Wolfgang Muthspiel (c) Laura Pleifer

WOLFGANG MUTHSPIEL – „Where The River Goes“

Der in Wien lebende Ausnahmegitarrist WOLFGANG MUTHSPIEL veröffentlichte am im Oktober diesen Jahres sein neues Album „Where The River Goes“(ECM Records), welches – wie auch schon sein Vorgänger „Rising Grace“ (ECM Records) – bereits für einiges Aufhorchen gesorgt hat. Zusammen mit AMBROSE AKINMUSIRE (Trompete), BRAD MEHLDAU (Piano), LARRY GRENADIER (Kontrabass) und ERIC HARLAND (Schlagzeug) präsentiert er uns diesmal acht spannende und moderne Jazzklänge auf höchstem Niveau.

Längst hat Muthspiel nicht nur die heimische Szene überzeugt, sondern er konnte sich eigentlich von Beginn seiner Karriere an auch auf internationalem Parkett behaupten. So genoss er nach absolvierten Studien in den USA und anschließenden Touren mit dem Gary Burton Quintet (hier war Muthspiel Nachfolger von Pat Metheny) schon in jungen Jahren einen hervorragenden Ruf.

Auf dem aktuellen Werk werden Wolfgang Muthspiel und seine Mitmusiker diesem mehr als nur gerecht und begeistern die ZuhörerInnen auf verschiedenen Ebenen.

Wohin uns der Fluss führt

Cover Where The River Goes

Eröffnet wird „Where The River Goes“ durch die gleichnamige Titelnummer, welche uns mit Leichtigkeit in die Gewässer dieses Albums eintauchen lässt. Neben der wirklich gelungenen Komposition an sich beeindrucken vor allem die außergewöhnlichen Improvisationen des Pianisten Brad Mehldau. Hier sind besonders die Eigenständigkeit und das „Nichtkopieren“ seines Spiels hervorzuheben. So werden unter anderem „Avoid Notes“ („falsche Töne“) eben nicht vermieden, sondern bewusst und virtuos in Szene gesetzt. Aber auch Ambrose Akinmusire fällt durch teils fragile Trompetenmelodien auf und scheint den Titel des Albums bzw. des Tunes mit seiner Phrasierung gewitzt zum Ausdruck zu bringen. Nicht minder virtuos, jedoch etwas subtiler sind die gefühlvollen bzw. kreativen Melodie- und Improvisationslinien der Gitarre. Muthspiel zeigt dabei (wieder einmal) viel Einfallsreichtum und schafft es gleichzeitig, mit wunderbaren flächigen Klängen eine ganz eigene Atmosphäre zu erzeugen.

Die bereits erwähnte Eigenständigkeit und die daraus resultierende Unvorhersehbarkeit ziehen sich wie ein Fluss durch das gesamte Album und vermögen es dabei insbesondere durch die gekonnte Umsetzung kreativer Ideen, die Aufmerksamkeit des Publikums immer wieder zu fesseln. So ist beispielsweise der zweite Titel der LP, „For Django“, nicht, wie man vermuten möchte, der Gitarrenlegende Django Reinhardt, sondern dem britischen Komponisten und Pianisten Django Bates gewidmet. Passend dazu nimmt sich Muthspiel hier klug zurück und lässt sowohl seinen Kollegen als auch der Komposition genügend Platz, um sich zu entfalten. Deutlich mehr im Vordergrund steht er wieder bei dem akustischen Solostück „Buenos Aires“, wo die wirklich beachtlichen Fähigkeiten Muthspiels am Instrument und sein Gespür für Melodien und Harmonien wunderbar zum Ausdruck kommen.

Neben „Where The River Goes“, „For Django“, und „Buenos Aires“ finden sich noch vier weitere Stücke Muthspiels, ein Titel von Mehldau („Blueshead“) sowie die Gruppenimprovisation „Clearing“ auf dem aktuellen Werk. Die vier Musiker zeigen dabei durchgängig, wie man die Tradition des Jazz und seinen Spirit authentisch und eigenständig in moderne Zeiten übertragen kann.

Fazit: Nicht nur für Gitarristinnen und Gitarristen sicherlich eines der Jazzalben des Jahres!

Alexander Kochman

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Wolfgang Muthspiel (Website)