Seit beinahe 20 Jahren ist das Vorarlberger Blechbläserquintett „Sonus Brass“ mit Stefan Dünser, Attila Krako, Andreas Schuchter, Wolfgang Bilgeri und Harald Schele auf Erfolgskurs. Die Fünf haben sich vor allem mit Musiktheaterproduktionen für junge Menschen und inszenierten Konzerten, die alle Sinne ansprechen, ihr eigenes Markenzeichen geschaffen. Die Produktion „Rocky Roccoco“ wurde vor zwei Jahren mit dem international begehrten „YEAH! Young EARopean Award “ ausgezeichnet. Dieser Preis bescherte dem Blechbläserensemble einen Karriereschub, Einladungen zu vielen Festivals folgten. „Durch den ‚Yeah-Award’ sind große Konzerthäuser und Festivals auf uns aufmerksam geworden“, erzählt der Posaunist Wolfgang Bilgeri. „Da ‚Rocky Roccoco’ ohne Sprache auskommt, haben wir Einladungen nach Lissabon, Finnland, Warschau usw. erhalten“.
Stefan Dünser ist der kreative Kopf der Gruppe, der die Erfolgsspur für das Blechbläserquintett maßgeblich vorgegeben hat. Ein Hauptinteresse des Musikers und Pädagogen ist die Musikvermittlung. Er entwickelte Ideen für individuelle Musiktheateraufführungen und setzte seine Vorhaben in Zusammenarbeit mit den Ensemblekollegen um. Bereits für die erste Produktion „Die Blecharbeiter“ hat der Trompeter im Jahr 2004 den „Find It“ Preis der Jeunesse erhalten. Dass das „Sonus Brass Ensemble“ genau mit derartigen musiktheatralischen Produktionen eine sehr gefragte Nische für sich entdeckt und erarbeitet hat, freut selbstverständlich alle Beteiligten.
Mit inszenierten Konzerten zum Erfolg
„Der Kammermusikmarkt in der Klassikbranche ist extrem umkämpft. Blechbläser haben es hier besonders schwer, weil uns immer das Vorurteil anhaftet ‚nur Blasmusik’ zu machen. In Zeiten in denen Musikgruppen wie HMBC und Mnozil Brass riesige Publikumsmengen mit unterhaltsamen Konzerten in die Säle locken, möchten wir zum Konzertgeschehen noch etwas anderes beitragen. Wir wollen die Zuhörer auf subtile Art mit klassischer Musik in den Bann ziehen“, betont Stefan Dünser. „Unser Segment der mit Klassik inszenierten Konzerte ist eine Nische, die sehr gefragt ist. Gerade beim internationalen Festival in Lieksa/Finnland diesen Sommer konnten wir diese Erfahrung wieder machen.“
Die Qualität des „Sonus Brass“ Quintetts“ überzeugte auch Johannes Fuchs, der beim Lucerne Festival für die Kinder- und Jugendprogramme verantwortlich ist. Er hat die Musiker nach Luzern engagiert und den Auftrag für ein neues Musiktheater vergeben. „Wenn man dem Intendanten glauben darf, waren sie schon länger auf der Suche nach Musikern, die sowohl musikalisch als auch schauspielerisch auf dem von ihnen erwarteten Niveau agieren können“, so Stefan Dünser.
Qualität und schauspielerisches Talent
Genau diese Doppelbegabung von Musikalität und Schauspiel zeichnet das „Sonus Brass“ Ensemble aus. Im Laufe der vergangenen Musiktheaterproduktionen wie „Blecharbeiter“, „Don Quichotte & Friends“ und „Des Kaisers Neue Kleider“ entdeckten die Musiker ihr Talent und ihre Freude an der Schauspielerei. „Durch die unterschiedlichen Regisseure, die mit uns gearbeitet haben, wurden wir ganz natürlich dazu hingeführt. Für uns ist inzwischen das Schauspiel etwas Normales, das viel Spaß macht und auch einen anderen Weg zur Musik darstellt und uns hilft, die Musik aus einer anderen Perspektive zu vermitteln“, erklärt Wolfgang Bilgeri.
Intensive Arbeit steckt derzeit in der Realisierung des neuen Musiktheaters „Robin Hood – Zu gut, um wahr zu sein“, das Mike Svoboda für das „Sonus Brass“ Ensemble komponiert hat. „Die Idee, den Inhalt und die Geschichte hatte Mike Svoboda schon länger im Kopf. Robin Hood ist eine Person, die bei Kindern und Erwachsenen sofort Bilder auslöst“, zeigt sich Wolfgang Bilgeri begeistert. Zur Wahl dieser Geschichte stellte sich Stefan Dünser jedoch die Frage, ob man in Kinder- und Familienkonzerten moralisieren darf. „Nach vielen Überlegungen kann ich zumindest für mich sagen: Ja, man darf! Aber nur mit sehr viel Bedacht.“
Musik auch für junge Ohren
Der Komponist und Posaunist Mike Svoboda lebt in Basel. Zusammen mit dem Dramatiker Manfred Weiss, der für „Robin Hood“ das Libretto verfasst hat, schuf er bereits drei Werke für junge HörerInnen. „Aber nie nur für Kinder“, betont Svoboda, „denn meistens sind die Hälfte des Publikums Erwachsene. Und die müssen sich genauso amüsieren und inspirieren lassen wie die Kleinen. Zum Teil geht das über verschiedene Verständnisebenen, aber auch durch eine Unmittelbarkeit, die jeder verstehen kann, ob jung oder alt.“
In die Musik des „Robin Hood“ hat Mike Svoboda dreizehn Werke des englischen Renaissancekomponisten John Dowland eingebaut und mit modernen Stilmitteln zu einem dramaturgischen Ganzen für Mezzosopran und Blechbläserquintett verwoben.
Individuelle musikalische Ausdrucksformen
Mit Mike Svoboda hat das „Sonus Brass“ bereits zusammen gearbeitet, deshalb folgen die Musiker seinen Qualitätsansprüchen gerne und engagiert. „Er hat das perfekte Gespür für das ‚In-Szene-setzen’ von unseren Instrumenten, arrangiert einzigartig und macht einen fantastischen Musikdirektor“, schwärmt Stefan Dünser. „Er hat ein riesiges Repertoire an unüblichen Klängen, zum Beispiel Atemgeräuschen entwickelt, die er im Stück alle einsetzt. Sie tragen als Geräuschkulissen zum musikalischen Reichtum und Verständnis des Stückes bei. Alles ist penibel genau notiert und erarbeitet.“
Musiker, Schau- und Puppenspieler
Der Clou des Musiktheaters besteht darin, die Ensemblemitglieder als Musiker, als Darsteller und als Puppenspieler in einer Person einzusetzen. Dafür entwickelte Mike Svoboda die Idee, mithilfe eines Schlauches einen zusätzlichen Trichter am Instrument zu installieren. Die Kostümbildnerin Nina Ball hat diese Konstruktion in Form von Handpuppen verkleidet.

Viele Gründe zum Feiern
Nach der Uraufführung in Luzern folgen Gastspiele in der Philharmonie Luxemburg, in Köln und im Konzerthaus Wien. Weiters Stationen sind das Händelfestival in Halle an der Saale, der MDR Sommer sowie die Tonhalle Düsseldorf. 2014 feiert das Sonus Brass Ensemble ihr 20-jähriges Bestehen. Für das „Brassspektakel in Bregenz komponieren Christoph Dienz, Georg Breinschmid und Johannes Berauer neue Werke. Mit diesen und einigen anderen Weggefährten sowie Programmideen wird das runde Jubiläum ausgiebig gefeiert.
Silvia Thurner
ROBIN HOOD – zu gut um wahr zu sein
Auftragswerk vom Luzern Festival
Musik von Mike Svoboda nach Motiven von John Dowland (1563-1626)
Libretto: Manfred Weiss
Regie: Marcelo Cardoso Gama
Pantomime und Movements: Damir Dantes
Dramaturgie: Johannes Fuchs
Anne-May Krüger und Amber Opheim, Mezzosopran
und Sonus Brass
PREMIERE
im Rahmen des Lucerne Festivals 2013
Donnerstag, 5.9.2013, 10 Uhr, KKL Luzern
weitere Aufführungen:
Donnerstag, 5.9.2013, 14 Uhr;
Freitag, 6.9.2013, 9 Uhr und 11 Uhr;
Samstag, 7.9.2013, 11 Uhr und 15 Uhr.
Dienstag, 10.9.2013,
„Rocky Roccoco”, KKL Luzern, ein szenisches Konzert
Produktion der Phil. Luxemburg, der Bregenzer Festspiele und der Grazer Spielstätten