Unsafe+Sounds 2017

UNSAFE+SOUNDS FESTIVAL: »VARIABLES OF THE IMAGINARY«

Musik lässt sich als Metapher der Wirklichkeit verstehen, aber auch als Vektor, der in die Sphäre des Imaginären hineinreicht. »Variables Of The Imaginary« lautet das Thema der diesjährigen Festival-Ausgabe von UNSAFE + SOUNDS (22. bis 30. September 2017) und meint damit das bewusste Provozieren eines Kippbildes – dem (akustischen) Eintauchen in Bereiche der Fiktion, der Erinnerung, des Affekts, der Maskerade und akuter Subjektivität, die in den flirrenden Dialog mit einer Realität tritt, die selbst immer unwirklicher wird. 

Steht die Gegenwart mit der Zukunft alleine da, so scheint es immer wichtiger Gegenentwürfe, Grenzgänge und Eskapismen in den Blick zu nehmen – künstlerische Aussagen, die unsere Wirklichkeit abstrahieren, dekonstruieren oder ihr ein Begehren einschreiben und so eine Verschiebung der hegemonialen Perspektive initiieren. Es können nur AutorInnen der eigenen Erfahrung sein, die Alternativen zu den dominanten Bildern und Klängen und einer normativen Sicht auf die Welt bieten und diese im besten Fall subvertieren. Um neue kommunale Räume zu öffnen, gilt es die verschiedenen künstlerischen Positionen in ein produktives Verhältnis zueinander zu setzen und dabei ein aufmerksames Hinhören zu provozieren. Wir verstehen Musik als Spiegel der Zeit, aber auch als Schatten, der in die Zukunft vorausgeworfen wird: ebenso wie wir gesellschaftliche Veränderungen an musikalischen Entwicklungen ablesen können, lassen sich daraus auch Prognosen ableiten. Das Unsafe+Sounds Festival stellt heterogene, experimentelle, teils radikal-progressive musikalische Statements einer Gegenwartskultur vor, die sich jenseits konventioneller Ästhetiken positioniert und liefert dabei einen Querschnitt der lokalen elektronischen Musikszene.

Programm 1. Festivalwochenende

CONTAMINATED FEEDBACKS

Freitag, 22.9.  // Blumenhof, 18 – 22:00

Berstend, ächzend, donnernd, grunzend – mit Karlheinz Stockhausens Symphonie für  2 Mikrophone und einem Tamtam wird ein Meilenstein der frühen elektroakustischen Musik durch das BLACK PAGE ORCHESTRA wiederaufgeführt. Die Mikrophonie 1 eröffnet das neue Programm “contaminated feedbacks” in dem ein Cellokorpus zum Feedbackgenerator wird, eine Flöte die Steuerung von Wassersprinklern übernimmt oder elektronische Implantationen Instrumente überwachsen.  Mit Stücken von Mikolaj Laskowski, Hanna Harmann, Georg Nussbaumer, Martin Schüttler und Enrique Mendoza Mejia. SIMONE BORGHI stellt am Eröffnungsabend sein Projekt Saved+Sounds vor, einem Podcast, der auf einem Audioarchiv aller Unsafe+Sounds 2016 Performances beruht. Die Aufnahmen entstanden durch zwei kleine Mikrofone, die ein Zuhörer während der Performances in seinen Ohren getragen hat (binaurale Aufnahmetechnik). Dabei geht es nicht nur um eine Präsentation der Konzertabende, sondern um eine verzerrte, aber authentische Erinnerung des Geschehens. In etwa so als würde man Erinnerungen modifizieren während man sie gleichzeitig repariert. Der österreichischen Künstler Christopher Sturmer aka STIRN PRUMZER, der u.a. bekannt ist für seine multimedialen Schütt-Performances mit Fuckhead, trifft in dem Projekt »Adonia Adorata III« auf den renommierten italienischen Pianisten MARINO FORMENTI, der von den Los Angeles Times bereits als „Glenn Gould for the 21st Century“ gepriesen wurde. Die Klavierklänge von Formenti mischen sich dafür mit den von Kontaktmikrophonen abgenommenen Geräuschen, die Stirn Prumzer durch das Schütten der Farbe und direktes Bearbeiten am Korpus des Klaviers provoziert und werden von dem Komponisten MATTHIAS KRANEBITTER live durch den Laptop geschreddert. Die Synergien aus Sound und erweiterter Malerei sollen Erkenntnisvorgänge anregen und eine Atmosphäre schaffen, die die Imagination des Publikums aktiviert. Keine Geschichte steht hier im Mittelpunkt, sondern das Ereignis selbst. Ergebnis und Länge der Performance bleiben offen. Ein multimediales Spektakel ist bei diesem unwahrscheinlichen Trio jedoch vorprogrammiert.

X = JOY

Samstag, 23.9.  // Celeste, 22 – 06:00

Scott Sinclair aka COMPANY FUCK ist bekannt für seine energetischen, unvorhersehbaren Live Shows. Er ist DJ, MC, Sänger und Tänzer in Personalunion. Sein improvisierter Pop/Noise Cut-Up überschreitet bewusst die Grenzen des guten Geschmacks und persifliert dabei das Musikbusiness. Auf seine ganz spezielle Art transformiert Company Fuck die Bühne in eine futuristische Karaoke-Bar, in der die unterschiedlichsten musikalischen Stile von dreckigen Dance-Moves und frenetischem Geschrei subvertiert werden. Company Fuck lädt zu einer High-Speed Fahrt durch die Musikgeschichte, inklusive Hardcore, Rave und Noise, Plunder-Pop, leidenschaftlicher Karaoke und den schrillsten Kostümen. Gespannt sein darf man auch auf das Live-Set des Wiener Szene-Lieblings DJ WARZONE aka Deniz Altun und die hybrid und vielschichtigen Dj-Sets von HEAP, HASKII, SCHIRIN und ULRICH ROIS, die frei zwischen den Club-Musik Genres flottieren und sich dabei auch erlauben in Richtung Acid, Gabber oder Hard-Trance auszureißen.


SABOTAGE

Sonntag, 24.9. // Fluc, 21 – 01:00

Das Wechselspiel aus Immersion und Analyse, konzeptueller Fragestellung und Improvisation steht im Mittelpunkt dieses Abends, der sich gegen allzu leichte Konsumierbarkeit auflehnt und dabei eine Analyse der Wirklichkeit betreibt. Das Aufspüren andersartiger Klänge, führt oftmals zu Erfahrungen, die den Körper des Hörers attackieren und konfrontative Situationen entwickelt. NORBERT MÖSLANG gehört zu den Urgesteinen der Schweizer Elektronik-Szene. Er arbeitet mit gecrackter Alltagselektronik und stöbert verborgene Untergründe von elektronischen und visuellen Systemen auf, aus denen er faszinierende Klangwelten konstruiert. Möslang bewegt sich dabei gleichzeitig innen wie außen, konzentriert sich auf Mikro-Schwingungen ebenso wie auf räumliche Koordinaten. BILLY ROISZ experimentiert mit der Verknüpfung auditiver und visueller Reize, dem elektrischen Signal und elektromagnetischen Frequenzen. Die Ästhetik der Bild- und Tonstörung ist eines ihrer zentralen Experimentierfelder. Auf dem Festival präsentiert sie eine ihrer A/V-Shows. Prozess-orientierte Setups dienen PAUL GRÜNDORFER aus Ausgangspunkt der Erforschung unbekannter Klangwelten  und ortsspezifischer Interventionen. Seine Arbeit fokussiert auf das abstrakte Auftauchen von Klang und seine körperlichen Auswirkungen. Die Beziehung zwischen Sender-Empfänger Netzwerken steckt den konzeptuellen Rahmen für seine Experimente mit Klang, Licht und der Übertragung von Information. Die Musikerin CHRA aka Christina Nemec schließt den Abend mit einem Dj-Set.

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