
Dass der Pianist Philipp Nykrin nicht unbedingt der Sorte von MusikerInnen angehört, die ihre Hauptaufgabe im strikten Erfüllen des strengen Jazz-Regelwerks sehen, hat er bei seinen diversen Projekten (u. a. Namby Pamby Boy, Phanda) ja schon mehrfach unter Beweis gestellt. Er ist jemand, der auf das genaue Gegenteil aus ist. Ja, der Jazz ist immer noch eine Basis seines Schaffens – er hat ihn ja schließlich auch studiert –, der einzig bestimmende Faktor ist er aber schon lange nicht mehr. Philipp Nykrin hat sich längst über alle vermeintlichen musikalischen Grenzen hinweggesetzt und – wie man es auf seiner neuen CD „wire resistance“ sehr schön hören kann – seine ganz eigene und unverkennbare Klangsprache gefunden.
Zwischen den Stilen Platz nehmen
Was der Salzburger gemeinsam und mit seinen kongenialen Partners in Crime Mario Rom (Trompete), Fabian Rucker (Tenorsaxophon, Bassklarinette, Synthesizer), Stephan Kondert (Bass) und Andreas Lettner (Schlagzeug) musikalisch vorexerziert, ist das kunstvolle Platznehmen zwischen den verschiedensten stilistischen Stühlen. 
Es geht in den Stücken wirklich rund und lebhaft zu und – obwohl sich alles im ersten Moment etwas überambitioniert liest – die Beteiligten verlieren nie den roten Faden aus den Augen. Dem Salzburger Pianisten und seiner Band gelingt es nämlich in perfekter und mitreißender Manier, den Einklang herzustellen, aus dem Viel ein Geeintes zu bilden, etwas, was einer ganz bestimmten und ungemein vierschichtigen Soundästhetik zwischen purer Energie und stimmungsvoller Eleganz folgt und erfreulicherweise jede Sperrigkeit hinter sich lässt. Daher ist dieses Album auch definitiv eines, an dem nicht nur ausgewiesene JazzliebhaberInnen ihre große Freude haben dürften.
Präsentiert wird „wire resistance“ am 23. Feber im Wiener Porgy & Bess.
Michael Ternai
Philipp Nykrin