Künstleragenturen fordern eigenes Kultur-Hilfspaket

Wien (OTS) – So wie viele andere Branchen sind auch die heimischen Künstleragenturen von der derzeitigen Corona-Krise unmittelbar betroffen. Der Ausfall sämtlicher kultureller Veranstaltungen hat den vollständigen Entfall aller Einnahmen zur Folge. Doch anders als in den anderen Branchen, fehlt im Kulturbereich noch der Plan zur Wiedereröffnung. „Der muss jetzt dringend her“, sagt Peter Hosek, Branchensprecher in der WIRTSCHAFTSKAMMER WIEN.

In den nächsten Tagen soll die Wiederaufnahme des Kulturlebens in Österreich beschlossen werden. Es zeichnet sich hier – so wie in vielen anderen Bereichen bereits vorgelebt – eine schrittweise Öffnung und ein langsames Hochfahren der Veranstaltungen ab. Wie genau, und vor allem wann das erfolgen soll, ist aber noch offen. „Gerne bieten wir als Künstleragenturen und damit als Vermittler zwischen Veranstaltern und ausführenden Künstlern, unser Know-how an, um einen sinnvollen und sicheren Weg zurück zur Normalität im Kulturbereich zu finden“, so Hosek. Eigens für solche Verhandlungen wurde jetzt auch von den Künstleragenturen eine eigene Arbeitsgemeinschaft gegründet, die die Forderungen der Wirtschaftskammer unterstützt.

Und er schlägt auch einen konkreten Plan vor:

  • Ab Ende Mai sollen kleine Veranstaltungen bis 100 Personen Indoor und 500 Personen Outdoor erlaubt sein, natürlich immer unter Einhaltung des 1m Abstands. Das gilt für den Publikumsbereich und auf der Bühne.
  • Ab 1. Juli sollen Indoor-Veranstaltungen bis 300 Personen möglich werden. Jede Person soll drei Quadratmeter Platz haben. Outdoor-Events sollen komplett freigeben und auch Gastronomie in den Pausen gestatten werden.
  • Im August dann die nächste Erweiterung auf 1.000 Personen bei Indoor-Veranstaltungen.
  • Wenn die Kurve der Infizierten kontinuierlich weiter abflacht, sollen ab September die großen Theater und Konzerthäuser die Möglichkeit haben, frei zu entscheiden, wie sie mit der Abstandsregel umgehen.

Hosek: „Das Thema Eigenverantwortung muss hier eine noch größere und vor allem die wesentliche Rolle spielen.“ Aber um überhaupt so weit zu kommen, ohne dass die österreichischen Künstler und ihre Agentur vor dem Ruin stehen, bedarf es nun schneller finanzieller Hilfe: „Die derzeitigen Hilfspakete sind nicht auf die Kulturszene zugeschnitten und damit fehlt es an Treffsicherheit. Ein eigenes Kultur-Hilfspaket ist die einzige Lösung, die gestrige Ankündigung des Vizekanzlers macht Hoffnung“, so Hosek.

Er wünscht sich eine Regelung für einen typischen Fall in der Agenturszene: „Wir haben ja als Agenturen unsere Leistungen schon in vielen Fällen vor langer Zeit erbracht, das Engagement dahinter wurde dann aber wegen der Krise abgesagt. Rechtlich stünde uns dennoch eine Zahlung für unsere erbrachte Leistung zu“, so Hosek. Deshalb fordert er, dass etwa im Falle eines Konzertausfalles, die erbrachte Leistung der Künstleragenturen mit verderblicher/verdorbener Ware gleichzusetzen und so wie in der Gastronomie zu entschädigen sei: „Das ist die fairste Lösung für Künstler und ihre Agenturen“

Und schließlich sei, so Hosek weiter, der Zeithorizont der Hilfen weiter zu strecken. Die Dauer von Hilfsmaßnahmen (etwa Fixkostenzuschuss oder Kurzarbeit) muss an die Dauer des Veranstaltungsverbotes und danach ebenso an die Dauer der COVID-19 bedingten Veranstaltungsbeschränkungen im Kulturbereich gekoppelt werden. Zur Sicherung der Liquidität ist jetzt eine zügige Auszahlung der Hilfsmaßnahmen im laufenden Geschäftsjahr erforderlich und nicht erst im Nachhinein im Folgejahr.

Link:
Wirtschaftkammer Wien