Brosd Koal melden sich zurück

Im  Jahr 2002 eröffnete Brosd Koal mit dem Lied „ und i i muas me dumen“ den zweiten FM4 -Sampler „Im Sumpf: Musik – Zu Gut Für Diese Welt“. Trotz darauffolgenden Angebots eines Plattenvertrags auf dem Münchner Label Trikont, löste sich die Formation auf. Gut zehn Jahre später, 2011, ließ Brosd Koal überraschend wieder von sich hören. Zwar mit leichter Umgestaltung in der Besetzung, jedoch mit der gleichen individuellen Klanggestaltung, wie sie schon vor einer Dekade positiv aufgefallen war. Mit „Brosd Koal 1“ (Wohnzimmer Records) präsentiert die Kapelle nun ihr erstes Album, das ab 3. Mai sowohl analog als auch digital im gut sortieren (Online-) Fachhandel erhältlich sein wird.

Tradition fusioniert mit Moderne, so in etwa könnte man den Sound beschreiben, würde man sich nicht weiter Mühe einer genauen Genredefinition machen. Aber  dass sich hinter Broasd Koal weitaus mehr versteckt, erklärt sich schon  alleine an der Tatsache, dass hier Karl Schwamberger die Finger mit im Spiel hat. Mit seinem Ein-Mann Projekt Laokoongruppe, reiht sich der gebürtige Oberösterreicher in ein ähnliches stilistisches Fach wie die Landsmänner Attwenger oder Binder&Krieglstein. Mit Brosd Koal begibt er sich nun eine Spur weiter. Da trifft Mundart auf Artmusic, Industrial auf Bauernhof und Dorfdisco auf Kellerjazz. Gemeinsam mit Robert Haitzinger wurde in Heimarbeit  an neuen Musikentwürfen gearbeitet, die anschließend im Studio unter der Regie vom Martin Siewert und mit Beteiligung zahlreicher Musiker konkretisiert wurden.

Während sich Schwamberger für den Gesang verantwortlich zeigt, greifen Lukas Ertl, Klaus Makotter, Jens Gerö und Robert Haitzinger zu zahlreichen Instrumenten, wobei Elektronische nicht  ausgeschlossen werden. Und wie es sich für eine Avantgarde-Band mit Fokus auf traditionelles österreichisches Liedgut gehört, dürfen Bläser natürlich nicht fehlen, im Studio und live umgesetzt von Josef Reif und Rainhard Zmölnig. „Brosd Koal 1“ beinhaltet  14 Tracks, die mit Titeln wie „Af An Kariadn“ und „Gschbensda“  sehr tief in der dialektalen Wortschatz-Kammer begraben liegen. Mit den Songtexten  gestaltet es sich nicht anders. Was sich im ersten Moment wie eine Fantasiesprache à la Sigur Ros anhört, stellt sich bei genauem Hinhören als obskure Mundartphrasierung heraus, die wohl nur der alteingesessenen Waldviertler noch im größten Rausch verstehen kann. Aber laut Band es geht ja vorrangig weniger darum wörtlich verstanden zu werden, als vielmehr zu klingen und so zu wirken. Mit oder ohne Alkohol im Blut. Auch wenn Brosd Koal ohne Zweifel Feldforschung in diversen Wirtshäusern betrieben haben (zu hören unter anderem in den Liedern „Ocht“ und „Geistawein“), darf der Hörer auch im nüchternen Zustand dem Soundgewabe aus ruralen und urbanen Elementen lauschen.

 

Letzteren Elementen widmet sich die Formation insbesondere in der Singleauskoppelung  „und“, die vermutlich  wegen der treibenden Beats gerade die Austrian Indie Charts stürmt. Und zum Karl Schranz- Remix des Liedes„resdi“ wird man vermutlich weniger in einer oberösterreichischen Großraumdisko tanzen, als vielmehr in einem Wiener Hipster Club. Oder am Samstag, den 4. Mai im Gartenbaukino. In der legendären Location für Premieren aller Art  wird „Brosd Koal 1“ erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Natürlich in Kapellen-Großbesetzung sowie DJ- Support von B. Fleischmann. Der Eintritt ist frei! (bw)


Konzerttermine:

4. Mai: Album Release Show im Gartenbaukino, Wien

Foto: Selina de Beauclair

http://brosdkoal.bandpage.com/