Eva Reiter

Als kennzeichnend für Eva Reiters kompositorische Arbeit der letzten Jahre kann die Auslotung des schmalen Grats zwischen rein akustischer und elektronischer Musik angesehen werden. Die Aufmerksamkeit ist jenem Material gewidmet, das die Illusion elektronischer Klänge erweckt. Dabei sollen durch einfache Mittel wie Präparierungen Klänge mit einer komplexen Binnenstruktur erzeugt werden. Die Klanggestaltungen der für Reiters Musik elementaren elektronischen Zuspielungen bestehen zum einen aus Samples, die den Instrumenten selbst entnommen sind, zum anderen aus Maschinen und Motorensounds, deren asymmetrische Loopeigenschaft besonders charakteristisch ist. Reiter entwickelt Legierungen zwischen Elektronik und Instrumentalklang und schafft somit ein symbiotisches Gefüge.

Der Interpret wird durch die Strenge des kompositorischen Plans und das exakte Timing zwischen Live-Part und Tape fast schon selbst in so etwas wie einen maschinellen Zustand versetzt. Der ideelle Kontakt zum wissenschaftlichen Kontext der Molekularbiologie zeigt sich in vielen ihrer Werke. Die Aufmerksamkeit richtet sich hierbei auf musikalische Details, die zueinander ein Abhängigkeitsverhältnis aufweisen und die quasi mikroskopisch bearbeitet und unterschiedlichen äußeren Einflüssen ausgesetzt werden. Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der Analyse menschlicher Sprache, das Bearbeiten und Zerlegen bestimmter Texte bis zur Unkenntlichkeit einerseits und das Entwickeln einer neuen Klangsprache auf Basis von Artikulationsanalyse andererseits. Im Zentrum stehen gezielte Phrasierungen, die dem Klang und der Melodiebildung menschlicher Rede nachempfunden sind, und atypische, dem Instrument oftmals fremde, komplexe Klanggestaltungen, die instrumentale Charakteristika aufzulösen versuchen. (dw)

Lebenslauf

Geboren in Wien. Studium der Blockflöte und Viola da Gamba an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien. Diplom mit Auszeichnung. Fortsetzung beider Studien am Sweelinck Conservatorium in Amsterdam. Beide Masterdiplome „cum laude“. Derzeit rege Konzerttätigkeit als Solistin sowie Auftritte mit verschiedenen Barockorchestern, Unidas, Ensemble Mikado (www.ensemblemikado.com), Le Badinage (www.lebadinage.com), und Ensembles für zeitgenössische Musik (Ictus, Klangforum Wien, ELASTIC BAND u. a.). Als Komponistin mit dem „Publicity Preis“ der SKE, dem Förderungspreis der Stadt Wien 2008, dem Queen Marie José International Composition Prize 2008 sowie weiteren Förderungen ausgezeichnet. „Alle Verbindungen gelten nur jetzt“ zählt zu den ausgewählten Werken des Rostrum of Composers (IRC) 2009.

Werke (Auswahl)

Alle Verbindungen gelten nur jetzt (2008)
ist ein auf die Spitze getriebenes „choreografisches“ Spiel instrumentaler Verknüpfungen, Auflösungen und Kollisionen. Im Auftrag von ORF und Jeunesse

Konter (2009)
Ein schneller Gegenangriff. Aktive Defensivtechnik: Ein Gegner wird abgewehrt, indem man während der Schlagbewegung des Angreifers diesen mit einem nahezu gleichzeitigen eigenen, kräftigen Schlag überrascht. Im Auftrag von Wien Modern

Eva Reiter – Konter by mica

Zug ins Gelobte (2010)
Vier Flöten, ein Tape – fünf Starkstromleitungen, die enorm ineinander verwickelt sind. Musik als Zustand. Strom ist Energie. Wie das Aufladen eines Generators, bis ein kaum noch zu kalkulierender Energiepegel erreicht ist.

Irrlicht (2012)
Irrlicht mit seinen vorwiegend hellen Klangfarben ist nicht nur ein vielfaches In-die-Irre-führen des Hörers, sondern auch ein Spiel mit seinen Assoziationen und Sinnverknüpfungen. Der Stücktitel verweist auf die Metaphernwelt, in der Irrlichter als  kurzzeitige Leuchterscheinungen bekannt sind, wie sie bisweilen nächtens vorwie¬gend in Sümpfen oder Mooren zu beobachten sind.
Im Auftrag von Klangforum Wien und musikprotokoll

Auszeichnungen und Förderungen (Auswahl)

2006 Publicity Preis des SKE Fonds
2008 Internationaler Kompositionswettbewerb der Stadt Gmünd: 2. Preis (bei Nichtvergabe des 1. Preises)
2008 Queen Marie José International Composition Prize: Gewinnerin
2008 Bundeskanzleramt: Förderungsprämie
2008 Stadt Wien: Förderungspreis
2009 Rostrum of Composers: Auswahl von Alle Verbindungen gelten nur jetzt
2009 Förderprämie des Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur
2010 START-Stipendium für Komposition
2012 Staatsstipendium für Komposition

Aufführungen (Auswahl)

Transit/Leuven, Ars Musica/Brüssel, ISCM World New Music Festival 2006/Stuttgart, generator und Wien Modern/Wiener Konzerthaus u. a.

Foto: © Moritz Schell
 

 

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