LEHNEN – „Negative Space“

Es war um diese Wiener Band eine Zeit lang dann doch etwas ruhiger geworden, immerhin liegt der letzte Release von LEHNEN – „Reaching Over Ice and Waves“ – mittlerweile doch sechs Jahre zurück. Mit ihrem neuen Album „Negative Space“ (Noise Appeal Records; VÖ: 17.9.) melden sich JOEL BOYD und seine Mitmusiker nun aber in wunderbar eindringlicher Post-Rock-Manier wieder zurück.

Es ist die Vertonung der dunklen Seiten des Lebens, eine in Songs übersetzte Darstellung von Orientierungslosigkeit, der Angst vor dem Scheitern und der immerwährenden und oftmals von Frust begleiteten Suche nach dem eigenen Platz in der Gesellschaft, die Lehnen auf ihrem mittlerweile fünften Studioalbum zum Thema machen. Der Klang, den die Wiener Band auf „Negative Space“ praktiziert, ist erwartbar einer, der nur wenig positiv strahlt und einem durchgehend doch sehr melancholischen Grundton folgt.

Songs verträumter post-rockscher Schönheit

Albumcover “Negative Space”

Und dennoch, trotz ihrer thematischen Schwere der Musik entfalten die insgesamt zehn Nummern mit Dauer zwischen all den ruhigen und zurückhaltenden Passagen, ambientartig schwebenden Melodiebögen, hymnenhaften Refrains und sich mächtig auftürmenden, lauten Gitarrensoundwänden eine seltsam anmutende verträumte post-rocksche Schönheit, die letztlich doch so etwas wie einen kleinen Hoffnungsschimmer zulässt.

Joel Boyd (Gesang, Gitarre), Matthew Prokop (Schlagzeug, Synthesizer) und Stefan Sieder (Bass), die aktuell drei Köpfe hinter Lehnen (der langjährige Gitarrist Martin Konvicka hat die Band nach den Aufnahmen des Albums verlassen), lassen ihren Stücken – auch wenn sie fast durchgängig im Popformat gefasst bleiben – alle Zeit zu wachsen und auf den Punkt zu kommen, sie erzählen ihre Musik über weite, sich stetig verdichtende und instrumental anspruchsvoll ausgearbeitete Spannungsbögen, die ungemein viel Stimmung in sich tragen, viel Gefühl und Tiefgang entwickeln und die Hörerinnen und den Hörer einfach nur dazu einladen, sich dem Geschehen hinzugeben.

Lehnen zeigen mit „Negative Space“ als wahre Meister im Erzeugen von Atmosphäre, der eindringliche Sound, den die Band zu Gehör bringt, ist einer, der vom ersten bis zum letzten Ton wirklich zu fesseln vermag und auch nach mehreren Durchläufen nichts von seiner Anziehungskraft verliert. Ein richtig schönes Hörerlebnis.

Michael Ternai

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