Unter dem Begriff der Third Mission haben Musikhochschulen in den vergangenen Jahrzehnten Initiativen entwickelt, um gesellschaftliche Verantwortung aktiv wahrzunehmen – diesem Thema widmet sich die Tagung Excellently Engaged der Tagung am 2. Juni 2026.
Die tertiäre Ausbildung von Musiker_innen befindet sich inmitten umfassender Transformationsprozesse. Das traditionelle Konservatoriumsmodell, das unter dem Vorzeichen musikalischer Exzellenz und einer Haltung von „Kunst um der Kunst willen“ einen imaginär unpolitischen Raum konstruiert, gerät zunehmend in den Fokus kritischer Reflexion. Nicht zuletzt angesichts aktueller gesellschaftlicher Entwicklungen, in denen demokratische Institutionen verstärkt durch nationalistische und rechtsextreme Bewegungen unter Druck geraten, wird eine klare politische Haltung zu einem demokratischen Imperativ und einer moralischen Verpflichtung.
Vor diesem Hintergrund wächst in der tertiären Musikausbildung das Bewusstsein dafür, dass die Künste gerade keine Sphäre jenseits des Politischen darstellen, sondern stets schon inhärent politisch sind. Wer wird (nicht) gehört und gesehen? Welche und wessen Musik wird (nicht) gespielt? Was gilt (nicht) als Musik? Was wird im hochschulischen Kontext als Erfolg und Qualität definiert? Und wer hat Zugang zu Rezeption, Produktion, Präsentation und Distribution von Kunst? – All diese Fragen sind zutiefst politisch. Sie sind von zentraler Bedeutung für Musikhochschulen als öffentliche Institutionen, da sie unmittelbar mit der Frage verknüpft sind, welche gesellschaftliche Funktion diesen Institutionen zukommt und mit welchem Ziel sie Musiker_innen im 21. Jahrhundert ausbilden.
Unter dem Begriff der Third Mission haben Musikhochschulen in den vergangenen Jahrzehnten – ergänzend zu ihren traditionellen Hauptmissionen Lehre und Forschung / EEK – Initiativen entwickelt, um gesellschaftliche Verantwortung aktiv wahrzunehmen. Auf diese Weise wurden im Bereich der tertiären Musikausbildung durchaus bemerkenswerte Veränderungen angestoßen. Gleichzeitig besteht jedoch die Gefahr, dass gesellschaftlich relevante Initiativen innerhalb einer hierarchischen Vorstellung der drei Missionen – Lehre, Forschung / EEK und Third Mission – isoliert und randständig bleiben. Zwar haben Themen wie Gender, Diversität und Inklusion sowie partizipative musikalische Praktiken im Sinne von Musikvermittlung und Community Music Eingang in die Curricula gefunden, nicht selten entstehen jedoch zwei strukturell getrennte und nur wenig durchlässige Welten – jene der künstlerischen Exzellenz und jene des gesellschaftlichen Engagements. Zudem geraten diese Praktiken aktuell zunehmend unter politischen Druck durch rechtspopulistische und rechtsextreme politische Akteure.
Die Tagung Excellently Engaged setzt hier an und geht von zwei zentralen Prämissen aus:
Musikhochschulen verfügen aufgrund ihres Fokus auf Kunst und Musik über besondere Möglichkeiten und Potenziale, zu einer demokratischeren Gesellschaft und zu einem gelingenden Zusammenleben beizutragen.
Angesichts des Ausmaßes gegenwärtiger gesellschaftlicher Krisen reicht es nicht aus, gesellschaftlich relevante Initiativen im Rahmen einer Third Mission zu verorten. Vielmehr muss gesellschaftliches Engagement relational gedacht werden und als Core Mission Lehre und Forschung / EEK auf allen Ebenen durchdringen.
Die Tagung umfasst einen Workshop mit musica inaudita und inn.wien, der unter dem Titel Unlearn the Canon nicht nur eine kritische Auseinandersetzung mit Kanonbildungsprozessen in der klassischen Musik anstößt, sondern zugleich konkrete Perspektiven für eine diversere Programmgestaltung eröffnet. Rosie Perkins (Royal College of Music) wird in ihrem Vortrag das Konzept des Civic Conservatoire vorstellen, während Tuulikki Laes (Sibelius Akademie) Public Pedagogy als leitende Perspektive für eine zeitgemäße tertiäre Musikausbildung einführt. Ein kritischer Zwischenruf von Irina Kirchberg (Université de Montréal) bildet den Auftakt zu einer anschließenden Podiumsdiskussion. Den Abschluss der Tagung bildet ein Konzert des inn.wien Quartetts.
PROGRAMM
Dienstag, 2. Juni 2026, ab 9:00 Uhr
Musik im Dialog-Saal
Gasometer Turm C
Huglgasse 2
1110 Wien
9:00 WORKSHOP musica inaudita & inn.wien ensemble: UNLEARN THE CANON – DIVERSE REPERTOIRE NOW! (for students and external musicians) | DEUTSCH
12:00 Break
13:00 GREETING WORDS and INTRODUCTION (Vice rector Gerda Müller, Ulli Mayer, Axel Petri-Preis)
13:30 LECTURE PLUS Q&A Rosie Perkins (Royal College of Music): The Civic Conservatoire | ENGLISH
14:30 LECTURE PLUS Q&A Tuulikki Laes (Sibelius Academy): Higher music education as site of public pedagogy | ENGLISH
15:15 Break
16:00 ARTISTIC INTERVENTION mdw students
16:30 PROVOCATION by Irina Kirchberg (Université de Montréal) | ENGLISH
17:00 PANEL Tuulikki Laes, Rosie Perkins, Axel Petri-Preis, Irina Kirchberg, Ulli Mayer, students. Moderation: Sarah Chaker | ENGLISH
18:30 Break
19:30 CONCERT inn.wien quartet
Link:
Excellently Engaged