mica-Interview mit Fargo

Robinson Stärk macht seit frühester Jugend Musik, zurzeit spielt er in den Bands „Colt“ und „Fargo“. Was nach Country und Western klingt, geht aber mehr in Richtung Blues, Rock und Elektronik. Auch wenn Stärk auf einem Bauernhof aufgewachsen ist, wie er im Interview mit Jürgen Plank erzählt.

Wie bist du zur Musik gekommen?
Ich bin auf einem Bauernhof aufgewachsen und mein Vater hat zwei Freunde gehabt, die waren Blues-Musiker. Die sind jedes Jahr ein bis zwei Mal für ein paar Tage vorbei gekommen und da wurde dann auch immer gespielt. Als Jugendlicher mit rund 12 Jahren hat mich das extrem beeindruckt und deswegen habe ich Bass gespielt, weil die keinen Bassisten gehabt haben.

Wie ging es dann bei dir weiter?
Dann haben wir eine klassische Schülerband gehabt, eine Rock’n’Roll-Band mit zwei Gitarren, Bass und Schlagzeug. Dann habe ich lange Zeit nur Bass gespielt und nicht gesungen. Erst mit 20 Jahren habe ich angefangen zu singen und Gitarre zu spielen und dann ist das Banjo dazu gekommen und diverse andere Saiteninstrumente. Jetzt versuche ich mich gerade am großen Feld der Holzbläser – aber das ist ein steiniger Weg.

Wie haben Bands geheißen, bei denen du gespielt hast?
Die Schülerband hat geheißen „Twisted Reality“, dann eben „Colt“ und „Fargo“. Es gab ein paar Gastauftritte bei anderen Bands und bei „Rostyian“ habe ich zirka ein Jahr lang gespielt, das ist eine türkische Folkband.

Welche Musik macht „Colt“?

Colt spielt Rockmusik, aber wir sind sehr experimentierfreudig und bringen auch Elektronik und Soundscapes ein. Wir sind schon ziemlich weit weg von einer Rockband.

Wie würdest du jemandem, der euch noch nie gehört hat, die Musik von „Fargo“ beschreiben?
Die Musik kommt sicher aus dem Blues und hat auch etwas Jazziges. Es geht bei „Fargo“ darum, sehr viel Sound zu produzieren, viele verschiedene Klangbilder. Meiner Meinung nach ist es eine Blues-Band.

Apropos Bilder: Es gibt natürlich den Film „Fargo“ von den Coen-Brüdern, bezieht ihr euch darauf?
Das hat den Bezug, dass „Fargo“ anfangs keine Band war sondern ein Schriftsteller-Duo, das Helmut Steiniger und ich gegründet haben. Wir haben dafür einen Namen gebraucht. In unserem Erstlingswerk geht es um eine Reise nach Barcelona, die eine ähnliche einsame Stimmung hat wie dieser Film und deswegen ist er uns in die Quere gekommen. Aber der Name nimmt natürlich Bezug auf den Film.

Seit ihr noch als Autoren tätig oder ist diese Tätigkeit in der Musik aufgegangen?
Das ist jetzt alles in der Musik. Ich bin der einzige, der noch in Linz ist und das Schreiben hat sich über die Strecke Linz-Wien etwas verflüchtigt.

Ich habe euch ein Mal live gesehen und da habt ihr ein Kinderspielzeug-Klavier verwendet. Wie verspielt seid ihr als Band?

Die Anspielung auf das Toy-Piano würde ich gar nicht unbedingt als verspielt oder kindlich sehen, sondern darauf bin ich über John Cage gekommen, der ein Stück für dieses Instrument geschrieben hat, das auch in der Carnegie-Hall aufgeführt worden ist. Ich habe da eher einen ernsthaften Zugang zu diesem Spielzeugklavier. Aber es ist schon so, dass wir immer auf der Suche nach Instrumenten sind, die nicht professionell sind. Und da sind natürlich die Kinderinstrumente „perfekt“, weil die einfach Macken haben. Die sind zum Teil nicht richtig gestimmt oder sind aufgrund ihres Aufbaus schwer oder eingeschränkt zu spielen. Und sie haben einen eingeschränkten und charakteristischen Klang.

Es gibt eine legendäre Linzer Szene rund um das Cafe Landgraf, mit Willi Warma, The Passengers und Dynamo Urfahr. Inwiefern seht ihr euch als Nachfolger dieser Szene?
Naja, die Landgraf-Konzerte habe ich zum Teil als Kind miterlebt und kenne auch einige Musiker von damals. Wir sehen uns nicht als Erben dieser Szene, aber es ist eine Infrastruktur aufgebaut worden und ein Musikernetzwerk, in dem man dann natürlich drinnen ist und man profitiert natürlich von Leuten, die schon ein paar Schritte in die richtige Richtung gegangen sind. Aber ich würde nicht sagen, dass das unsere musikalischen Wurzeln sind. Das war sicher ein Einfluss als Kind, aber ich habe persönlich nicht viele Verbindungen zum Punk. Aber ich war als sechs Monate alter Säugling bei einem Sonic Youth-Konzert in der Stadtwerkstatt. Ich könnte es mir umgekehrt schwer vorstellen: Dass es diese Szene nicht geben würde. Was wäre dann?

Ihr habt auch schon in Deutschland gespielt. Wie wichtig ist es euch aus Österreich hinaus zu gehen?
Das ist extrem wichtig. Dort wird man auch ganz anders aufgenommen. In Österreich ist man immer eine Linzer Band, verbunden mit relativ vielen regionalen Vorurteilen. In Deutschland ist man immer eine österreichische Band, außerdem eine ausländische Band. Das heißt, man hat eine ganz andere Erwartungshaltung an die Musiker und alles ist irgendwie ernsthafter.

Seht ihr euch eher als Live-Band oder wollt ihr auch ein Album machen? Was gibt es in diese Richtung an Ideen?

Wir sind definitiv mehr Live-Band als Studio-Band. Wir probieren auch alles, was wir vorbereiten, zuerst auf der Bühne aus, bevor wir es aufnehmen. Aber es gibt schon Aufnahmen und der Weg geht schon in Richtung Album mit selbst geschriebenen Songs.



Das heißt, ihr spielt eigene Lieder und anderes Material. Was spielt ihr da zum Beispiel?

Naja, das Konzept von Fargo ist, Songs neu zu interpretieren, die für jemanden im vorigen Jahrhundert sehr wichtig waren. Da ist es so, dass wir uns diese Songs wirklich aneignen, das ist ein Sezieren und dann wieder ein Zusammensetzen. Oft ist es so, dass es den Leuten gar nicht auffällt, dass es nicht unsere Songs sind, weil wir sie zu unseren machen.

Welche Ziele habt ihr für die nächste Zeit als Band?
Dieses Jahr soll noch das zweite selbst produzierte Album erscheinen. Außerdem wird es im Sommer eine Bandklausur geben, auf die wir uns alle sehr freuen. Das wird eine knappe Woche hoch konzentriertes Arbeiten in Isolation sein. Wenn da genug Material entsteht, fangen vielleicht danach die Arbeiten für das nächste Album an.

Wohin werdet ihr euch zurückziehen, in die Berge?

Ja, an den Fuß der Kalkalpen. Einer aus der Band, der Multiinstrumentalist Peter Karrer, wohnt mittlerweile am Bauernhof und wir werden den Stadel frei machen und dann dort unsere Zelte aufschlagen.

Fargo live:
Mi 3. September 2013, Smaragd, Linz, gemeinsam mit Donke & Zigon, The Wichita

 

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