mica-Interview mit Mother`s Cake

Wirklich um Unbekannte handelt es sich bei dieser Formation nicht. 2008 gegründet, haben die Tiroler Mother`s Cake vor allem durch ihre mitreißenden Live Performances in den vergangenen Jahren vor allem im Westen Österreichs und in Teilen von Deutschland schon die eine oder andere Duftnote hinterlassen. Auch mit ihrem Ende des letzten Jahres erschienenen Album „Creation`s Finest“ konnten Yves Krismer (Gesang, Gitarre), Benedikt Trenkwalder (Bass) und Jan Haußels (Schlagzeug) die Kritiker und Fans überzeugen. Die drei Köpfe der Band und ihr Manager Jonathan Gabler im Interview mit Michael Ternai.

Wenn man ganz ehrlich ist, war das, was man mitunter dem Begriff Prog-Rock zusammenfasst, in den letzten Jahren nicht unbedingt das, was man geläufig als hip bezeichnet hat. Wie ist es doch dazu gekommen, dass ihr gerade diese musikalische Richtung eingeschlagen habt?

Yves: Ich glaube, das war uns zu Beginn eigentlich gar nicht so bewusst. Es ist vielmehr einfach so passiert.

Benedikt: Wir haben eine Zeit lang miteinander gejammt und irgendwie ist dieser Stil dann in dieser Form dabei herausgekommen.

Jan: Ich muss sagen, dass ich von Yves und Benedikt stark beeinflusst worden bin. Ich habe davor ja eigentlich überhaupt nichts in dieser Richtung gemacht, wohingegen sie mit der Band „Brainwashed“ schon eine gewisse Vorgeschichte in diesem Genre hatten.

Benedikt: Im Grunde genommen ist es bei uns aber eher so, dass wir das machen, was uns gefällt.

Jan: Am Anfang waren unsere Stücke auch viel funklastiger. Durch das viele Lernen und Einstudieren aber sind wir dann immer mehr mit Sachen in Berührung gekommen, die viel mehr gekickt und irgendwie an den Eiern gepackt haben. Wie etwa Rage Against The Machine. Wir haben dann eben versucht, diese Energie mit unserem Stil zu kombinieren, wobei wir aber niemals bewusst die Entscheidung getroffen haben,  jetzt unbedingt in die Richtung Prog-Rock gehen zu müssen.

Yves: Man kann sagen, wir sind ja Hardrocker im Körper von jungen Leuten (lacht)

Aber man muss ja instrumental schon fit sein, um eure Sachen zu spielen. Wie sieht euer Werdegang denn aus? Wo habt ihr so gut zu spielen gelernt?

Benedikt: Also Yves und ich hatten dieselbe Ausbildung an der Musikschule. Er hatte Gitarren- und ich Bassunterricht. Ich schätze, wir waren dort etwa zwei Jahre.

Yves: Wobei es sich um eine ganz normale Musikschule gehandelt hat, die man in der Kindheit halt so absolviert. Das meiste haben wir uns selbst beigebracht.

Jan: Ihr habt ja ewig lange bei „Brainwashed“ gespielt, 10 Jahre oder so?

Yves, Benedikt: Ja, fast 7 Jahre.

Mother`s Cake habt ihr dann 2008 gestartet, oder?

Jan: Naja, zu der Zeit haben wird mit dem Jammen begonnen, die Band als solche hat es dann 2009 gegeben.

Wie sieht es mit euren ersten musikalischen Einflüssen aus. Woher stammen die?

Yves: Naja, bei mir sind es Jimi Hendrix und die anderen alten Heroes.

Ich habe ja auch eure CD besprochen. Eine Band, die mir beim Durchhören eurer Songs sofort in den Sinn gekommen ist, ist Led Zeppelin.

Benedikt: Ja, das sagen viele Leute. Nur ist es so, dass von uns niemand wirklich Led Zeppelin gehört hat.

Jan: Von solchen Einflüssen kann man bei mir eigentlich auch gar nicht sprechen, weil ich aus einer wirklich ganz anderen Richtung gekommen bin. Ich habe ja lange Geige gespielt und auch nur klassische Musik mitbekommen. Die Red Hot Chili Peppers etwa mit ihrem „Stadium Arcadium“ Album habe ich überhaupt erst ganz spät richtig kennengelernt. Davor habe ich ihre Hits eher nur aus dem Radio gekannt. Und das war es dann auch schon. Rage Against The Machine zum Beispiel war mir davor überhaupt kein Begriff. Erst als ich zu den beiden dazu gestoßen bin, eröffnete sich für mich eine neue musikalische Welt. Ich habe begonnen viel Rock zu hören und habe mir dann irgendwann gedacht: Oh das sind schon tolle Sachen.

Yves: Um ganz ehrlich zu sein, haben wir doch schon ein bisschen Led Zeppelin…

Benedikt: Ja schon, aber eben nicht so viel. Ich meine, ich finde sie schon cool, aber rauf und runter höre ich sie nicht.

Jan: Ich habe, als viele unsere Musik mit der von Led Zeppelin verglichen haben, selber auch einmal reingehört. Und ich muss sagen, ich verstehe diese Assoziation.

Benedikt: Ich glaube aber, die Assoziation kommt mehr wegen der Stimme, also der Stimmlage und auch ein wenig wegen der Gitarre.

Jan: Ja, wobei bei der Gitarre ich schon viel mehr eine Linie zum guten alten Jimi ziehe.

Wie sieht es beim Songschreiben? Enstehen bei euch die Lieder beim Jammen oder setzt ihr euch wirklich klassisch zusammen und erarbeitet Schritt für Schritt eure Songs?

Yves: Das ist unterschiedlich. Früher sind wir eher von einer da gewesenen Grundidee, die meist melodischer Natur war, ausgegangen. Die haben wir dann im Proberaum ausprobiert und ausgearbeitet. Und das hunderte Stunden lang.

Jan: Wir hatten immer so 3 bis 4 Proben in der Woche.

Benedikt:
Es ist aber schon so, dass Yves jetzt auch zu Hause sehr viel an den Songs herumbastelt, dahingehend variiert das Songschreiben bei uns doch schon.

Aber generell arbeitet ihr schon zusammen?

Yves: An dem Produkt selbst auf jeden Fall.

Benedikt:
Man muss schon sagen, dass wir sehr viel im Proberaum verbringen. Nur eben wenn wir an einem Album arbeiten, sind wir klarerweise mehr im Studio.

Eure Lieder brechen ja fast immer aus dem 08/15 Song Schema aus. Vor allem gelingt es euch, durch sich langsam aufbauende Mittelteile Spannung zu erzeugen.

Yves: Das ist schon ein bisschen ein Ziel von uns. Denn was wir überhaupt nicht abliefern wollen, ist eine langweilige CD. Und das gelingt uns eben dadurch, dass wir viel Abwechslung reinbringen. Bei uns klingt kein Song wie der andere, weil wir auch viele verschiedene Stile miteinander vereinen.

Benedikt: Mir passiert es oft, dass ich mir eine CD anhöre und dann schon nach drei, vier Nummern das Gefühl bekomme, das ganze Album zu kennen. Das sollte bei uns nicht der Fall sein.

Jan: Wir spielen mit diesen Wechseln ja auch deswegen, weil wir dem Publikum nach etwas heftigeren Parts auch eine Gelegenheit zum Verschnaufen geben wollen. Dieses stetige Auf und Ab erzeugt vor allem bei einem Konzert eine gewisse Dynamik.

Benedikt:
In der klassischen Musik verhält es sich ja nicht ganz unähnlich.

2008 habt ihr also mit dem Jammen begonnen, wann habt ihr euch dazu entschlossen, CD aufzunehmen?

Benedikt: Das ist schnell gegangen.

Jan: Also recht schnell. Als wir gemerkt haben, dass wir mit unserem Ding über das einfache Jammen hinausgehen, reifte schon recht schnell die Entscheidung heran, eine CD zu machen. Wobei, bis die CD dann tatsächlich fertig war, das hat dann doch länger gedauert.

Benedikt: Was auch daran lag, dass wir sehr viel an den Songs herumgebastelt haben. Man muss nur den Song „Realitricked Me“ hernehmen. Der ist eigentlich 2008 entstanden und erst 3 Jahre später aufgenommen worden.

Jan: Von dem gibt es mittlerweile 10 Versionen.

Benedikt: Auch ist es so, dass dir ein Song nach einer gewissen Zeit auch nicht mehr gefällt oder du ganz neue Ideen für diesen hast.

Ihr habt ja relativ früh begonnen, viel live zu spielen. Und zwar nicht nur in Tirol, sondern auch im gesamten Westen Österreichs und im Süden Deutschlands. Inwiefern waren diese Konzerte ein Test dafür, dass eure Musik beim Publikum ankommt?

Jan: Im Süden Deutschlands weniger eigentlich, vielmehr in Zentraldeutschland, so die Ecke Thüringen. Und ja, es war absolut ein Test und auch eine harte Geschichte. Auch weil zunächst bei den ersten Shows kaum Leute da waren. Daher haben wir auch kein Feedback erhalten, ob unsere Sachen überhaupt gut sind. Die schöne Überraschung aber war, als wir, nachdem unsere CD herausgekommen war, ein zweites Mal dort Konzerte gespielt haben. Obwohl wir zunächst doch mit einem etwas mulmigen Gefühl angereist sind,  waren plötzlich zwei von drei Shows randvoll und es sind auch Leute von weither angereist, um uns zu sehen. Das war schon cool und natürlich auch eine Bestätigung. Aber wie gesagt, davor war es schwierig. Ich kann mich an unsere ersten Konzerte erinnern, bei denen wir manchmal vor ganzen drei Leuten gespielt haben. Ich glaube, man muss schon drei, vier Mal am selben Ort spielen, damit sich etwas entwickelt. Und bei uns hat das funktioniert.

Jonathan: Und man muss auch sagen, aus der rein wirtschaftlichen Sicht, ist das schon ziemlich cool. Sobald man, wie in eurem Fall, eine Keimzelle gesetzt hat, dann kommt etwas in Bewegung. Natürlich passiert das nicht jeder Band, daher könnt ihr das, was ihr erreicht habt, umso mehr schätzen.

Jan: Es wär auch toll, diesen Keim in einer großen Menge zu setzen.

Yves: Ja, aber das dauert ewig.

Man muss sagen, dass euch das in Wien offenbar gelungen ist. Zumindest bei eurem Konzert im Chelsea waren ja viele Leute da.

Benedikt: Ja das war eigentlich ausverkauft.

Jonathan: Wobei man auch sagen muss, so dass viele Leute davor schon auch gesagt haben: Ok, Wien ist abgehakt, die habe ich schon zu oft gesehen.

Was mir auch gefallen hat, war, gerade auch bei diesem Konzert, dass bei euch zwischen der CD-Aufnahme und einem Konzert kein Unterschied besteht. Manchmal ist es ja so, dass dir die CD gefällt, du aber das Konzert langweilig findest. Oder auch umgekehrt. Merkt ihr bei Rockfans oder Gitarrenfans, dass ihr eine super Alternative für all jene bietet, die auch mal was anderes hören wollen?


Benedikt:
Ja durchaus. Wir haben viele Fans, die selbst Musiker sind, also die selber Instrumente spielen…

Yves: ….wir glauben schon, dass wir eine gute Alternative sind.

Jonathan: Ihr habt ja letztens auf einem Punk Festival gespielt und da waren eigentlich kaum Fans von euch da und dem Publikum hat es trotzdem voll getaugt.

Jan: Das find ich auch und hoffe daher, dass unsere Musik irgendwie eine solche ist, die Leute bei einem Konzert als echtes Erlebnis empfinden und nicht irgendwie als Wiedergabe des schon Gehörten. Zumindest wünsche ich mir so etwas, wenn ich auf ein Konzert gehe, dass ich eben vom Hocker geblasen werde.

Wie läuft das bei euch mit dem Marketing? Ihr spielt ja viel live, ist das eurer Hauptzugang, um neue Fans zu generieren?

Jonathan: Das Problem ist vor allem, dass es fast keine Medien gibt, die das Genre bedienen. Zudem kommst du nur sauschwer ins Radio, weil die Musik in keines der Schemen passt. Ich selbst bin ja verantwortlich dafür, dass die Musik auch unter die Leute kommt. Und da muss ich sagen, dass das aktuell vor allem über die Live-Schiene läuft.

Benedikt: Es ist ja definitiv auch so, dass wir eine Live-Band sind. Die Leute können sich bei uns zwei Stunden austoben und den Alltag vergessen, auch wenn wir jetzt nicht die Musik machen, die sich, was ich von manchen Seiten höre, gleich sofort erschließt. Man muss uns schon öfter sehen. Das macht es vielleicht ein wenig schwieriger.

Jonathan: Eure Songs sind eben nicht so leicht zugänglich wie die von Rihanna.

Mother`s Cake 1 ⓒ Peter Berger
Mother`s Cake 2 ⓒ Peter Unterthurner
Mother`s Cake 3 ⓒ Jonathan Gabler

 

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