Daniela Bartels: Musikpraxis und ein gutes Leben
Daniela Bartels: Musikpraxis und ein gutes Leben

Eine Suche zwischen Ethik und Musikpädagogik

„Ein gutes Leben“ – mit diesem Begriff wurden gewiss schon unzählige Buchseiten gefüllt. Diesem komplexen und sicherlich äußerst subjektiven Thema hat sich auch Daniela Bartels in ihrem etwas reißerisch betitelten Buch „Musikpraxis und ein gutes Leben“ gewidmet. Jedoch wurde der Titel des innerhalb der Reihe Forum Musikpädagogik beim Verlag Wißner Musikbuch erschienenen Werks nicht ohne Grund gewählt, denn Bartels bezieht sich mit ihrer Hauptfragestellung „Welchen Wert haben ethische Konzeptionen eines guten Lebens für die Musikpädagogik?“ auf vier ethische Konzeptionen, die sich dezidiert mit dem „guten Leben“ auseinandersetzen: Hannah Arendts „Vita Activa“, Aristoteles’ „Nikomachische Ethik“, Martha C. Nussbaums „Capabilities Approach“ und Wilhelm Schmids „Philosophie der Lebenskunst“. Die aus diesen Beispielen herausgearbeiteten Zielsetzungen sowie Inhalte eines guten Lebens und, laut Bartels, zudem einer guten Musikpraxis sind Wahlfreiheit, Selbstgestaltung sowie die Gestaltung von Beziehung

Daniela Bartels: Musikpraxis und ein gutes Leben (Cover)
Daniela Bartels: Musikpraxis und ein gutes Leben (Cover)

Im Verlauf des Buches leitet Bartels schließlich zur Musikpädagogik und dabei insbesondere zum Musikunterricht und zum gemeinsamen Musizieren über. So präsentiert sie eine Studie, in der offensichtlich wurde, dass das gemeinsame Musizieren in einer Gruppe nicht zwingend glücklich macht, besonders wenn die eigene Persönlichkeit und die eigenen Vorstellungen nicht ausreichend eingebracht werden können oder wenn sich die Beziehungen zwischen den Ausführenden und der musikalischen Leitung schwierig gestalten. Musizieren die Teilnehmenden ohne sich selbst einbringen zu können, da sie beispielsweise strikt einem/r Dirigenten/in folgen müssen, so wird die Tätigkeit des gemeinsamen Musikmachens als unbefriedigend empfunden. Wenn die Musizierenden jedoch „sich selbst zum Ziel erklären“, kann es zu erfüllten Augenblicken kommen und zum so genannten Flow. Bartels kommt zu dem Schluss, dass es von größter Bedeutung ist, künstlerisch mitgestalten zu dürfen – sowohl in einem Orchester als auch im Musikunterricht –, um nicht nur als Ausführende tätig zu sein, sondern den Prozess selbst beeinflussen und dadurch sich selbst präsentieren zu können.

Die Erkenntnisse, mit denen Daniela Bartels in „Musikpraxis und ein gutes Leben“ schließt, sind zwar nachvollziehbar und durch die quellengestützte Vorgehensweise auch fundiert, doch wirklich neue oder gar überraschende Erkenntnisse liefert das Buch eher weniger. Dennoch unterstreicht Bartels mit ihrem Fazit, von welcher Relevanz selbstbestimmte und zugleich sinnvoll angeleitete Musikpraxis ist und welche positiven Auswirkungen mit ihr in Verbindung stehen.

Link:
Bartels, Daniela (2018): Musikpraxis und ein gutes Leben. Welchen Wert haben ethische Konzeptionen eines guten Lebens für die Musikpädagogik?, Wißner Musikbuch / Preis: 29,80 €.