Bild Chameleon Orchestra
Chameleon Orchestra (c) Otto Reiter

CHAMELEON ORCHESTRA – „Windows to the East“

Ein begeisternder musikalischer Brückenschlag vom europäischen Jazz hin zur Klangwelt des Orients, genau einen solchen gibt es auf „Windows to the East“ (ATS Records), dem am 24. April erschienenen neuen Album des CHAMELEON ORCHESTRA, zu hören.

Der musikalische Ort, an dem sich diese Formation frei von allen Zwängen eindrucksvoll austobt, ist einer, an dem Grenzen keinerlei Bedeutung haben. Das Chameleon Orchestra zelebriert Weltmusik in ihrer vielleicht offensten, facettenreichsten und auch bildhaftesten Form. Nichts, aber auch wirklich rein gar nichts definiert sich im Sound des aus Oberösterreich stammenden Kollektivs über die traditionellen musikalischen Muster. Was im Umkehrschluss aber nicht bedeutet, dass die verschiedenen musikalischen Traditionen aus den unterschiedlichsten Ecken der Welt nicht Einfluss auf das Geschehen ausüben. Ganz im Gegenteil, sie sind elementarer Bestandteil des Ganzen, nur werden sie von der sich um den Geiger und Komponisten Christian Wirth scharrenden Formation – der unter anderem auch der syrische Oud-Virtuose Orwa Saleh – einem gänzlich anderen, einem zeitgenössischen Kontext zugeführt.

Der Brückenschlag zwischen den verschiedenen musikalischen Welten

Grob umschreiben lässt sich der Klang des Chameleon Orchestra als das musikalische Aufeinandertreffen des Okzidents und Orients, des Jazz europäischer Prägung mit den verschiedenen Volksmusiken des arabischen Raumes. Wie gesagt, eine sehr grobe Beschreibung,  denn als ob diese Kombination nicht ohnehin schon eine immens bunte wäre, kreuzen die Beteiligten diesen Mix dann auch noch mit Einflüssen aus ganz anderen musikalischen Welten.  Ein wenig Südamerikanisches hier, ein wenig Kammermusikalisches da, dann noch ganz eine leichte Prise Funk, und fertig ist ein Fusion-Hörerlebnis der ganz besonderen Art. Der Bogen des klanglichen Ausdrucks zeigt sich als ein sehr weit gefasster und spannt sich vom musikalischen Großformat über das schwungvoll Tanzbare bis hin zum intimen und instrumental reduzierten Klang. In den Stücken des Orchesters wird ausgelassen gefeiert, eleganten Schrittes getanzt und sich der schönsten feinfühligsten Melancholie hingegeben.

„Windows to the East“ offenbart sich Album, das wirklich viel Freude bereitet. Es weckt Emotionen und berührt, es pflanzt Bilder ferner Gegenden in die Gedanken und regt aufgrund der Bildhaftigkeit der musikalischen Sprache auch in hohem Maße die Fantasie an. Christian Wirth und sein mit großes Speifreude agierendes Chameleon Orchestra zeigen, dass man sich in der Vielfalt der Stile nicht unbedingt verlieren muss, sondern diese für sich auch nutzen kann, um musikalisch etwas wirklich Besonderes entstehen zu lassen.

Michael Ternai

Links:
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