Bild Qluster
Qluster (c) Alexander Gehring

QLUSTER- „Echtzeit“

Das Trio QLUSTER – bestehend aus HANS-JOACHIM ROEDELIUS, ONNEN BOCK und ARMIN METZ – veröffentlichte Anfang März sein bereits sechstes Album „Echtzeit“ (Bureau B). Warme Töne und klassischer Flügel- teilweise aufgenommen in einer Kirche- Elektronik-Liebhaber dürfen sich freuen.

Roedelius ist so etwas wie eine Elektronik-Legende: geboren in Berlin 1934, überlebt den zweiten Weltkrieg, muss mehrmals flüchten , durchlebt harte Zeiten und findet sich schließlich als Freelance Artist im Avantgarde-Bereich wieder. Wenn jemand die Entwicklung der elektronischen Musik miterlebt und -geformt hat, dann er. Qluster ist eines seiner vielen Projekte der letzten Jahre, eigentlich ist es die Wiederbelebung eines Projekts namens Kluster, das er 1969 mit Dieter Moebius und Conrad Schnitzler ins Leben gerufen hat- mit dem Trio schuf er 1970 zwei Meilensteine in der elektronischen Musik. „Echtzeit“ ist bereits das sechste Album von Qluster, es wurde zum Teil in einer Kirche aufgenommen und der klassische Flügel spielt eine größere Rolle in den Kompositionen.

Atmosphärisch, schön und berührend

Cover Echtzeit
Cover Echtzeit

Das Album „Echtzeit“ besteht zwar aus einzelnen Tracks, ist gefühlsmäßig jedoch ein einziger Track. Die einzelnen Lieder fließen ineinander über, ergänzen sich zu einem Ganzen und bilden einen großen Klangteppich. Die Melodien, vor allem die Piano-Parts, sind sehr stimmungsvoll und bewegen sich zumeist zwischen Melancholie und vollkommener Ruhe. Der elektronische Teil der Kompositionen, vor allem die Synths, ist perfekt komponiert, alles hat seinen Platz und ist stimmig. Die einzelnen Einzelteile fügen sich zusammen wie Puzzleteile und machen am Ende immer Sinn. Übrigens hört man nie Drums oder etwas das an einen Kick erinnern würde, Qluster erzeugt nur mit den Melodien einen Rhythmus, was eine gewisse Freiheit beim Tempo gewährt. Im Hintergrund hört man meist Sub-artige Synths als Basis , darüber schichten sich wie bei einem Gemälde die verschiedenen Komponenten des Tracks.

Die Kunst, eine bestimmte Atmosphäre einzufangen und in ihrer reinen Form als Musik wiederzugeben, ist sehr schwer umzusetzen- Qluster beherrscht sie aber voll und ganz. Die Titel der einzelnen Tracks scheinen wie kleine Meilensteine in dem Ganzen, um dem Zuhörer einen Tipp zu geben, welche Stimmung er gerade erfährt. So hört man in „Das seltsame Tier aus dem Norden“ seltsam hüpfende, dann wieder geheimnisvoll verstreichende Klaviermelodien, die einem das Bild des im Titel beschriebenen Tieres in den Kopf setzen. Die Musik von Qluster ist leicht zugänglich, sie versteht sich von selbst. Durch die intelligenten, genau gewählten Tonfolgen, entspannt sich der Geist und kann sich auf das Musikerlebnis einlassen- Qluster beweisen, dass sie nicht umsonst so lange zusammen musikalisch tätig sind und waren: sie haben ein spezielles Fingerspitzengefühl für Stimmungen.

Antonia Seierl
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