Bild von Mikołaj Halicki, Junge Oper Wien
Mikołaj Halicki bei den Proben zu "... ohne mich?!" der Jungen Oper © Armin BardelWien

Junge Oper Wien – Die Jugendlichen

Die JUNGE OPER WIEN unterstützt Jugendliche dabei eigenes Musiktheater zu produzieren. Im Frühling 2016 entwickelten SchülerInnen des Diefenbachgymnasiums in Wien „… ohne mich?!“ aus Schostakowitschs „Die Nase“. Philip Röggla sprach mit vier der jugendlichen KünstlerInnen, die am hervorragenden Projekt beteiligt waren.

Ein Projekt – viele Sichtweisen

Dieses Interview gehört zu einem Zweiteiler. Wir wollten mehrere Aspekte des Projektes beleuchten und nicht nur jene fragen, die vermitteln, sondern auch jene, die diese Vermittlung erfahren. Wir haben uns daher einerseits mit Axel Petri-Preis – dem leitenden Musikvermittler bei dem Projekt – unterhalten und andererseits mit einigen der KünstlerInnen des Projektes gesprochen – vier Jugendlichen aus dem Diefenbachgymnasium: Marijana Damjanović, Mikołaj Halicki, Ahmed Hussien und Nina Prohaska.

Zum Interview mit Axel-Petri-Preis geht es hier: www.musicaustria.at/musikvermittlung/junge-oper-wien-der-musikvermittler

Das Interview mit den Jugendlichen

Könnt Ihr vielleicht kurz erzählen, wen Ihr in der Oper gespielt habt und was Ihr vorher schon musikalisch und schauspielerisch gemacht habt?

Mikołaj Halicki: Ich war der Geist – das war ursprünglich die Hauptrolle in dem Stück. Die Vorbereitungen waren ziemlich schwer – das schwerste war den Text auswendig zu lernen, weil das schon ziemlich viel war. Aber das haben wir dann hinbekommen bei den Proben. Wir hatten eine angenehme Atmosphäre und deshalb war vieles leichter bei den Proben.

Im letzten Jahr machten wir in unserem Fach KWS (Kulturwerkstatt) auch ein Theaterstück, da habe ich einen Pilzfachmann gespielt. Das war eigentlich ziemlich lustig – Ich gehe ja eigentlich eher in Richtung Komödie.

Nina Prohaska: Bei der Oper dieses Jahr hatte ich keine Hauptrolle. Ich war im Hintergrund bei den Szenen, wo alle mitgespielt haben. Aber bei der Aufführung letztes Jahr hatte jeder eine eigene Szene, eine Art eigenes Stück, und ich habe eine Zugfahrt mit dem Leben verglichen …

Ahmed Hussien: Ich habe eigentlich schon seit der Kindheit gerne Theater gespielt, aber es war noch nie so intensiv, dass ich in eine Schauspielschule gegangen bin. Ich  habe es mir öfters durchgedacht, aber es ist dann doch nicht so geworden. Ich hab mir gedacht, ich maturiere und schaue, was ich dann mache.

Meine Rollen beim Stück waren Vater, Lehrer und Rapper und Sänger und, und, und …

Vater-Lehrer-Rapper

Ja, Deine Rolle ist am schwierigsten zu beschreiben … Wie seid Ihr auf die Rolle gekommen?

Ahmed Hussien: Puh, also ich bin ja einer, der immer älter geschätzt wird und deswegen haben sie sich gedacht, Vater passt … und Lehrer, weil ich imitiere Lehrer sehr gerne [verstohlenes Lachen] … und na ja, sie haben sich gedacht, dass ich das eben etwas besser kann als andere und dann haben sie mir gesagt, „nimm Du auch den Lehrer“, … … … Also für mich war das Rappen und Singen am schwierigsten, … überhaupt, dass ich den Rap selber geschrieben habe, war auch nicht sehr einfach. Aber das ging schon.

Hast Du vorher schon gerappt?

Ahmed Hussien: Einen Rap habe ich vorher noch nicht geschrieben, aber gerappt und gesungen schon …

Mikołaj Halicki: Er singt jede … Pause [alle lachen]

Bild von Ahmed Hussien und Axel Petri-Preis, rappend bei den Proben

 Ahmed Hussien und Axel Petri-Preis rappen bei den Proben © Armin Bardel

Neben dem Song und dem Rap, gab es ja auch Begleitmusik, die ihr mit Wilhelm Spuller gemacht habt. Wie war das so?

Marijana Damjanović: Es hat Spaß gemacht …

Ahmed Hussien: Die Zusammenarbeit mit ihm war eigentlich exzellent, [allgemeine Zustimmung], also es gab gar keine Beschwerden oder Probleme.

Richtig und Falsch

Gab es das Ding, ob die Musik irgendwie „richtig“ oder „falsch“ ist?

Alle: Nein, überhaupt nicht …

Nina Prohaska: Wir konnten immer mitreden, was wir machen wollen. Wie wir uns die Stelle, die Szene vorstellen und dazu haben wir dann die passende Musik erfunden mit seiner Hilfe natürlich, aber er hat da unserer Fantasie freien Lauf gelassen.

Bild von Ahmed Hussien mit Schulkolleginnen am Klavier
Ahmed Hussien mit Schulkolleginnen am Klavier © Armin Bardel

Ihr habt den Text für das Musiktheater gemeinsam geschrieben?

Marijana Damjanović: Wir haben immer zu zweit oder in Gruppen Teile vom Text geschrieben und am Ende immer alles angepasst, wo was hinkommt …

Nina Prohaska: Ja, wir haben es immer grob gemeinsam besprochen, welche Ideen wir haben und hatten nachher die Aufgabe, dazu kreativ einen Text zu schreiben.

Besuch der Oper “Die Nase” von Schostakowitsch

Ihr war im Herbst 2015 gemeinsam in der Nase. Wie war das?

Mikołaj Halicki: … Anstrengend [Zustimmung von allen Seiten] Es hat einem schon gefallen, es war aber schon irgendwie anstrengend. Es war sehr lang, es war auf Russisch, man musste immer mitlesen und außerdem waren da auch Aspekte, die….

Marijana Damjanović: Die Idee vom Stück war vom Thema her gut, finde ich …

Mikołaj Halicki: Das man überhaupt auf so eine abstruse Idee kommt, dass man seine Nase verliert – Das ist eigentlich eine Sache, die immer bei einem Menschen da ist und wenn man sie erst verliert, dann denkt man sich, die war mir schon viel wert.

In Dimitri Schostakowitschs Oper nach Nikolai Gogols Erzählung “Die Nase” stellt der 37-jährigen Kollegienassessor Kowaljow beim Aufwachen fest, dass ihm seine Nase fehlt.
In der Weiterentwicklung der Diefenbacher verliert der von Mikołaj Halicki gespielte “Geist” seinen ganzen Körper. Im Laufe der Handlung versucht er sich einen neuen Körper auf Willhaben zu kaufen.

Die Response-Oper

Ihr habt die Geschichte dann erweitert? Wie kam es dazu?

Nina Prohaska: Wir haben diskutiert: Wir hatten sehr viele Themen, die wir am Anfang alle zusammengesammelt hatten, was wir uns vorstellen könnten, was für uns schrecklich wäre zu verlieren. Dabei gab es das Gedächtnis [bei der Aufzählung helfen alle mit], wenn man ein Talent verliert, Emotionen und eben auch den Körper. Wir haben dann wirklich sehr lange diskutiert und alles durchgedacht, wie wir das auf die Beine stellen könnten. Es ist aber schlussendlich der Körper geworden, weil uns das am besten gefallen hat.

Bild von Geist und Körper
Personifizierter Geist und Körper bei den Proben zu “… ohne mich?!” © Armin Bardel

Ihr habt es so gemacht, dass ein Mann den Geist einer Frau spielt. Bewusste Entscheidung, oder einfach deswegen, weil gerade die richtigen SchauspielerInnen da waren?

Mikołaj Halicki: Also … [Ahmed Hussien: bewusst!], ja – der Herr Professor, hat gesagt, dass in der griechischen Mythologie – Platon – gab es ein Wesen, das sehr groß war und Gott – also der Gott der griechischen Mythologie – hat gesagt, dass das Wesen zu mächtig ist und hat es in Mann und Frau geteilt. Und so hat er uns auch erklärt, dass es keine so dumme Idee ist, wenn wir den Körper zu einer Frau und den Geist zu einem Mann machen …

Platon ließ in seinem „Symposium“ Aristophanes von den Kugelmenschen erzählen: Neben Männern und Frauen habe es damals noch ein drittes aus den anderen beiden zusammengesetztes Geschlecht gegeben. Diese Menschen seien rund gewesen – „ein jeder hatte vier Hände und ebenso viel Füße und zwei durchaus ähnliche Gesichter […], ferner vier Ohren und zwei Schamteile.“ Da den Göttern Menschen zu kräftig erschienen, schnitt Zeus „die Menschen entzwei, wie wenn man Beeren zerschneidet, um sie einzumachen, oder Eier, mit Pferdehaaren“

Aus und nach Platons “Symposium” in der Übersetzung von Franz Susemihl : www.opera-platonis.de/Symposion.pdf
Weiterlesen in der Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Kugelmenschen

Bild: Dieser Körper war auf Willhaben zu kaufen. Der Geist entschied sich aber anders
Dieser Körper war auf Willhaben zu kaufen. Der Geist entschied sich aber anders © Armin Bardel

Haben die Lehrer viel Einfluss genommen?

[Viele abwägende „Ja-aber“ … ]

Nina Prohaska: Nicht viel Einfluss, sie haben uns sozusagen nur ein bisschen gelenkt, aber die Ideen sind schon von uns gekommen [allgemeine Zustimmung]

Mikołaj Halicki: Die wollten auch, dass wir etwas alleine auf die Beine stellen und wollten uns halt nur den Weg zeigen.

Kennenlernen

Wann habt Ihr die Leute von der jungen Oper / Neue Oper Wien kennengelernt? Seid da gleich auf einen grünen Zweig gekommen?

Nina Prohaska: Als wir uns das Stück „die Nase“ angeschaut haben, haben wir von den Lehrern auch erfahren, dass sie dieses Projekt starten und dann haben wir sie kennengelernt, [ab hier helfen wieder alle mit] den Su [Pitzek], den Walter Kobéra, Axel Petri-Preis, Marco Di Sapia …

Mikołaj Halicki: Der Walter Kobéra hat uns halt Sachen erzählt, ich weiß nicht mehr genau was [alle lachen], er wollte halt auch, dass wir Fragen stellen … Beim ersten Mal waren wir glaube ich noch nicht so offen … Aber dann erst beim zweiten Mal, da war schon alles perfekt. Das war ja auch kurz vor der Aufführung [der Nase] damals und ich glaube, er war auch gestresst – wir waren gestresst, weil wir, also ich, waren das erste Mal so richtig in einer Oper [alle lachen] …

Wie es weitergeht

Mikołaj – Deine Lehrerin hat gesagt, Du überlegst in die Schauspielschule zu gehen?

Mikołaj Halicki: Ja ….  Das ist etwas schwierig bei mir, weil … Ich überlege noch, ob ich etwas mit Fußball zu tun haben will …

Deswegen habe ich auch KWS (Kulturwerkstatt) genommen, weil ich selbstbewusster werden wollte. Aber jetzt zieht es mich so stark rein, dass ich überlege, ob ich nicht etwas mit Schauspiel machen soll und … Und jetzt gibt es nur noch so richtig zwei Wege: Entweder mach ich etwas mit Fußball, oder ich gehe in Richtung  Schauspielerei. Was ich mache? Ich glaube, ich werde das erst nach der Matura entscheiden, jetzt im Sommer werde ich richtig darüber nachdenken auch einmal meine Eltern fragen, was sie darüber denken, weil nach dem Stück, die haben es wirklich nicht gepackt, wie gut ich das hinbekomme habe, die waren wirklich weg. Ich probiere es jetzt auch, ja wie soll ich das sagen, noch selbstbewusster zu sein, damit ich keinen Stress vor Menschen habe, das hat ja etwas mit Fußball zu tun, bei Pressekonferenzen, jeder schaut Dich an und Deine Antwort muss einfach ganz chic passen. Ich bereite mich schon darauf vor und ein bisschen auf die Schauspielerei vor damit ich … dieselbe Startebene habe.

Und Du Nina – hast Du darüber gedacht, das alles in andere Teile Deines Lebens mitzunehmen?

Nina Prohaska: Ja, aber nicht in Richtung Schauspiel. Ich möchte unbedingt etwas mit Menschen zu tun haben. Ich würde gerne Psychologie studieren, aber nicht im Sinne von Lehrerin. Ich finde man braucht schon sehr viel Selbstbewusstsein, um mit Kindern umgehen zu können und das nehme ich auch sehr stark mit. Auch das kreativ sein – die Kinder dazu zu bringen, dass sie einem was erzählen.

Marijana Damjanović: Wie die Nina überlege ich entweder etwas mit Psychologie zu machen, auch eher im künstlerischen Bereich, wie z.B. Kunsttherapie, Musiktherapie und so weiter … weil ich auch selber zeichne und male, und ich es mag mit Menschen zu reden und mich mit ihnen zu beschäftigen.

Ahmed Hussien: Ja, ähm, mein einziges Ziel gerade ist, die Matura schaffen zu wollen … [alle lachen] Also, ich habe schon oft nachgedacht irgendetwas mit Schauspiel zu machen, vielleicht auch Psychologie, oder Musik … also, ich habe mich noch nicht entschieden …

Vielen Dank für das Gespräch!

Philip Röggla sprach mit Marijana Damjanović, Mikołaj Halicki, Ahmed Hussien und Nina Prohaska.

Zum Interview mit dem Musikvermittler Axel-Petri-Preis geht es hier: www.musicaustria.at/musikvermittlung/junge-oper-wien-die-jugendlichen/