Nominiert für den ersten Österreichischen Musikvideo Preis: "Spiel mir das Lied von der Liebe" von Fuzzman

Erstmals vergibt in diesem Jahr die VIS – Vienna Interpendent Shorts in Kooperation mit Screensessions, poolinale und dem mica – music austria den Österreichischen Musikvideo Preis. Unter den Einreichungen findet sich auch das Video zu „Spiel mir das Lied von der Liebe” von Fuzzman.

Herwig Zamernik ist in der heimischen Musikszene wohlbekannt. Seit Anfang der 90er Jahre ist er als Bassist und Sänger fixes Mitglied von Naked Lunch. 2005 startete der Produzent ein Soloprojekt, namentlich an die Bezeichnung seines Klagenfurter Studios angelehnt. Auf Fuzzmans drittem Album, das 2012 unter dem Titel „Trust me Fuckers“ auf Zamerniks eigenem „Lotterlabel“ erschien ist, findet sich der Song zum nominierten Musikvideo „Spiel mir das Lied von der Liebe“.

Melancholisch anmutende Backgroundchöre und tremolo Gitarrenklänge eröffnen eine Schlagerpersiflage, die an Alexander Marcus beste Zeiten erinnert. Sich dem volkstümlichen Deutschgesang hingebend, besingt Fuzzman Amor, Träume und das Ende der Welt. Unter dem Deckmantel beschwingter Gitarrenbegleitung und lieblicher Stimmführung bleiben Textausreißer fast unbemerkt, wählt Amor den Freitod und Fuzzman wird zum Arsch und zum Schwein.

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Die Produktion des Videos glänzt durch scheinbare Reduktion. Eine Kameraeinstellung genügt, um die Atmosphäre eines durch blitzende Discolichter erhellten, rustikalen Barbereichs einzufangen. Fuzzman – zunächst lässig an einem die Tanzfläche begrenzenden Geländer lehnend – richtet seinen Blick in die Kamera und wendet sich an den Zuseher, wie man es vom Schlagerstars erwartet. Gestisch und mimisch setzt sich Fuzzman voller Überzeugung durch übertriebenes Kopfkreisen und debiles Grinsen in Szene. Jedem Klischee gerecht werdend, spielt er mit der Kamera. Ein an der Bar sitzender Protagonist – der einzige Darsteller neben Fuzzman – erhebt sich vom Barhocker und beginnt zu tanzen. In Lack-Top und zu kurz geratene Leggings gezwängt wechselt die schrille Figur zwischen, an den Textaussagen orientierten, Ausdruckstanz ähnlichen Bewegungen und unmotivierten Ausfallschritten. Das kongeniale Duo liefert eine beachtenswerte darstellerische Leistung, die den Betrachter verunsichert und fassungslos zurück lässt. Das ausgesprochen gelungene Gesamtwerk beweist, dass Reduktion an Schnitten nicht in Detailarmut münden muss, denn diese aus der Alltagswelt abstrahierte Szene ist entgegen ihrer scheinbaren Leere, gefüllt mit Anspielungen und Assoziationen – musikalisch, sprachlich und visuell.

LL

 

 

Vienna Independent Shorts

 

 

 

 

poolinale

 

 

 

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Fuzzman