
Während der 90er Jahre begeistert Steger sich zunehmend für beat-gestützte Inkarnationen der „Black Music“, wie sie in der elektronischen Tanzmusik immer mehr Einfluss nehmen. Gemeinsam mit Alex Deutsch und Ulrich Drechsler gründet er schließlich um die Jahrtausendwende jene Band, mit der er vor einem breiten Publikum erstmals und nachhaltig in Erscheinung tritt: Café Drechsler, eine relaunchte Variante von Cool Jazz, welche Bristol-infizierten TripHop mit dem klassischen Wiener Lounge-Sound, Funk und Pop in analog-instrumenteller Weise amalgamierte und damit wie kaum eine andere österreichische Band den Nerv der Zeit traf. Gleichzeitig bleibt er in anderen Combos wie Poesis oder Icy Finger aktiv.
Das Interesse vonseiten Universals an der Erfolgsband Café Drechsler führt neben hymnischen Kritiken und hohen Auszeichnungen auch zu ausgedehnten Tourneen in Europa und Amerika. Da die Zusammenarbeit mit dem Major jedoch nicht die gewünschten Ergebnisse bringt, gründet Oliver Steger mitten in seiner ersten Erfolgswelle gemeinsam mit der Sängerin Sharon Anegg das Label Cracked Anegg Records. Deren mittlerweile bemerkenswerter Backkatalog versammelt von modernem Jazz über Soul bis HipHop etliche Perlen aus allen stilistischen Himmelsrichtungen. Während sich diese hauseigene Plattenfirma also mit heimischen Produktionen wie etwa den Strottern oder Angela Tröndle einen guten Ruf in der österreichischen Szene erarbeitet, zerbricht das Café Drechsler an personellen und künstlerischen Differenzen.

Die Verbindung von Wort und Musik wird in den Folgejahren ein ständiger Begleiter in Oliver Stegers Arbeit. Textarbeiten, Libretti, Lehrbücher und -tätigkeiten rücken neben einer Vielzahl Konzert- und Aufnahmejobs mit diversesten Ensembles immer stärker in den kreativen Vordergrund. Mit seinem jüngsten Projekt S.O.D.A. scheint nun auch wieder ein Anschluss an die kommerziellen Erfolge des Café Drechsler gelungen. Die 2010 gegründete Band verbreitert gekonnt die NuJazz-Schiene in die Bereiche Rhythm’n’Blues, Singer/Songwriter und World Beat. Die an Clubsounds geschulte Dynamik und funkigen Grooves werden dabei in Haken schlagende Songstrukturen eingelassen und somit in ungewohntem Terrain dargeboten. S.O.D.A. ist somit das hoffentlich nur vorläufige Schlusslicht in der mittlerweile 30jährigen Musikerkarriere von Oliver Steger, der stilistische Offenheit und geschmackssichere Integrität stets auch mit Förderungsbewusstsein gegenüber der Jazzszene an sich zu kombinieren verstanden hat.
David Weidinger
Fotos: http://oliversteger.com
http://oliversteger.com/