Mit „Amistad“ (Edición La Guitarra esencial) legt Julia Malischnig ein Album vor, das ihre außergewöhnliche musikalische Bandbreite und ihre konsequente künstlerische Entwicklung in konzentrierter Form widerspiegelt. Nach der stiloffenen Verbindung von Jazz, Klassik und Weltmusik auf „Kiss of Life“ sowie der intensiven Auseinandersetzung mit dem Kärntner Liedgut auf „Canti Carinthiae“ erweitert sie ihren musikalischen Horizont nun deutlich in Richtung internationaler, insbesondere lateinamerikanischer Klangräume. Das Album ist dabei weniger als stilistischer Richtungswechsel zu verstehen, sondern als logische Fortsetzung eines offenen, dialogischen Arbeitens.
Eine zentrale Rolle spielt das internationale Ensemble, das „Amistad“ maßgeblich prägt. Besonders hervorzuheben ist der mexikanische Gitarrist Cecilio Perera, der als kongenialer Partner Malischnigs dem Album eine klare klangliche Achse verleiht. In den zahlreichen Duo- und Ensemblekonstellationen entsteht zwischen den beiden Gitarren ein differenzierter Dialog, der von technischer Präzision, rhythmischer Offenheit und hoher gestalterischer Sensibilität getragen ist. Pereras stilistische Souveränität und seine tiefgehende Kenntnis klassischer wie zeitgenössischer Repertoires erweitern den Klangraum des Albums wesentlich und wirken als verbindendes Element zwischen den unterschiedlichen musikalischen Ebenen.
Hinweis: Mit dem Abspielen des Videos laden sich sämtliche Cookies von YouTube.
Neben Perera bringen weitere profilierte Musiker:innen ihre individuellen Handschriften ein: Klaus Paier, Wolfgang Puschnig, Asja Valčić, Stefan Gfrerrer sowie weitere internationale Gäste sorgen für ein vielschichtiges, zugleich ausgewogenes Gesamtbild. Die Arrangements bewegen sich zwischen kammermusikalischer Transparenz und dichter instrumentaler Verzahnung und machen die Vielfalt der beteiligten musikalischen Hintergründe hörbar, ohne die Kohärenz des Albums zu gefährden.
Julia Malischnig agiert dabei als strukturierende Kraft. Ihr Gitarrenspiel verbindet technische Klarheit mit gestalterischer Flexibilität, ihre Stimme fügt sich selbstverständlich in die unterschiedlichen Besetzungen ein. Sie bewegt sich sicher zwischen den stilistischen Kontexten, mit einem Zugang, der gleichermaßen kontrolliert wie lebendig wirkt.
„Amistad“ überzeugt weniger durch einzelne hervorgehobene Titel als durch die stilistische Breite und innere Geschlossenheit des gesamten Werks. Die Eleganz des Sounds, das hohe Niveau der beteiligten Musiker:innen und das konsequent auf Zusammenarbeit ausgerichtete Konzept machen das Album zu einem überzeugenden Beispiel zeitgenössischer, grenzüberschreitender Musikarbeit.
Michael Ternai
++++
Links:
Julia Malischnig
Julia Malischnig (Facebook)
Edición La Guitarra esencial
