Dass Volksmusik nicht immer das bedeuten muss, was man geläufig unter diesem Begriff zu verstehen glaubt, das zeigt die steirische Formation Broadlahn nun schon seit über 30 Jahren. Als eine der längstdienenden heimischen Vertreter der „Neuen Volksmusik“ war es der Band immer schon ein Anliegen, nach Möglichkeit auch an andere Musikformen und –traditionen, anzuknüpfen. Die nächste Gelegenheit, Broadlahn live zu erleben, gibt es am 12. Dezember im Wiener Konzerthaus. Gesangliche Unterstützung erhält die sechsköpfige Combo an diesem Abend von Willi Resetarits.
Spricht man von Broadlahn, so spricht man gleichzeitig auch von den Pionieren der modernen Weltmusik in Österreich. Denn noch lange bevor andere Formationen überhaupt auf die Idee gekommen sind, sich im genreübergreifenden Kontext zu erproben, war es die 1982 gegründete steirische Band, die versucht hat, sich aus den Fängen der steifen musikalischen Tradition zu befreien. In ihren Anfangstagen noch dem Bereich der „Neuen“ Volksmusik zugeordnet, erwies sich diese Kategorisierung recht schnell als viel zu eng gefasst, denn Josef Ofner, Ernst Huber, Christian Seiner, Reinhard Grube, Franz Schmuck und Philipp Rottensteiner, die sechs Köpfe hinter diesem Bandprojekt, waren vom ersten Moment an bestrebt, über den stilistisch vordefinierten Tellerrand, mit dem Ziel, auf diesem Wege ihre eigene Form der Musik entwickeln zu können, hinauszublicken.
Die österreichische alpine Volksmusik als Ausgangspunkt hernehmend, machten sich Broadlahn daran, frei von allem Scheuklappendenken und einen großen Maß an innovativer Kraft von dieser aus Brücken hin zu anderen Klangtraditionen zu schlagen. So waren schnell Verbindungslinien zu Musikformen aus unter anderem Afrika und Asien hergestellt. Damit nicht genug verfeinerte die sechsköpfige Truppe, die es bislang auf die Veröffentlichung von fünf Alben gebracht hat, den dieser Art entstandenen und schon ohnehin sehr facettenreichen Sound mit Einflüssen aus dem Jazz, wodurch am letzten Endes eine musikalische Sprache entstand, die in ihrer Art und ihrem Ausdruck ungemein international erklang. Das Ziel von Broadlahn war es, die Volksmusik von ihren vermeintlichen Klischees zu befreien und sie in einem zeitgemäßen und modernen Lichte erstrahlen zu lassen. Heute nach über 30 Jahren, darf man ohne weiteres sagen, dass der steirischen Band dies auch mehr als nur gelungen ist. (mt)
Foto © Broadlahn