Ute Pinter (c) Matthias Wagner

„PRINZIPIELL IST ES WICHTIG, EINE MISCHUNG AN ÄSTHETIKEN ANBIETEN ZU KÖNNEN.“ – UTE PINTER (IMPULS FESTIVAL | AKADEMIE) im mica-Interview

Seit 2007 organisiert UTE PINTER nun schon das biennale Format IMPULS, das zugleich Ensemble- und Komponistenakademie wie Festival ist und dieses Jahr von 10. – 22. Februar in Graz stattfindet. Mut, Leidenschaft, Expertise und ungebrochene Neugierde zeichnen die Arbeit der studierten Kulturmanagerin aus, die neben IMPULS auch die Konzertreihen OPEN MUSIC und FAST FORWARD (im Rahmen von JEUNESSE) kuratiert. Was IMPULS mitunter ausmacht, ist das vielfältige und vielteilige Angebot, das von Instrumental- und Kompositionsworkshops und einem ebensolchen Wettbewerb über Vorträge und spezialisierte Programme bis hin zu großen und kleineren Konzerten und eigens entwickelten Formaten, wie den erfolgreichen „MinutenKonzerten“, reicht.

Mit 275 Teilnehmenden aus rund 50 Nationen, 40 namhaften Tutorinnen und Tutoren, drei Ensembles in Residency (dieses Jahr mit dem ENSEMBLE SCHALLFELD, ZONE EXPÉRIMENTALE BASEL und dem IEMA-ENSEMBLE) und der Zusammenarbeit mit dem ULYSSES-Netzwerk, zieht IMPULS immer weitere Kreise. Dabei verführt es auch die heimische Bevölkerung zu zeitgenössischer Musik. Wie genau das funktioniert, welche Herausforderungen so ein ambitioniertes Projekt mit sich bringt und auf welche Programmpunkte wir gespannt sein dürfen, legte UTE PINTER in einem Gespräch mit Shilla Strelka dar.

 

impuls hat sich Graz als Standort gewählt. Was für Vorteile bringt eine Stadt dieser Größe mit sich?

Ute Pinter: impuls ist 1998 in Graz gestartet. Die Stadt hat eine starke Tradition in der Avantgarde. Der Nährboden hier ist sehr gut. Ein Argument für Graz ist sicher auch, dass es mit der Kunstuniversität Graz [KUG; Anm.] einen großartigen Partner gibt, der ebenfalls im Bereich der zeitgenössisch komponierten Musik eine Vorreiterrolle einnimmt und ein Kompetenzzentrum dafür darstellt. Die KUG ist ein wichtiger Partner und Standort für die Akademie, aber das Festival findet natürlich weit über diese „Akademiegrenzen“ hinaus statt.

Wie steht es um die Akzeptanz in der lokalen Bevölkerung? Findet eine Durchmischung des Publikums statt oder treffen sich hier eher Eingeschworene?

Ute Pinter: Ich versuche, impuls nicht nur als Akademie zu praktizieren, sondern verstärkt in der Stadt sicht- und hörbar zu machen. Das fällt mir leicht, weil ich aus Graz komme, über viele Jahre im Veranstaltungsbereich tätig war und das mit der Konzertreihe open music nach wie vor bin. Ich habe von Anfang an versucht, das Festival in die Stadt hinein zu öffnen. Das Festival involviert große Locations wie die Helmut-List-Halle und den Minoritensaal, aber auch kleine, intime Orte wie etwa die kunst.wirt.schaft und Galerien sowie das Forum Stadtpark mit „Late Nights“ in Clubatmosphäre.

„Eine zentrale Überlegung war es, Formate so zu gestalten, dass sie möglichst niederschwellig funktionieren.“

Das macht ja durchaus Sinn bei der Vielzahl an Formaten, die Sie anbieten.

Ute Pinter: Ja! Wir wollen die Chance nutzen, zeitgenössische Musik, die ja oft mit Vorurteilen behaftet ist, auf unterschiedliche Arten dem Publikum nahezubringen. Es gibt viele Vermittlungsangebote, wie z. B. die „MinutenKonzerte“, die in verschiedenen Galerien stattfinden und in ganz kurzen Einheiten junge, ambitionierte Musikschaffende präsentieren und so auch ästhetische Abwechslung bieten. Hier kann sich das Publikum frei bewegen, Kunst betrachten, Musik hören und auch in direkten Kontakt mit den Musikschaffenden treten. Dabei handelt es sich also nicht um die übliche Konzertsituation.

impuls Haidl (c) Werner Korn

Eine zentrale Überlegung war es, Formate so zu gestalten, dass sie möglichst niederschwellig funktionieren. Deshalb bespielen wir zunehmend Orte wie das MUWA [Museum der Wahrnehmung; Anm.] und das esc medien kunst labor. Wichtig war es, in die Stadt hineinzugehen und auch Passantinnen und Passanten dazu einzuladen, mehr zu erfahren. Das Angebot reicht dabei von klassischen Komponisten-Gesprächen über Round Tables bis hin zu Workshops. Es handelt sich also um ganz verschiedene Möglichkeiten, mit zeitgenössischer Musik in Kontakt zu kommen. Dieses Jahr gibt es erstmalig den Versuch, Late-Night-Programme im Anschluss an die Primetime-Konzerte anzubieten. Da legen dann Komponisten wie Bernhard Gander und Jorge Sánchez-Chiong auf. Aber natürlich stellen schon die über 300 Beteiligten der Akademie eine Bewegung dar, die Stimmung macht.

Wie ist das organisatorisch zu bewältigen?

Ute Pinter: Gar nicht! Es ist grenzwertig, das muss ich ehrlich sagen. Vergleichbare Unterfangen haben ein Vielfaches an Mitarbeitenden. Als ich impuls übernommen habe, gab es 70 Teilnehmende. Mittlerweile sind wir fast bei der vierfachen Zahl! Die Organisationsstruktur hängt da absolut nach. Da werde ich mir etwas überlegen müssen. Auf Dauer kann ich das so nicht machen.

Wie kommen Sie zu dem vielfältigen Programm? Arbeiten Sie jedes Jahr mit anderen Tutorinnen und Tutoren?

Ute Pinter: Das Festivalprogramm selbst ist eine Mischung aus dem, was Teilnehmende, Tutorinnen und Tutoren mitbringen, sich vor Ort entwickelt, und kuratiertem Programm. impuls ist so zum Teil auch ein Produktionsfestival, das heißt, dass sehr viel währenddessen entsteht. impuls bietet des weiterenum die 20 Spezialprogramme an, die teils schon im Vorfeld entwickelt werden. Es werden also Stücke geschrieben, Skizzen entworfen, die dann durch eine Jury gehen und schließlich vor Ort betreut und umgesetzt werden. Dieses Programm wird ergänzt durch klassische zeitgenössische Literatur. Weiters vergeben wir Kompositionsaufträge beispielsweise über den impuls-Kompositionswettbewerb. Es gibt aber auch Programmpunkte, die ich mit dem Ulysses-Netzwerk entwickle und umsetze. Heuer steht z. B. ein riesiges mehrteiliges Projekt mit dem Ensemble Nikel zu Filmen von Peter Tscherkassky am Programm. Wir haben im Zuge dessen einen Auftrag an Mirela Ivičević und Julien Malaussena vergeben – ein Beispiel für eines der streng kuratierten Programme.

Ensemble Nikel Tscherkassky (c) Kristof Lemp

Im Grunde genommen ist alles auf Vielfalt ausgerichtet. Natürlich featuren wir auch gerne die Komponistinnen und Komponisten, die vor Ort unterrichten. Insgesamt umfasst das Programm das 20. und 21. Jahrhundert. In den zwei Wochen werden an die 200 Werke, 50 Uraufführungen und österreichische Erstaufführungen stattfinden. Aber wir reagieren auch darauf, was die Teilnehmerinnen und Teilnehmer selbst mitbringen. Es ist eine Mischung aus diesem Angebot und einem kuratiertem Programm.

„Ich finde gerade auch Komponistinnen und Komponisten interessant, die ihre Einflüsse in anderen Bereichen suchen.“

Auffällig ist auch, dass Sie versuchen, das Spektrum zeitgenössischer Musik breiter zu fassen. Sie bieten z. B. Improvisationsworkshops an. Wie wird das angenommen? 

Ute Pinter: Als ich angefangen habe – und das lässt sich auch von meiner Geschichte als Veranstalterin ableiten –, war es mir zu wenig zu sagen: „Wir machen ein paar Stunden Improvisation und das ist es dann.“ Natürlich, Improvisation mag für manche sehr leicht aussehen, aber das ist sie bei Gott nicht! Es hängt davon ab, wie ernst man das nimmt und wie tiefgehend man sich damit auseinandersetzt. Zufallsprodukte gibt es überall, aber abrufbar sind sie dann nicht mehr.

Reinhold Friedl
Neobechstein (c) Thomas M Jauk

Deshalb war es mir von Anfang an wichtig, dass ich zwei Leute eingeladen habe, die täglich Angebote schaffen. Das waren Frank Gratkowski und Manon-Liu Winter. Diesmal habe ich erstmals Reinhold Friedl eingeladen. Das sind natürlich Musiker, die nicht nur aus dem Jazz-Kontext in die Improvisation kommen, sondern schon eine Schnittmenge mit zeitgenössischer Musik, Konzeptmusik bieten und einer Tradition, die auch z. B. stark von den USA der 1960er Jahre geprägt ist.

Im Schnitt hat die Hälfte aller Instrumentalistinnen und Instrumentalisten Interesse an dem Angebot. Das ist eigentlich eine große Anzahl. Viele bringen bereits Erfahrung mit. Aber auch Komponistinnen und Komponisten haben Interesse. Ich finde das spannend und befruchtend für die zeitgenössische Komposition. Natürlich müssen das nicht alle so halten, aber ich finde gerade Komponistinnen und Komponisten interessant, die ihre Einflüsse auch in anderen Bereichen suchen. Das können natürlich auch außermusikalische sein. Wenn man z. B. die Energie von Heavy Metal in zeitgenössisch notierte Musik übersetzen kann, dann kann das einen ziemlichen Push geben. Ich finde es sehr befruchtend, in diese Richtung zu denken.

Aber auch erweiterte Spieltechniken interessieren mich. Da ist in den letzten 100 Jahren extrem viel weitergegangen. Das alles ist Teil des Angebots. Ich möchte eine gegenseitige Befruchtung forcieren.

„Ich möchte eine gegenseitige Befruchtung forcieren.“

Sie inkludieren auch Angebote zu elektronischer Musikproduktion. Es gibt Diskussionen, einen Präsentationsworkshop zum Buchla-Synthesizer und Kurse mit elektronisch erweiterten Instrumenten.

Ute Pinter: Ja, das ist auch ein Teil. Es gibt in Graz das IEM, das Institut für Elektronische Musik und Akustik, mit dem wir zusammenarbeiten. Dieses Mal wird das Team von David Pirrò und Hanns Holger Rutz von Robin Minard unterstützt, der noch mal eine andere Tradition hineinbringt. Es gibt da jedes Mal einen Spezialworkshop, der unterschiedliche Ausrichtungen haben kann. Allerdings ist Elektronik an sich kein Schwerpunkt, weil das Equipment für die Vielzahl an Klassen fehlt. Aber mit dem Format „ALMAT – Algorithms that Matter“ haben wir heuer wieder ein sehr spannendes und aktuelles Thema gefunden.

Darüber hinaus habe ich in den letzten Jahren auch interdisziplinäre Projekte wie Musik und Performance forciert. Dieses Jahr finden sich Spezialprogramme wie das von Jorge Sánchez-Chiong entwickelte „Another Stage“ und „Music Extended“ von Simon Løffler. Aber auch jemand wie Michael Maierhof hat seine ganz eigene Art, Komposition zu denken und Instrumente zu entwickeln.

Die Akademie wurde 1998 von Beat Furrer und Ernst Kovacic gegründet, die nach wie vor im Vorstand von impuls sind.

Ute Pinter: Ja, ich bin erst 2007 dazugekommen. impuls wurde ursprünglich als Sommerakademie in Kooperation mit der Kunstuniversität Graz gegründet. Damals gab es nur eine Handvoll Dozentinnen und Dozenten. Es hat klein begonnen, aber es war immer schon so konzipiert, dass hier Komponistinnen und Komponisten sowie Instrumentalistinnen und Instrumentalisten zusammentreffen, um gemeinsam etwas zu erarbeiten. Diese Idee habe ich noch ernster genommen, weil ich mit den Tutorinnen und Tutoren viele Programme entwickle, die diese Zusammenarbeit intensivieren und auf unterschiedliche Art triggern.

Beat Furrer und Ernst Kovacic haben großes Vertrauen in mich und ich habe, denke ich, auch verstanden, worum es ihnen mit impuls geht. So kann ich gut arbeiten. Aber natürlich halte ich mit ihnen weiterhin Kontakt und tausche mich mit ihnen aus.

Klangforum (c) Lukas Beck

Ich schätze, Beat Furrer ist auch ein Grund, warum das Klangforum seit den Anfängen bei impuls involviert ist und einige Ensemblemitglieder auch als Tutorinnen und Tutoren der Akademie auftreten?

Ute Pinter: Die Dozentenschaft hat sich immer aus unterschiedlichen Leuten zusammengesetzt, aber natürlich macht es Sinn, das Klangforum zu involvieren. Ein befruchtender internationaler Mix im Dozententeamist extrem wichtig, auch wenn man international aufgestellt sein möchte. Prinzipiell ist es wichtig, eine Mischung an Ästhetiken anbieten zu können. Sowohl was die Komposition als auch Musikschaffenden betrifft. Das ist absolut grundlegend. Aber ja, es hat schon Tradition, dass das Klangforum die Preisträger-Kompositionen des Wettbewerbs umsetzt. 

Die Internationalität der Akademie ist erstaunlich. Es finden sich Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus den unterschiedlichsten Teilen der Welt!

Ute Pinter: Ich habe am Anfang sehr viel Zeit investiert und mich gefragt, wie ich mehr Menschen erreichen könnte und welche Multiplikatoren ich kenne. Andererseits ist das auch ein Selbstläufer. Wenn die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit dem Angebot zufrieden sind und sich hier wohlfühlen, ist es völlig logisch, dass sie impuls weiterempfehlen. Ich bin nicht auf Facebook, aber es gibt scheinbar auch private Gruppen dafür. Das ist ein Schneeball-Effekt!

Es bereichert ein Festival ungemein, wenn Musikschaffende aus den unterschiedlichen Kulturkreisen zusammenkommen. Bringen manche Musikerinnen und Musiker auch speziellere Instrumente mit?

Ute Pinter: Ja, sicher! Diesmal sind z. B. auch Koto-Spieler dabei. Es liegt zwar kein Fokus darauf, exotische Instrumente ausfindig zu machen, aber das wäre auch einmal eine Idee! Teilweise ergibt sich das auch von selbst. Es gibt die Offenheit und den Wunsch, solche Instrumente zu integrieren und das auf eine Art fruchtbar zu machen.

impuls MinutenKonzerte (c) Ute Pinter

„Was ich sehe, ist eine Vielzahl an Ansätzen, die parallel existieren.“

Für den Kompositionswettbewerb erhält impuls Einreichungen aus der ganzen Welt. Lassen sich Kompositionstrends ablesen?

Ute Pinter: Ich muss ehrlich sagen, dass ich keine eindeutigen solitären Trends sehe. Was ich sehe, ist eine Vielzahl an Ansätzen, die parallel existieren. Ein Trend ist vielleicht das Interesse an der Improvisation oder auch an interdisziplinären und performativen Projekten, natürlich auch dadurch gespeist, dass impuls da auch ein Angebot stellt. Auch mit Formaten wie „Composition beyond Music“ sprechen wir Leute an, die das interessiert und einen ähnlichen Ansatz vertreten, die Komposition weiter fassen möchten. Es gibt viele, die nicht im klassischen Sinn komponieren. Aber natürlich haben wir auch jede Menge Komponierende, die auf eher traditionellere Art mit Komposition umgehen.

Lässt sich anhand der Einreichungen und der Teilnehmenden sagen, in welchen Ländern sich besonders viel tut?

Ute Pinter: Sehr stark vertreten sind z. B. Komponistinnen und Komponisten aus Südkorea. Da passiert viel. Aber auch Südamerika hat eine sehr aktive Szene, wobei es für Teilnehmende aus Ländern in Krisenzeiten besonders schwer ist anzureisen. In Argentinien herrscht zum Beispiel eine hohe Inflation. Da ist es sehr schwierig.  Dennoch tut sich da sehr viel, was zeitgenössische Komposition betrifft. Viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer kommen auch aus Australien oder Neuseeland. Die kommen dann oft direkt von der Uni und suchen sozusagen den Kontakt zum Rest der Welt [lacht]. Obwohl es mit der Kunstförderung dort gar nicht gut aussieht, investieren sie und kommen. Natürlich gibt es auch sehr viele Teilnehmende aus Italien. Das hat aber auch den Grund, dass sie in Italien nicht genug Angebot und Wertschätzung vorfinden.

„Da so viele verschiedene Dinge bei impuls angeboten werden, kann man es sich durchaus leisten, öfter zu kommen!“

Kommen einige mehrmals zu impuls?

Ute Pinter: Ja! Es gibt zum Glück einen regen Austausch und viele, die mehrmals kommen. Es sind auch Musikerinnen und Musiker sowie Komponistinnen und Komponisten dabei, die dann nach Graz studieren kommen. Manche werden über das Residency-Programm des Landes Steiermark ausgewählt und kommen auf diese Art wieder zurück oder auch über KulturKontakt Austria. Da gibt es oft Leute, die durch impuls von der Fördermöglichkeit erfahren.

Da so viele verschiedene Dinge bei impuls angeboten werden, kann man es sich durchaus leisten, öfter zu kommen! Allerdings finde ich es für Festivals prinzipiell bedauerlich, wenn man immer mit denselben Leuten arbeitet, was ja nicht allzu selten der Fall ist. So gut die sein mögen, finde ich das letztendlich auch für das Publikum uninteressant. Bei impuls ergibt es sich wie von selbst, dass man Leute wiederfindet, die man schon kennt, aber auch jede Menge neuer Leute entdecken kann. Das ist natürlich bei dieser Quantität auch leichter machbar.

Ich schätze, manche Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben auch schon ihren Durchbruch geschafft.

impuls Goldinger-Koch Beer (c) Werner Korn

Ute Pinter: Ja, ich merke das vermehrt bei den Instrumentalistinnen und Instrumentalisten. Auch als Veranstalterin treffe ich sehr viele wieder. An manche kann ich mich auch nicht erinnern [lacht]. Aber es gab zum Beispiel einen Viola-Spieler, der mich vor einigen Jahren zum Heulen gebracht hat, weil er so einen Seelenton hatte. Mittlerweile ist er beim ensemble recherche Bratschist! Zu sehen, dass wir da vielleicht einen kleinen Teil dazu beigetragen haben, freut schon. Das gilt auch für das Schallfeld Ensemble. Nahezu alle Mitglieder waren bei impuls und sind jetzt immer wieder Teil von Projekten.

Wie sieht es mit dem Geschlechterverhältnis aus?

Ute Pinter: Na ja, bei den Instrumentalistinnen und Instrumentalisten ist es ziemlich ausgeglichen, bei den Komponierenden gibt es einfach viel mehr Männer, die sich anmelden. Weniger als ein Drittel der Komponierenden sind Frauen. Deshalb versuche ich, möglichst viele der Frauen, die sich anmelden, auch aufzunehmen. Das ist klar.

Haben Sie eine Erklärung für dieses Ungleichgewicht, auch jenem zwischen Instrumentalistinnen und Instrumentalisten und Komponierenden?

Ute Pinter: Ja, es ist interessant. Im Jazz ist das unausgewogen, bei improvisierter Musik wiederum gibt es verhältnismäßig viele Frauen. Das hängt auch mit dem Genre zusammen.

Was aber auffällt, ist, dass es inzwischen viele Frauen gibt, die wirklich durchstarten. Die vom Ranking, vom Ansehen her wirklich gleichgestellt sind. Da gibt es einige, die wirklich was zu sagen haben und auch gehört werden.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Shilla Strelka

Termin:
10. – 22. Februar 2019 – impuls . 11. Internationale Ensemble- und Komponistenakademie für zeitgenössische Musik, Graz

Link:
impuls Akademie I Festival (Website)