Mirela Ivičević im mica-Porträt

„Meine Musik ist Sonic Fiction, die aus Realitätssplittern besteht, entführt aus ihrem natürlichen Umfeld in eine surreale Welt, mit dem Ziel, aus ihnen alternative Klangkonstellationen und Erlebnisse zu schaffen, die helfen können, ihren Wirklichkeitsursprung besser zu verstehen oder zu transformieren.“

So entstehen Werke, die ebenso vielschichtig wie ihre realen Bezugspunkte sind, ihre Gestalt rasch ändern oder vielleicht sogar ins Gegenteil umschlagen. Populärmusikalische Elemente sind folglich ebenso zu finden wie Geräuschhaftes, klassische Versatzstücke oder kompliziert komponierte Kontexte. Teils spricht rein Instrumentales mit heterogenen Elementen für sich und überlässt die Interpretation der vielfachen Verweise ihren HörerInnen. In Werken wie der Orgy of References führen sich Referenzen – in diesem Fall von Lebensläufen – auf witzige Weise ad absurdum. Und so fusionieren Kritik und Humor mit handwerklicher Sicherheit und gestalterischem Gespür.

Geboren 1980 in Split, Kroatien. Studium der Komposition und Musiktheorie an der Musikakademie Zagreb bei Željko Brkanović, postgraduale Studien Medienkomposition und angewandte Musik bei Klaus-Peter Sattler an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien (mdw) sowie Komposition bei Beat Furrer an der Universität für Musik und darstellende Kunst Graz. Kompositionskurse in Österreich und in den Niederlanden bei Georges Aperghis, Georg Friedrich Haas, Julia Wolfe, Luis Andriessen u. a. Parallel zu den Kunststudien absolviert sie das Masterstudium Kulturmanagement am IKM der mdw. Co-Kuratorin, Produzentin des Festivals zeitgenössischer Musik DANI NOVE GLAZBE in Split, seit 2014 Co-Kuratorin des Festivals UNSAFE & SOUNDS sowie Mitbegründerin des Ensembles The Black Page Orchestra in Wien.
Den wesentlichen Teil ihres Schaffens bilden konzeptuelle und intermediale Werke, die sich oft mit der Rolle des Klangs im soziopolitischen Kontext beschäftigen und in denen sie mittels sampling-ähnlichen Prozessen mit Text und klanglichen Abfallprodukten der zeitgenössischen Gesellschaften arbeitet.

WICHTIGE WERKE: (Auswahl)

Dominosa Octarine, für Flöte und Ensemble
(2010) 9’
Auftragswerk Ensemble Zeitfluss

She drowned his soul in the violet sea. Ein sonischer OCD-Albtraum, ein klangliches Dominospiel als Rahmen für die Schöpfung aus der aufmerksamkeitsgestörten Realität.

Dominosa ADHD: Haute Couture, Musiktheater für Sängerin/Schauspielerin und Ensemble (2011) 8’
Auftragswerk Ensemble Platypus

Der Model-Klang und sein Karl Lagerfeld. Über die Suche nach dem perfekten Stoff und der passenden Farbe der Frühlings/Sommer-Kollektion 2012 und über diejenigen unter uns, die in den Zeiten der Krise neutral bleiben.

The Rape Of Rainbow / on the effects of monoculture, für Piccolo, Trombone und Ensemble (2012) 14’
Auftragswerk Ensemble Reconsil

Über, aber auch gegen: den Toleranzuntergang während der ersten Split Pride und dem Leben im Verlies des Unisono-Monsters. Vier Musikfragmente die mit einander nichts gemeinsam haben, außer der stupiden Gewalt, mit der sie ausgelöscht werden.

PLANET 8, intermediale Suite für Ensemble und (Selbst)Reflexion (2013) 55’
Konzept, Text, Komposition, Regie
Auftragswerk  Music Showroom SC / Teatar &TD Zagreb

Musik als Kampf, nicht als Flucht? Ein Kind aus der gemischten Ehe kritischer und klanglicher Weltwahrnehmung. Blutrot heiß, einladend. Recyclierend, nicht-zensurierend, nicht-ersparend, alles hinterfragend, inklusive derjenigen, in deren Gedankengalaxie es geboren wurde. Ein Biotop der MusikerInnen die sich auf die Suche nach der reflektiven und der subversiven Kraft des Klangs begeben.

AUSZEICHNUNGEN und FÖRDERUNGEN (Auswahl)

2014 Staatsstipendium für Komposition, Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur
2014 Teilnehmerin des internationalen ISCM Composers-Curators Exchange
2014 Josip Štolcer Slavenski Preis (Planet 8, bestes Musikwerk Kroatiens 2013)
2013 österreichischer Beitrag für die World New Music Days 2013: Karussell, Kammeroper, IGNM/Sirene Operntheater
2012 Startstipendium für Komposition, Bundesministerium für Unterricht,
Kunst und Kultur
2010 Theodor Körner Preis (Ace of Diamonds, für Orchester und Elektronik)
2009 Preis der Rudolf Matz Stiftung
2006/07 Stipendiatin der Thyll-Dürr Stiftung

AUFTRÄGE / AUFFÜHRUNGEN (Auswahl):

Moving Sounds Festival, Musikbiennale Zagreb, Gaudeamus Music Week, Music Showroom SC, ISCM World New Music Days 2005/2013, aNOther Festival Wien, Izlog suvremenog zvuka,  Teatar &TD Zagreb, Ganz Novi Festival, Audioart Festival, Sirene Operntheater, Wien Modern, Bienal Música Hoje, Ensemble mise-en, Ensemble Reconsil, Ensemble Platypus, Ensemble Zeitfluss, Ensemble Cantus, Zagreb Philharmoniker, Papandopulo kvartet, SNIM.

 

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