
Den fünf, im Heimstudio aufgenommenen, Tracks hängt so eine leichte Nostalgie an, die sich nicht nur die Lo-Fi Produktion manifestiert. Vielmehr sind es die Bob Dylan Mundharmonika, der hohe, leicht desorientierte Chorgesang und die 90’s Gitarrenrhythmen, die wiederum Melodien aus den 1960er Jahren zitieren. Das Lo-Fi ist weder aufdringlich noch gekünstelt, denn es erinnert eher an Musik aus einem alten Transistorradio, als an weißes Rauschen. Trotzdem kann die Tonüberlagerung ganz schön wild sein.
Sowie auf „I Thought I Could Remember“, das stark an die amerikanischen „Noiser“ Times New Viking erinnert. Die Vocals sind durch die Verzerrungen wie übertrieben wütende Punk-Kinder, die die Gitarre zur Verzweiflung treiben. Jene windet sich gen Ende wie ein sterbender Schwan vor stark scheppernden Percussions. Der Effekt des „schlecht“ Produzierten kommt nicht durch zusätzliche Verzerrungen ins Spiel, sondern durch die mehrfache Überlagerung der verschiedenen Schlagzeugklänge.
Ebenfalls wild, aber elektronischer, beginnt „Hands Up“. Nach der maschinellen Störgeräuschwolke entpuppt sich der Track als interessanter Take auf südamerikanische Gangster Balladen. Das ist zumindest die erste Assoziation, die vor allem durch die Gitarrenmelodie hervorgerufen wird. Dann fängt man an auch den vereinzelten Harfenklängen Aufmerksamkeit zu schenken. Im Endeffekt erkennt man starke Anleihen an Bradford Cox‘ Deerhunter, aber mit mehr Stimmentfremdung.
So ein bisschen nach Gangster Ballade klingt auch der Opener „Brando“. Es setzt sich dann aber eher das Brit-Poppige durch. Die treibende Kraft der Akustikgitarre wird durch einen Nebenbuhler in Form ihrer elektronischen Schwester durchbrochen, die sich heulend windet. Möstls Gesang hat die typische Laissez-Faire-Attitüde der Sänger der 1990er Jahre.
Als Ballade desselben Jahrzehnts kann auch der Abschlusstrack „Homebound and Secure“ gewertet werden. Sie schafft den Spagat zwischen Lagerfeuerlied mit Mundharmonika und improvisierter Bob Dylan Coversong. Der Song ist auf jeden Fall sehr sommerlich, und ein guter Abschluss für diese beschwingte EP.
Die fünf Songs suggerieren alle eine bestimmte Beschwingtheit, als wären sie ihrem Schöpfer ganz zufällig zugeflogen. Trotzdem haben sie eine bezeichnende Harmonie inne, ohne gleich zu klingen. Wenn diese „Kostproben“ mit dem kommenden Langspieler gleichgesetzt werden können, kann man sich auf ein rauschig-lauschiges Sommeralbum gefasst machen.
Anne-Marie Darok
Foto: Mile Me Deaf