
Das Kriterium für den Träger, mit Blick auf die Literatur Gert Jonkes, die ästhetischen Potentiale der Sprache freilegen und weiterentwickeln, wurde von Klaus Amann, im Einvernehmen mit der Nachlassverwalterin Ingrid Ahrer, festgeschrieben. Der Gert Jonke-Preis wird jedes ungerade Jahr im Wechsel für Prosa, Dramatik und Lyrik vergeben. Den Träger sucht eine international besetzte, dreiköpfige Jury. Erster Preisträger war der Sprachverknapper Alois Hotschnig. Der Ort der heurigen Preisübergabe ist der literarischen Gattung adäquat: Die Bühne des Stadttheaters.
Den Programmablauf der Preisvergabe 2013 gestaltet die GERT-JONKE-GESELLSCHAFT, die kürzlich zur Förderung der Rezeption des Werkes von Gert Jonke, sowie die Förderung der künstlerischen und wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit diesem gegründet wurde, im Sinne des Namengebers, im Rahmen einer künstlerischen Gesamtveranstaltung, zu deren Höhepunkten die Uraufführung der Komposition Hommage an Gert Jonke von Wolfgang Seierl gehört (Gespielt wird diese vom Koehne Quartett). Und weil die Musik zu Gert Jonke gehört wie die Buchstaben zum Alphabet, plant die GERT-JONKE-GESELLSCHAFT für jede kommende Preisverleihung einen Kompositionsauftrag.
Gert Jonke wollte auf das Theater, war aber naturgemäß kein Dramatiker im traditionellen Sinn. Aber seine Verweigerung landläufige Stücke zu schreiben, war und ist eine Bewältigungsherausforderung an das Theater. Eine äußerst produktive, weil Jonke die poetologischen Gattungen zwar missachtete, seine Prosa ist oft dramatisch, seine Dramatik nähert sich der Prosa, aber über die rhythmisch-rhapsodisch geschriebene Sprache, die sich aus dem Körper herauskatapultiert und dann wie eine Satzflut hemmungslos poetisch zu rollen anfängt, entsteht eine ungeheure Dynamik, eine Dynamik, in der die Sprache sich lawinenartig selber weitertreibt, eine Sprache, die dramatisch ist, ohne eines traditionellen Handlungsverlaufes zu bedürfen. Diese Sprache mit dem ihr innewohnenden poetischen Zauber auf die Bühne zu bringen, lotet die Grenzen der Theaterkunst aus. Aber wenn ein Regisseur sich auf ihre Magie verlässt, und wenn diese Magie aus den Mündern der Schauspieler herauskatapultiert wird, dann wird der Theatersitz zum Paradiessessel.
(Wilhelm Huber)