
Karl Ratzer blickt aus musikalischer Sicht auf eine sehr bewegte und sehr erfolgreiche Karriere zurück. Nicht viele österreichische MusikerInnen können von sich behaupten, bereits mit den ganz Großen der internationalen Jazzszene zusammengearbeitet zu haben. Der seit mehr als vier Jahrzehnten als Musiker tätige Karl Ratzer lernte sie fast alle kennen, Eddie Gomez, Jeremy Steig, Steve Gadd, Joe Chambers oder Art Farmer. Ebenso schätzten die Trompetenlegende Chet Baker sowie die Funk-Ikone Chaka Khan die außergewöhnlichen spielerischen Fertigkeiten des Wieners und arbeiteten mit ihm mehrfach zusammen.
Stilistisch ist der Gitarrist als Grenzgänger bekannt. Musikalisch im Blues und Rock’n’ Roll sozialisiert, unternahm der Wiener schon früh Ausflüge in den Jazz, Soul und Funk. Dank seines ausgeprägten Rhythmusgefühls und breiten Musikverständnisses fand sich Karl Ratzer spielend in den unterschiedlichsten Spielarten zurecht. Der amerikanische Gitarren-Experte Bill Milkowski meinte über den Wiener sogar: „Er hat einen fetten, sahnigen Ton, eine mutige Improvisations-Ader, eine Vibrato-Technik, dass du sterben möchtest, und einen Hang zu echtem Blues, Funk und Soul“.
Mit dem Münchner Trompeter Peter Tuscher, seines Zeichens einer der führenden Jazztrompeter Deutschlands, verbindet den Wiener Gitarristen eine Art Seelenverwandtschaft. Kennengelernt haben sich die beiden Musiker vor wenigen Jahren. Schnell war ihnen klar, dass sich ihre musikalischen Visionen auf ganz wunderbare Weise kreuzen. Man beschloss gemeinsam ins Studio zu gehen und diese auf einer CD zu verewigen. Entstanden sind Stücke, in denen Brücken geschlagen werden. Sowohl zwischen traditionellen Ansätzen und modernen Interpretationen wie auch zwischen den unterschiedlichen Spielformen. Karl Ratzer und Peter Tuscher zelebrieren einen musikalischen Dialog, der, getragen von einer einzigartigen und ungemein vielschichtigen Klangsprache, die Komplexität des Jazz mit dem Gefühl des Blues eindrucksvoll in sich vereint.
Was die BesucherInnen erwartet, sind zwei wunderbare Konzertabende zwischen neu interpretierten Jazzstandards und der hohen Kunst der Improvisation. Ein Muss für jeden Liebhaber anspruchsvoller Jazzklänge. (mt)
Porgy & Bess