Fröhlich, ungeniert und scharfsinnig

Wie kaum eine andere Band werden „Die Schurken“ dem Image ihres Ensemblenamens gerecht. Stefan Dünser (alias Arrabiata), Martin Schelling (alias Mozzarella), Goran Kovacevic (alias Diavolo) und Martin Deuring (alias Calzone) haben sich mit ihren originellen Konzerten und ihrem lustbetonten Spiel international einen Namen gemacht. Mit ihrem Programm „Der magische Klang“ waren sie im Jahr 2013 sogar zum „YEAH! Award“ nominiert. Im April stellen die vier Musiker ihr aktuelles Programm vor und begeben sich dabei auf die Suche nach der „schönsten Musik“. Im Gespräch mit Silvia Thurner berichten Martin Deuring und Martin Schelling von ihren Intentionen, Erfolgen und der Idee zum aktuellen Vorhaben.

„Die Schurken“ sind für mich ein Paradeensemble für eine gelungene Musikvermittlung und Familienkonzerte, die mit spannenden Geschichten jung und alt begeistern. Worin seht ihr den Wesenskern eures Tuns?

Martin Deuring: Je länger ich Musikvermittlung mache, desto mehr Ansatzpunkte sehe ich, wie man auf Kinder zugeht und wie man sie begeistern kann und ich lande immer wieder beim berühmten Tanzpädagogen Royston Maldoom, der sagt: „Es gibt nichts zu tun, außer die Kinder in Kontakt mit der Leidenschaft zu bringen.“

– Auszeichnungen

Ihr habt in den vergangenen Jahren einige große Erfolge gefeiert. Nach dem „Junge Ohren“ Preis  2008 gab es im Jahr 2013 eine Nominierung zum europaweit ausgeschriebenen YEAH! Award. Was bringen derartige Auszeichnungen in erster Linie?

Martin Deuring:
Zum „Yeah Award“ waren einhundertsechsunddreißig Bewerbungen eingereicht worden, die Jury hat fünfzehn Projekte ausgewählt und wir waren dabei. Dieser Erfolg bedeutet uns sehr viel und die Nominierung hat einen hohen Werbewert. Im Rahmen des Wettbewerbs haben wir viele Menschen kennen gelernt, unter anderem auch die Regisseurin Sara Ostertag, ebenfalls nominiert, die unser nächstes Familienkonzert in Szene setzen wird. Die Premiere findet Juni 2015 in Luxemburg statt.

– Eine Geschichte als Transportmittel

Welchen Stellenwert hat die Geschichte, die ihr rund um eure Musikdarbietungen erzählt, ist die Geschichte oder die Musik Mittel zum Zweck?

Martin Schelling: Beides ist ein Mittel zum Zweck, sowohl mit Musik als auch mit einer spannende Geschichte wollen wir die Kinder und auch Erwachsene ansprechen und ihnen Freude bereiten. Nebenbei sollen sie, allerdings nicht mit erhobenem Zeigefinger, etwas lernen. Dieses Mal geht es um die Frage, „Was ist gute Musik? Warum gefällt dem einen diese Musik und die andere nicht?“. Verbunden damit ist ein Appell an Toleranz und Offenheit.

Martin Deuring: Für mich ist die Geschichte ein Instrumentarium, um die Musik gut hinüber zu bringen. In „Kommissarin Flunke“ spielen wir eher wenig. Im „Magischen Klang“ gibt es viel mehr Musik und weniger Textpassagen. Das war auch ein Entwicklungsprozess und wir können uns jetzt auch trauen, mit weniger Gestik und ‚Brimborium’ die Spannung zu halten.

– Eine Initialzündung –

Ihr habt bereits die vier Familienkonzertprogramme „Es rieselt, es knistert, es kracht“, „Räuber PotzBlitz“, „Kommissarin Flunke“ und der „Magische Klang“ realisiert. Und nun gibt es nach dem Projekt „Hin- und Herkunft“ ein zweites Programm, das sich an Erwachsene wendet. Wollt ihr damit euer Angebot erweitern oder welche Idee steckt dahinter?

Martin Schelling: Das Konzert „Hin- und Herkunft“ mit den befreundeten mazedonischen Musikern Marem und Nehrun Aliev war für uns die Initialzündung, selbst ein Abendprogramm zu entwerfen. In Zusammenarbeit mit Marem und Nehrun Aliev haben wir eine unserer Stärken entdeckt. Wir können viele verschiedene Musikstile auf einem guten Niveau musizieren. So ist die Idee entstanden, dass wir unsere Lieblingsmusiken arrangieren und teilweise auch selbst Stücke komponieren, um damit ein abwechslungsreiches Abendprogramm zu zusammen zu stellen. Hier treffen ganz verschiedene musikalische Welten aufeinander, die wir mit unserem Schurkencharme miteinander in Verbindung bringen.

– Die Schurken dürfen das –

Wie schafft ihr den Spagat, dass nicht ein Sammelsurium an musikalischen Arrangements für Trompete, Akkordeon, Klarinette und Kontrabass entsteht, und die bearbeiteten Werke dem Charakter der ursprünglichen Kompositionen nicht entsprechen?

Martin Deuring: So erzählt klingt es etwas banal, aber wir nehmen beispielsweise eine Polka von Bach und eine Schweizer Volksmusik und stellen sie direkt nebeneinander. Der ‚schurkische’ Charme verbindet das alles und erlaubt es uns, diese Bandbreite zu zeigen. Die Grundidee ist, dass wir Musik spielen, die uns sehr berührt. Selbstverständlich kann man darüber diskutieren, ob man eine Bachkantate mit Trompete, Akkordeon, Klarinette und Kontrabass spielen kann. Ich finde es für mich einfach schön und berührend, diesen Bach zu spielen, das ist entscheidend. Das Image „der Schurken“ hilft uns dabei, denn sie tun das einfach.

Martin Schelling: Leute, die einen Kabarettwert von den Schurken erwarten, werden sich freuen, aber unser Programm hat auch einen musikalischen Tiefgang. Klar, ein Purist wird manchen Triller finden, den er unstilistisch empfindet. Jedem ist es anheimgestellt, die Werke lieber in der Originalbesetzung zu hören.

– Maßgeschneiderte Musik

Auch im aktuellen Programm finden sich Kompositionen von Murat Üstün. Er ist seit eurer Ensemblegründung vor zehn Jahren ein ständiger Begleiter der „Schurken“. Was zeichnet seine Musik aus?

Martin Deuring: Ich habe die Musik von Murat Üstün bei der Arbeit an den Kinderprogrammen sehr schätzen gelernt, weil er ein unglaublich gutes Gespür für Situationen, Längen und Proportionen hat. Ein sehr gutes Timing ist in unseren Programmen sehr wichtig. Die Musik soll in dem Moment lang genug, aber nicht zu lange sein. Er komponiert maßgeschneiderte, sehr gute Musik, pure Emotion.
Danke für das Gespräch.

Dieses Interview ist zuerst in der Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft im April 2014 erschienen.

Factbox
Samstag, 12. April, Spielboden Dornbirn, 20:30 Uhr
„Die Schurken – Odyssée“, Jubiläumskonzert

http://www.dieschurken.at