Bild Rotterdam
Rotterdam (c) Monika Signorato

ROTTERDAM – „gizicki“

Sich dem Techno einmal aus einer ganz anderen Perspektive – nämlich aus einer weniger elektronischen – anzunähern, genau so lässt sich das Motto des eigenwilligen und innovativ denkenden Zweiergespanns ROTTERDAM wohl am treffendsten beschreiben. Mit „gizicki“ (Everest Records) erscheint am 21. Oktober das zweite Album der Wiener Band.

Also, eines kann man nach dem Durchhören von Rotterdams neuem Album auf jeden Fall sagen: Musikalisch bewegt sich die Wiener Formation meilenweit von dem entfernt, was sonst so als „gewöhnlich“ bezeichnet wird. Nichts, aber auch rein gar nichts läuft auf „gizicki“ nach den gängigen Regeln ab. Diese scheinen vollkommen außer Kraft gesetzt zu sein. Susanne Amann (Cello, Elektronik) und Michael Klauser (Gitarre, Tuba, Elektronik) – die beiden Köpfe hinter Rotterdam – verwirklichen ihren ganz individuellen Sound, einen, der vor allem aufgrund seines Charakters eigene Akzente setzt.

Die Kunst des musikalischen Minimalismus

Es ist die konsequente Umsetzung des musikalischen Minimalismus, die von den beiden an die Spitze getrieben wird, die komplette Verweigerung all dessen, was auch nur in geringster Form irgendetwas mit Melodien oder Harmonien zu tun hat. Was in den insgesamt sieben neuen Nummern regiert, sind technoide und repetitive Klangkonstruktionen, die aufgrund ihrer scheinbaren Monotonie mit der Fortdauer eine unglaubliche hypnotische Anziehungskraft entwickeln. Die analoge, in Echtzeit eingespielte und mit elektronischen Elementen versetze Musik von Rotterdam lebt vor allem von den vielen, fast unbemerkt bleibenden stetigen Steigerungen. Es sind oftmals nur einzelne Töne und Geräusche, die in weit gefassten Spannungsbögen die Atmosphäre plötzlich verdichten lassen und das Geschehen in eine andere Richtung treiben.

Der musikalischen Nüchternheit Gefühl verleihen

Cover "gizicki"
Cover “gizicki”

Susanne Amann und Michael Klauser gelingt es auf richtig schöne Weise, der vermeintlichen Nüchternheit ihrer Stücke Leben zu verleihen. Der akustische Technosound, den sie zu Gehör bringen, wirkt in keinem Moment irgendwie maschinell unterkühlt oder seelenlos. Ganz im Gegenteil, durch das sehr nuancenreiche Spiel, durch die immer andere Intensität, mit der die beiden die Saiten ihrer Instrumente anspielen, zupfen oder streichen, durch ihre Art, mit der sie die so entstandenen Klänge verfremden, entwickelt sich eine doch sehr gefühlvolle Schwingung, die die Zuhörenden auffordert, in die Musik einzutauchen.

Rotterdam entschweben auf ihrem neuen Album einmal in andere musikalische Dimensionen. Susanne Amann und Michael Klauser zeigen, dass Techno keinesfalls immer nur in den vorgegebenen stilistischen Bahnen verlaufen muss, sondern in wirklich aufregender Weise auch andere Formen annehmen kann.

Michael Ternai

Präsentiert werden Rotterdam ihr neues Album am 28. Oktober im Wiener Rhiz.

Links:
Rotterdam
Rotterdam (Facebook)
Everest Records