
Das musikalische Universum dieses eigenwilligen Trios, ist ein eher dunkles, denn in buntesten Farben leuchtende Klänge, eingängige Melodien oder sanfte Harmonien treten in Stücken von Elias Stemeseder (Piano), Devin Gray (Schlagzeug, Melodica) und Anna Weber (Flöte, Tenorsaxophon) wenig und wenn, dann nur in Andeutungen und Spurenelementen tief unter der wahrnehmbaren Oberfläche, zu Tage. Nicht, dass die drei es nicht auch anders könnten, nur eben haben sie sich in diesem Projekt ein Konzept zurechtgeschnitzt, in dem bewusst die künstlerische Auseinandersetzung mit vor allem düsteren musikalischen Schattierungen und Ausformungen ins Zentrum des Geschehens gerückt wird. Die Nummern, die von vielen spontanen minimalistischen Improvisationen, wie auch sehr detailverliebten und teilweise schräg-disharmonisch anmutenden Einwürfen bestimmt werden, entwickeln einen sehr bildhaften, ja fast schon filmmusikalischen Charakter. Sie regen mit ihrer atmosphärischen Dichte die Fantasie an und erzeugen eine latent spannungsgeladene Stimmung.
Ein einzelnes stilistisches Etikett lässt sich dem Sound von Jagged Spheres nur schwer umhängen, dafür klingen in den Stücken nämlich einfach zu viele Elemente anderer Spielformen und Genres durch. Es kann schon auch mal in die Richtung der zeitgenössischen Klangkunst gehen, oder auch in die des lautstarken Noise, an anderer Stelle wiederum wird der kammermusikalische Aspekt des Jazz thematisiert und, und, und. Das Spektrum des musikalischen Ausdrucks dieses Dreiergespanns zeigt sich als ein sehr weites und dementsprechend vielschichtig und abwechslungsreich geht es auf dem Album zu. Was sich jetzt vielleicht etwas zu kopflastig und ein wenig chaotisch liest, entpuppt sich als das genaue Gegenteil. Das Dreiergespann geht sehr behutsam und fast schon zurückhaltend an die Sache heran und verleiht der nicht von der Hand zu weisenden Komplexität seiner Musik Zugänglichkeit.
Zugegeben, es gibt definitiv leichtere musikalische Kost als die, mit der das österreichisch-amerikanisch-kanadischen Trio die Hörerschaft konfrontieren, nimmt man die Herausforderung aber an und setzt sich mit dem ungewöhnlichen Klangentwurf von Elias Stemeseder, Devin Gray und Anna Weber intensiv auseinander, dann kann es schon passieren, dass man sich in diesem verliert. (mt)