YouTube droht Indie-Labels mit Blockierung von Content

Das „Worldwide Independent Network“ (WIN) wurde 2006 gegründet und vertritt die Interessen der globalen Community von Independent Musiklabels. Der österreichische Independent Verband VTMÖ ist Mitglied von WIN, die österreichischen Indie-Labels sind somit Teil dieser globalen Community. Alle Indie-Labels rund um die Welt zusammengerechnet erreichen den zweitgrößten globalen Marktanteil nach Universal.

WIN reagiert scharf auf Berichte, wonach YouTube beabsichtigt, die Videos von jenen Indie-Labels zu sperren, die den neuen YouTube Streaming Vertrag nicht unterzeichnen wollen und bezeichnet diese Drohung als „entbehrlich und unentschuldbar“. Der VTMÖ unterstützt diesen Protest gegen die neue Politik von YouTube. (WIN YouTube Pressrelease)

Der Start eines neuen YouTube Musik-Streaming-Services wird allgemein für diesen Sommer erwartet. Offenbar hat man bereits Verträge mit den drei Major-Labels Universal, Sony und Warner verhandelt – doch ein Rundruf unter der WIN Community ergab, dass noch keine substantiellen Vereinbarungen mit Indie-Labels getroffen wurden.

Es ist äußerst bedenklich, wenn YouTube als globaler Player kleine Labels mit neuen unverhandelbaren Verträgen konfrontiert und gleichzeitig mit der Sperre ihres Video-Contents droht, falls man die neuen Musik-Streaming-Verträge nicht unterzeichnet.

Musik aus Österreich für YouTube nicht wichtig?

Noch schlimmer: Content aus Österreich scheint für YouTube so unbedeutend zu sein, dass man bisher heimische Indie-Labels noch nicht einmal kontaktiert hat. Laut WIN-Mitgliedern anderer Territorien ist der von YouTube vorgeschlagene Vertrag extrem benachteiligend, nicht verhandelbar und bietet nicht einmal jene lächerlichen Mikrocent-Paybacks, die mittlerweile bei Streamingdiensten wie z.B. Spotify marktüblich sind.

Alison Wenham, Präsidentin von WIN und Vorsitzende des britischen Indie-Verbandes AIM meint dazu: „Unsere Mitglieder sind kleine Musikfirmen, die von einer breiten Vielfalt an Einkommensquellen abhängig sind und in neue Talente investieren. Ihnen wird von einem der größten Konzerne der Welt erklärt, sie müssten einen nicht marktüblichen Streaming—Vertrag akzeptieren oder ihre Videos wären nicht mehr auf YouTube abrufbar und ihre Songs kämen im neuen Streaming-Service nicht vor. Das sind unfaire Geschäftspraktiken. Die internationalen Indie-Verbände appellieren an YouTube im Namen ihrer Mitglieder, gemeinsam an Vereinbarungen zu arbeiten, die für alle gleich und fair sind. Die Situation ruft Erinnerungen wach, als der Sender MTV vor 10 Jahren zunächst in ähnlicher Weise die Indie-Labels benachteiligen wollte, dann aber nach zähen Verhandlungen einem fairen Deal für alle Indies zustimmte, der bis heute hält. Es ist das Recht jedes Konzerns, seine eigenen Geschäftsbedingungen zu bestimmen – aber niemand sollte KünstlerInnen benachteiligen, die sich selbst vermarkten oder bei kleinen Labels unter Vertrag sind.“

Der VTMÖ stimmt dem vollinhaltlich zu und Verbands-Sprecher Alexander Hirschenhauser ergänzt: „Es ist zutiefst verstörend, dass YouTube bislang nicht einmal versucht hat, mit österreichischen Indie-Labels und Artists Kontakt aufzunehmen. Wir protestieren scharf gegen die Politik von YouTube, musikalischen Inhalten aus einem kleinen Land wie Österreich nicht die gleiche Priorität wie jenen aus anderen Ländern zu geben. Es darf auch nicht sein, dass unabhängige Musikschaffende in Verträge gezwungen werden, die gegenüber anderen benachteiligen und daher diskriminierend sind. Als einer der weltweit führenden Online-Konzerne mit signifikanter Marktmacht ist YouTube verpflichtet, ALLEN interessierten Labels rund um die Welt gleichlautende und faire Verträge anzubieten.“

Über den VTMÖ:

Der Verband unabhängiger Tonträgerunternehmen, Musikverlage und MusikproduzentInnen Österreichs ist die Interessensvertretung der KMU’s und EPU’s aus der österreichischen Musikwirtschaft und der produzierenden Musikszene. Viele der Mitglieder des VTMÖ sind sehr kleine, oft nur aus einer Person bestehende Kreativzellen mit entsprechenden Nachteilen bei Kreation, Produktion und Vermarktung von musikalischen Werken. Typischerweise werden all diese Aufgaben selbst erledigt – Eigenverlag, Eigenproduktion und Selbstvermarktung sind jene Elemente, die oft genug zu prekären Verhältnissen führen. Gleichzeitig tragen die österreichischen „Independents“ den allergrößten Teil zum qualitativ hochwertigen heimischen Musikschaffen bei.

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VTMÖ