
In Zenica im ehemaligen Jugoslawien geboren, wuchs Nataša Mirkovic in Sarajevo auf. Bereits in ihrer frühsten Kindheit war sie mit traditioneller Musik des Balkans konfrontiert. „Mein Vater hat zu Hause Akkordeon gespielt, von ihm habe ich diese Musik gelernt, das waren vor allem Volkslieder, am Wochenende waren dazu immer viele Freunde eingeladen. […]“ Später mischten sich dann noch eigene musikalische Vorlieben wie nationale Rock-, Pop- und Punkmusik sowie internationale Großmeister des Rock und Pop wie Pink Floyd, Led Zeppelin, Deep Purple oder Dire Straits hinzu. Mit sechs Jahren entschloss sich Nataša Mirković – De Ro mit dem Klavierspielen zu beginnen, hatte aber wenig Glück mit ihrer Lehrerin die ihr nach und nach den Spaß am Spielen nahm, bis sie zwei Jahre später das Klavier an den Nagel hängte. Nun stellte sich die Frage, wie es in musikalischer Hinsicht weitergehen sollte. Eher durch Zufall wechselte sie dann zu Gesang, der schon immer neben dem Klavier sowohl in der Schule als auch privat praktiziert wurde. Die Crux an der Sache war aber, dass Nataša Mirković – De Ro eigentlich nie Sängerin werden wollte. Singen war für sie etwas Alltägliches das man ja ohnehin macht „was soll man da noch lernen“. In der Mittelschule stand sie dann vor der erneuten Entscheidung welches Hauptinstrument sie wählen sollte, wobei sie sich zunächst wieder für das Klavier entschied, recht bald aber schlussendlich wieder zum Gesang wechselte. Bereits hier arbeitete Nataša Mirković – De Ro nebenbei als Rundfunkmoderatorin und Studiomusikern im Jazz-, Pop- und Rockmusikbereich und war Mitglied mehrerer Bands so etwa des „Collegium Artisticum“ mit einem breit gefächerten Repertoire angefangen bei Renaissancemusik über bosnische Volkslieder bis hin zu zeitgenössischem Jazz. Der starre klassische Gesangsunterricht auf der Mittelschule war aber ein derart krasser Kontrast zu ihrem bisherigen Gesangstil, dass sie beim Wechsel auf die Hochschule den Entschluss fasste eine weitere musikalische Ausbildung abzubrechen und stattdessen ab 1991 Musikwissenschaft in Sarajevo zu studieren.

Bereits ein Jahr darauf erhielt Nataša Mirković – De Ro ihr erstes Engagement an der Grazer Oper wo sie die nächsten fünf Jahre unterschiedliche Rollen spielte. Darüber hinaus arbeitete sie an zahlreichen anderen Projekten wie etwa mit dem Sandy Lopičić Orkestar, diversen Studioaufnahmen im Popbereich, den Theaterstücken Gypsy’s Lullaby oder der Klagelieder-Revue Kassandra von Ernst M. Binder bis hin zu Musicals und Operetten ohne jegliche Berührungsängste zu anderen Genres. „Die Welt der Musik ist ja so bunt, ich konnte mich einfach nicht festlegen.“ Im Nachhinein stellte sich diese Zeit als sehr wichtig dar, da sie durch ihre gänzlich unvoreingenommene Herangehensweise mit vielen unterschiedlichen Gattungen und Stilen in Verbindung kam und so nach und nach ihre eignen Vorlieben und Präferenzen herauslösen konnte die sie zu ihrem eigentlich Ich führten. Dieser Prozess musste aber noch längere Zeit heranreifen. Nach Beendigung des klassischen Gesangstudiums bei Annemarie Zeller, Kammersängerin Joanna Borowska und Helga Müller-Molinari arbeitete Nataša Mirković – De Ro noch einige Jahre in verschiedenen Opernhäusern und war dabei immer wieder mit Unstimmigkeiten mit manchen Dirigenten unter anderem wegen ihrer eigenwilligen Phrasierung konfrontiert. Schon ihre Gesangslehrerin beschwerte sich immer „ … du verjazzt immer alle Mozartarien, das klingt einfach nicht gut …“. Erst heute hat sie verstanden, dass sie schon immer eine eigene Art hatte mit der Musik umzugehen. Anstatt in diesem oder jenem Stil mitzuschwimmen fehlte ihr einfach der Mut ihren eigenen Weg zu gehen.

Wie auch bei Schuberts Winterreise ist Nataša Mirković – De Ro stets aufs Neue von der Aktualität und Qualität der Lieder fasziniert die eingebettet in ein neues Arrangement auch nach mehreren Jahrzehnten oder teilweise sogar Jahrhunderten modern und zeitgemäß klingen. Ein dazu passendes Zitat von Nataša Mirković – De Ro lautet: „Ewig ist die Jugend des Liedes wenn sie der Ewigkeit die Tür aufmacht. […] Ein gutes Lied wird durch die Zeit nicht älter, es hat kein Alter. Es wird alt durch ein Arrangement das einer Epoche entsprechend Werte vermittelt die sich aber stets im Wandel befinden.“
Neben ihren zahllosen musikalischen und schauspielerischen Aktivitäten lehrt Nataša Mirković – De Ro an unterschiedlichen Institutionen, gibt Workshops und veröffentlichte jüngst das Buch „Universelle Stimmführung“, eine von ihr entwickelte Methodik wie SängerInnen am optimalsten und leichtesten mit ihrer Stimme umgehen lernen.
Damals wie heute fischt Nataša Mirković – De Ro in vielen Teichen und das mit großem Erfolg. Sei es Klassik, Barock, Zwölftonmusik, Rock, Pop, Volksmusik oder Jazz, auf jeden Fall alles „ […] bunt durchgemischt und ja nicht auf zwei Beinen“. Nach wie vor sieht sie sich aber nicht als typische „Sängerin“ sondern eher als Suchende und Forschende im weiten Feld der Musik. Ich bin mir sicher wir haben noch viel Unerwartetes von Nataša Mirković – De Ro zu erwarten und kann nur jedem einen ihrer nächsten Auftritte wärmstens empfehlen.
Georg Demcisin
Fotos © http://www.mirkovic-dero.com
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