Bild Granada
Granada (c) Carina Antl

„Wir sind sowohl musikalisch als auch textlich unserem Sound treu geblieben, haben aber doch an Reife gewonnen […]“ – GRANADA im mica-Interview

Mit ihrem Debütalbum haben GRANADA vergangenes Jahr weit über die österreichische Landesgrenze hinaus reüssiert – nun erscheint am 22. Juni das zweite Album „Geh bitte!“ (Karmarama/Sony). Was als Musikprojekt für den Film „Planet Ottakring“ begann, ist mittlerweile zum Festival-Headliner geworden. GRANADA vereinen Indie à la THE STROKES, VAMPIRE WEEKEND und THE HIVES mit Akkordeon und Mundart-Texten – dazu viel Humor und Sommer-Feeling. Nach einem Konzert schrieben die Nürnberger Nachrichten: „Die Band ist selbstbewusst, aber nicht abgehoben, verschwitzt, aber nicht prollig, intelligent, aber nicht kunstbeflissen, und auf alle Fälle sehr weit weg von Wien.“ GRANADA kommen schließlich auch aus Graz. Im Interview mit Julia Philomena sprach die Band über Leidenschaft, den permissiven Zustand und den Blumenstrauß für das Getränk.

Vor einem Jahr erschien Ihr Debütalbum – was ist seitdem passiert? Aus welcher Motivation heraus ist das zweite Album entstanden?

Mit dem ersten Album kamen Auftritte auf Festivals und Clubshows. Wir sind seither durch halb Österreich und Deutschland getourt und hatten eine intensive Zeit. Währenddessen sind aber auch eine Vielzahl neuer Songs entstanden und damit auch unser Zweitlingswerk. Es war, wenn man so will, die künstlerische logische Konsequenz, die Weiterführung des Begonnenen, der zweite Schritt. Und auch mehr das Wollen als das Müssen.

Wie kann man sich den Albumprozess vorstellen?

Am Anfang einer Produktion stehen immer Fragmente von Songs, Akkorde, Layouts und Ideen. Langsam formen sich diese zu fertigen Songs, werden im Proberaum erweitert, reduziert, zerstört oder auch verworfen und am Ende hat man einen Pool an Songs, an denen man noch etwas herumschraubt, arrangiert etc. Diese werden geprobt und dann geht’s ab ins Studio und alles wird live eingespielt. Dann wird’s gemixt, gemastert  – et voilà: Fertig ist ein Album.

Hat sich nach den Amadeus-Nominierungen und den erfreulichen Airplay-Quoten hinsichtlich der Bandformation und/oder der Banddynamik etwas verändert?

Da gab es überhaupt keine Auswirkungen. Wir schätzen und mögen einander nach wie vor im selben Ausmaß. Vor allem das Touren, die langen Fahrten und damit die viele Zeit miteinander haben uns stark verbunden.

„Die Songs sind mit uns gewachsen, wenn man so will.“

„Geh Bitte“ heißt das neue Album. Es ist auf Österreichisch und trotzdem kein eindeutiger Dialekt. Bleibt es auch diesmal bei einer Mischkulanz aus urbanen Dialekten? Oder steht ein anderer Diskurs im Vordergrund? Gibt es einen thematischen Leitfaden?

Nun ja, das Album ist kein Konzeptalbum. Eher wild, durchtrieben, teils auch permissiv. Wie beim Vorgänger steht eher die Leidenschaft als der mathematische Zugang im Vordergrund. Die Songs sind mit uns gewachsen, wenn man so will. Die Themen sind auch sehr vielfältig. Sie behandeln kritische Momentaufnahmen der Zeit, wie „Die Stodt“, aber auch gescheiterte Liebesbeziehungen mitsamt eines großen Minderwertigkeitskomplexes, wie „Berlin“.

Auf dem Cover ist ein modernes Hochhaus zu sehen – von wem stammt das Artwork und welche Stimmung soll es für das Album vorauslegen?

Das Foto stammt von Carina Antl, das Artwork von der labelinternen Grafikabteilung. Nachdem das Artwork des ersten Albums auf verwaschene Urlaubsromantik abzielte, soll das zweite eine Farbkollage in der Tristesse darstellen. Eine bunte und zunehmend vergilbende Fassade in einer am Cover nicht sichtbaren grauen städtischen Umgebung.

„Scheiß Berlin“ lautet eine Zeile der Nummer „Berlin“. Was hat es mit dieser Stadt auf sich und warum muss man den Grant über sie verarbeiten?

Berlin musste herhalten, weil Berlin es am ehesten versteht. Ich sehe den Titel als Liebeserklärung, wir alle mögen das Flair der Stadt, ihren Charme und ihren Charakter. Das Lied dreht sich ja nicht um die Stadt, sondern um eine gescheiterte Beziehung. Man muss den Grant loswerden und schiebts halt auf eine Stadt. Da stecken auch ordentliche Minderwertigkeitskomplexe drin.

Apropos Deutschland: Wie wird Granada außerhalb Österreichs aufgenommen? Steht die Musik eventuell mehr im Vordergrund als der Text, der beispielsweise für Wienerinnen und Wiener oder Grazerinnen und Grazer besonders ansprechend ist?

Sehr gut! Wobei man sagen muss, dass wir generell ein sehr dankbares und aufgeschlossenes Publikum haben. Was wir bei Konzerten in Deutschland – im Vergleich zu solchen in Österreich – doch beobachten, ist, dass wir schon hin und wieder auf Textpassagen angesprochen werden. Manches ist eben einfach wirklich nicht verständlich. Das ist aber nicht weiter schlimm, vieles wird ja sowieso über die Musik transportiert und außerdem reden wir auch sehr gerne mit unserem Publikum.

Bild Granada
Granada (c) Carina Antl

„Man soll die Feste feiern, wie sie fallen.“

Aus Piña colada ist Gin geworden. Gab es wieder einen Lieblingssong, auf den angespielt wurde? Oder einfach kein Album ohne Hochprozentiges?

Konkret wird mit Gin auf keinen Lieblingssong Bezug genommen. Es ist vielmehr als eine Art Blumenstrauß für das Getränk zu verstehen. Es kommt schon vor, dass wir mal ein, zwei Gin Tonic trinken. Man soll die Feste feiern, wie sie fallen. Wenn möglich, mit den passenden Drinks.

Auf dem letzten Album wurde bewusst auf das österreichische Mundl-Klischee-Sudern verzichtet. Gibt es neue Nuancen auf dem Album? Mehr Frohsinn und Sommerfreude, mehr Ernst, mehr Theatralik?

Es hat sich schon etwas verändert, aber es handelt sich nicht um einen Bruch zum vorherigen Album. Wir sind sowohl musikalisch als auch textlich unserem Sound treu geblieben, haben aber doch an Reife gewonnen und uns anders mit dem Songmaterial auseinandergesetzt. Wir freuen uns darüber, wie die neue Produktion klingt und wie wir an das vorhergehende Album anknüpfen konnten.

Wie wird es weitergehen?

Diesen Sommer werden wir noch auf einigen Festivals auftreten, unter anderem auf dem Donauinselfest und dem Dockville Festival in Hamburg. Wir verspüren eine große Vorfreude. Im Winter sind wir dann vier Wochen auf Tour durch Deutschland und Österreich. Daneben werden noch zwei Videos gedreht und für kommendes Frühjahr sind auch schon neue Livetermine geplant. Was die weitere Zukunft bringt, das werden wir sehen!

Herzlichen Dank für das Gespräch! 

Julia Philomena

Granda Festivaltour
24.06.18 Wien, Donauinselfest Fm4 Bühne (AT)
28.06.18 Nürnberg, St. Katharina Open Air (DE)
14.07.18 Regensburg, Festival (DE)
15.07.18 Würzburg, Fest am Stein (DE)
16.07.18 Passau, Eulenspiegel (DE)
20.07.18 Friedberg bei Augsburg, Südufer Festival (DE)
28.07.18 Chieming, Seewärts Festival (DE)
05.08.18 Weissenberg, Festival (DE)
09.08.18 Rothenburg ob der Tauber, Taubertal Open Air (DE)
17.8.18 Dornbach, Obstwiesenfestival (DE)
18.08.18 Hamburg, MS Dockville (DE)
01.09.18 Köln, C/O Pop (DE)

Herbst Tour 2018:
19.11.2018 Zürich, Bogen F (CH)*
20.11. 2018 Freiburg, Jazzhaus (DE)*
21.11. 2018 Stuttgart, Club im Wizemann (DE)*
22.11.2018 Wiesbaden, Kesselhaus (DE)**
23.11.2018 Hannover, Lux (DE)**
24.11.2018 Köln, Luxor (DE)**
26.11.2018 Dresden, Groove Station (DE)**
27.11.2018 Leipzig, Naumanns (DE)**
28.11.2018 Hamburg, Nochtspeicher (DE)**
29.11.2018 Berlin, Lido (DE)**
01.12.218 Ingostadt, Festival (DE)
02.12.2018 Regensburg, Mälzerei (DE)**
03.12.2018 Erlangen, E-Werk (DE)**
04.12.2018 Augsburg, Neue Kantine (DE)**
06.12.2018 Linz, Posthof (AT)*
07.12.2018 Graz Orpheum (AT)**
08.12.2018 Saalbach, Bergfestival (AT)
11.12. 2018 München, Muffathalle (DE)**
12.12.2018 Salzburg, Rockhouse (AT)**
15.12.2018 Wien, Arena (AT)*
* Gast: Saint Chameleon ** Gast: Bärenheld

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