Aktuelle Veröffentlichungen Hip Hop (1/2019)

Die neuesten Releases der österreichischen Hip-Hop-Szene hat Maximilian Weissensteiner zusammengefasst.

SLAV – „PLUSVIERACHT“
(FUTURESFUTURE)

Slav Cover

Den in Polen geborenen und im 5. Wiener Gemeindebezirk sozialisierten Rapper Slav als Newcomer zu bezeichnen, mag angesichts der Selbstverständlichkeit, die er auf seinem langersehnten Debutalbum „Plusvieracht“ an den Tag legt, als eklatante Fehlannahme erscheinen. Den Geschichten wohnt ein Puls inne, der es nahezu unmöglich macht, ihm den Zutritt in den Gehörgang zu verwehren. Als Spiegel des Zeitgeists verkörpert „Plusvieracht“ in allen Belangen Glaubwürdigkeit und lässt gleichzeitig in eine Lebenswelt eintauchen, die weit mehr als nur die üblich verdächtigen Klischees zur Schau stellen will. Unterm Strich ein beachtliches Ausrufezeichen eines Künstlers, der in seiner Rolle und somit auch im österreichischen Hip Hop endgültig angekommen ist.

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DORIAN PEARCE – „MISSION STATEMENT“
(TIEFPARTERRE RECORDS)

Für seine Debut EP „Mission Statement“ hält der überaus umtriebige Produzent und DJ Dorian Pearce einige einige musikalische Schmuckstücke aus seinem Repertoire bereit. Die erste Single „You feel it’s true“, bei der Kinetical als Featuregast vertreten ist, lässt schon erahnen, wohin er mit seinem Neuling will. Irgendwo zwischen Hip Hop, Funk und House erschafft er eine Soundlandschaft, die alles nur Erdenkliche in sich verschlingt. Die markanten Synths und treibenden Bässe veranlassen dazu, sich ungehemmt und voller Ekstase des nostalgischen Flairs hinzugeben. Die Remixes von Osive und Jakobin & Domino erweitern gekonnt das Gesamtbild der EP, die da umso prägnanter verlautbart: „Mission Statement“ möge getanzt werden!

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FUZZMAN – „HÄNDE WEG VON ALLEM“
(LOTTERLABEL)

Herwig Zamernik, seines Zeichens schon Bassist der Alternative-Veteranen Naked Lunch, zeigt auch als Kopf des Projekts Fuzzman seine sonderbar schöpferische Seite. „Hände Weg Von Allem“ lautet der Titel des neuen Albums, das vor ausuferndem Ideenreichtum nur so strotzt. Orchestrale Arrangements dürfen neben reduzierten aber einprägsamen Melodien bestehen, wobei nichts davon etwa deplatziert wirkt. In Ergänzung zu den bisherigen überaus erfolgreich abgegrasten Soundgefilden finden sich obendrein auch Schlageranleihen wieder. Egal ob Liebe, Melancholie oder Gesellschaftskritik, diese geballte stilistische Vielfalt vermag es, die zahlreichen sprachlich so kunstvoll veranschaulichten Stimmungen einzufangen. Ein eindrucksvolle Platte, die das dreijährige Warten darauf allemal belohnt hat.

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MODE – „FLIGHTMODE“
(NONAME RECORDS)

Wer die wagemutige Behauptung vertritt, Rap sei momentan im lauschigen Westen Österreichs nicht präsent, hatte wohl bisher NONAME Records  noch nicht am Schirm. Im Laufe der letzten Jahre ist beständig daran gearbeitet worden, sich mit einem handfesten Sound zu profilieren, der den Anschluss zur deutschsprachigen Szene keinesfalls scheut. Mode lautet der Name einer der aktuellsten Labelvertreter. Dieser zeichnet auf seiner EP „Flightmode“ eine inhaltliche Bandbreite nach, die sich neben dem Streben nach eigener Identität auch durch eine gehörige Portion Gesellschaftskritik auszeichnet. Man darf sich jedenfalls gefasst machen, da kommt noch was!

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SCHMAFU – „SISWISIS“
(HINTERHOF RECORDS)

Die in Wien beheimateten Schmafu liefern mit dem Debutalbum „SISWISIS“ trotz der noch jungen Bandgeschichte bereits ein musikalisches Reifezeugnis ab. Diese fünfköpfige Band weiß, wie man im Dialekt einen besonders einprägsamen Charme versprüht und bedient sich daher völlig zurecht dieses Instruments. Trotz des komplexen Geflechts aus Rap, Funk, Synth Rock und Prog haben die Songs konstant genügend Luft zum atmen. Nichts Gesagtes bleibt etwa auf halber Strecke liegen oder wird von der Musik kaltblütig überrollt. Ein tiefergehendes Erforschen der assoziativen Zusammenhänge wird damit erst so richtig prickelnd. Bei der Themenwahl zeigt man sich in gleichem Maße vielseitig. Die Rolle des modernen Mannes oder das gemeine Wirtshausbummerl, alles liegt zur eingehenden Inspektion bereit.

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EBOW – „K4L“
(PROBLEMBÄR RECORDS)

„Kanak for life“ verkündet Ebow voller Stolz im Refrain des Titeltracks zu „K4L“. Wer sich von einem derart plakativen Statement vor den Kopf gestoßen fühlt, darf an dieser Stelle noch einmal ganz genau die Ohren spitzen. Denn was zunächst als unzulängliche Phrasendrescherei interpretiert werden könnte, symbolisiert eine mehr als ernst zu nehmende Message. Ihre Geschichten behandeln kulturelle und sexuelle Identität auf eine Weise, die vermeintlich unantastbare Normen im  Hip Hop mit einem Schlag in ein neues Verhältnis setzt. Vielmehr steht Andersartigkeit und  Diversität zwischen den Zeilen geschrieben, erhobene Zeigefinger verweilen weitestgehend unten. Nach dieser Formel funktioniert für die Wahlwienerin mit türkisch-alevitischen Wurzeln das Rezept. Das Endergebnis ist auf „K4L“ dafür umso bekömmlicher.

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Maximilian Weissensteiner