäßigen Arbeitsalltag von Musikerinnen und Musikern eingebettet werden sollen.

Gerade die instrumentenspezifischen Übungen stellen einen großen Mehrwert des Buches dar. Die körperlichen Ansprüche etwa des Violin- oder Klavierspiels unterscheiden sich doch sehr von denen der Büroarbeit, auf die sehr viele orthopädische Übungen ausgerichtet sind. Die Übungen machen außerdem oft Spaß – ein wesentlicher Faktor, wenn die Disziplin zur Regelmäßigkeit aufgebracht werden soll. Die teils etwas ungewöhnlichen Bewegungsabläufe sind auch kognitiv stimulierend, ähnlich wie es Musikerinnen und Musiker ja oft vom Musizieren selbst gewohnt sind.

Der Themenbereich „Musikergesundheit“ wird sehr breit und umfassend angegangen. Neben den körperlichen Anforderungen sind Musikerinnen und Musiker auch besonders starkem Leistungsdruck, unregelmäßigen Arbeitszeiten und prekären Arbeitsbedingungen ausgesetzt. Neben Prävention und Gesundheitsförderung bei Kindern widmet sich ein Abschnitt auch den Problemstellungen, die mit dem Altern einhergehen.

Das Buch ist alles in allem ein wichtiges Hilfsmittel für alle, die mit Musik befasst sind, von Orchestermusikerinnen und -musikern über Musiklehrende bis hin zu Eltern von musizierenden Kindern.

Philip Röggla

Spahn, C. (2015): Musikergesundheit in der Praxis. Grundlagen, Prävention, Übungen. Leipzig.

Links:
Henschel-Verlag
Institut für Musik- und Bewegungserziehung an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien
Freiburger Institut für Musikermedizin