"Johnny Cash hat mich nie mehr los gelassen" – Christian Masser im Interview

Seit mehr als 20 Jahren tingelt der Grazer Musiker Christian Masser durch die Blues- und Country Clubs Österreichs. Im mica-Interview mit Jürgen Plank erzählt er, warum er Johnny Cash mag, was ihn am Blues fasziniert und warum er selbst keine Amerika-Tournee machen möchte.

Du hast mit 19 Jahren angefangen, Gitarre zu lernen. Das bedeutet aber nicht notwendig, dass man auch auf Bühnen steigt. Wie hat denn das Live-Spielen begonnen?
Christian Masser:
Ich habe relativ bald Anschluss zu Bands gefunden, die wöchentlich Jam-Sessions gemacht haben und aufgetreten sind. Und schon nach drei Jahren Gitarrespielen bin ich zum ersten Mal als Gast für zwei Nummern aufgetreten. In weiterer Folge habe ich dann bald mit meinem Bruder eine Band gegründet. Die Begeisterung war so groß, ich wollte unbedingt auf die Bühne.

Wie hat diese Band geheißen und was habt ihr gespielt?
Christian Masser: Die Band hat Memphis Feel geheißen und hat Rock’n’Roll und Blues gespielt. Mein Bruder ist ein großer Elvis-Fan und so haben wir aus diesem Fundus geschöpft. Und ich habe viele Blueselemente aus der klassischen Chicago-Blues- und Memphis-Blues-Ecke eingebracht. Mein Bruder hat jetzt selbst eine Bluesband namens The Honky Tonk Ramblers.

Spielt ihr auch noch miteinander?
Christian Masser: Wir spielen etwa zwei bis drei Mal im Jahr gemeinsam. Ich habe auch eine Bluesband, The Mysterious Bluesmen. Zwei Mal im Jahr werfen wir die Bands zusammen und bespielen zwei Festivals. Heuer werden wir im August in Ilz und im September in Graz spielen.

Wie waren deine ersten Bühnenerfahrungen?
Christian Masser: Unheimlich angstvoll und nervös, ich habe ja auch noch nicht gut spielen können. Heute freue ich mich, wenn ich auftrete, weil ich das ganze Rundherum einfach kenne. Damals war das eher angstbesetzt und sehr aufregend.

“Mich hat die Einfachheit (des Blues), auch die Klarheit dieser Musik immer berührt.”

Hast du auch noch andere Instrumente probiert oder war es immer klar, dass dich die Gitarre am meisten interessiert?
Christian Masser:
Ja, das war schon immer klar aufgrund meiner Hörgewohnheiten. Alle, die ich mir gerne anhöre, haben Gitarre gespielt: Bluesgitarristen wie John Lee Hocker, von dem ich ein großer Fan bin, oder Muddy Waters, aber auch die Country-Sänger wie Johnny Cash. Mein jüngerer Bruder hat klassische Gitarre studiert, ich habe ihn jeden Tag spielen gehört. Und irgendwann habe ich ihn gebeten, mir die ersten Akkorde zu zeigen und dann war ich so drinnen, dass ich ab diesem Moment alles autodidaktisch erlernt habe. Ich habe mal versucht Mundharmonika zu spielen, das aber wieder bleiben lassen, weil nichts weitergegangen ist.

Was fasziniert dich am Blues?
Christian Masser:
Das ist schwer zu beantworten. Mich hat Blues schon als Teenager berührt, ich habe mit 14 Jahren angefangen, Elvis zu hören. Und von Elvis kommt man sehr schnell auf seine Vorbilder, die Country-Sänger auf der weißen Seite und die Blues-Sänger auf der schwarzen. Mich hat die Einfachheit und Klarheit dieser Musik immer berührt. Bei Muddy Waters zum Beispiel habe ich immer das Gefühl, dass man die Landschaft heraushört, das Mississippi-Delta etwa. Auch bei Country-Music gefällt mir die Einfachheit, aber auch die Geschichten.

Wie ich weiß, bist du ein sehr großer Johnny Cash-Fan, was ist für dich das Spezielle an ihm?
Christian Masser:
Ich bin schon seit meinem 15. Lebensjahr Fan. Mich hat es damals elektrisiert, ich habe Johnny Cash mit 17 in Wien live gesehen und war während der ersten zehn Minuten des Konzerts wie erstarrt – und Johnny Cash hat mich dann nie mehr los gelassen. Vielleicht auch wegen seiner Art, Geschichten zu erzählen, wegen seines Charismas und wegen seiner Stimme. Es gibt ja von Klassik bis Country Menschen, die eine unglaubliche Ausstrahlung haben und Johnny Cash ist einer von denen und da hat es mich halt erwischt.

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Kann man von jemandem wie Johnny Cash etwas lernen, wenn man ihn bei einem Konzert sieht?
Christian Masser:
Man lernt immer etwas, wenn man bei einem Konzert zuschaut, egal ob das Johnny Cash oder jemand anderem ist. Das ist kein bewusster Prozess, ich versuche ja auch nicht Johnny Cash nachzumachen oder mich so zu benehmen. Aber es ist immer interessant, alte Profis zu beobachten. Charisma kann man nicht lernen, das hat man oder hat man nicht. Mir hat bei Cash immer diese dunkle Ausstrahlung gefallen und die Sparsamkeit der Bewegungen. Der war einfach ein Bühnenmensch und hat genau gewusst, was er auf der Bühne macht und seine Bewegungen sparsam eingesetzt. Das war aber nicht immer so, er hat ja phasenweise auch an Charisma verloren. Ich habe mir vor kurzem Aufnahmen aus den 1980er-Jahren angeschaut, die waren unglaublich durchschnittlich und schwach.

Du agierst von Graz aus und spielst oft in der Steiermark. Wie wichtig ist dir dieser lokale Bezug oder ist es auch denkbar, dass du mal eine US-Tour machst?
Christian Masser: Naja, ich höre nur von Leuten, die in den USA waren, dass es für eine Bluesband dort schwieriger ist als für eine Bluesband in Österreich. Bezüglich des Musikmachens in den USA schwingt eher eine romantische Vorstellung mit. Die Musiker, die nicht gerade B.B. King sind, spielen grundsätzlich auf Hut. Da mache ich lieber Urlaub und gehe ins Bluesmuseum in Memphis oder Clarksdale anstatt selbst eine Tour zu planen.

“Im Country-Genre klaue ich alles, was mir aus den 1950er und 60er-Jahren gefällt.”

Warst du also schon ein Mal auf musikalischen Pfaden in den USA unterwegs?
Christian Masser:
Eine Musikreise von Memphis über Nashville nach New Orleans habe ich gemacht. Ich war auch in Clarksdale, Mississippi und habe dort B.B. King gesehen und Bobby Blue Bland, eine alte Soul-Legende. Es war eine Reise auch zu den Second-Hand-Plattengeschäften und ich habe überall alte Schallplatten gekauft. Aber ich habe nicht das Bedürfnis, dort zu spielen. Ich agiere gerne von der Steiermark aus und bin jetzt seit über 20 Jahren unterwegs und habe schon Fans. Ich kenne viele Leute, aber es braucht viel Arbeit und Geduld, sich einen Fankreis aufzubauen. Und ich finde es schon schön, hier verwurzelt zu sein.

Schreibst du auch eigene Lieder?
Christian Masser: Ja, die gibt es, vor allem Bluesstücke. Die singe ich auch, wenn ich mit meiner Blues-Band spiele. Im Country-Genre klaue ich alles, was mir aus den 1950er- und 60er-Jahren gefällt. Country-Lieder habe ich noch keine geschrieben, Bluesstücke schon. Aber das ist nicht mein vorrangiges Talent, vielleicht kommt das ja noch.

Nenne bitte zwei deiner aktuellen Lieblingsstücke, die du in nächster Zeit sicher live spielen wirst?
Christian Masser: Von Dean Martin „That’s when I see the blues in your pretty brown eyes“ und „Cool Water“. Das wechselt auch immer, ich spiele einige Nummern für fünf oder sechs Jahre und dann sind sie nicht mehr auf der Setliste. Im Moment singe ich sehr gerne Balladen.

Dean Martin war für mich einer der besten Sänger überhaupt. Ist das eine große Herausforderung, etwas von ihm zu singen? Wie näherst du dich dieser Aufgabe?
Christian Masser: Ich habe sehr viel Dean Martin gehört und mir gedacht, dass ich etwas von ihm singen möchte. Ich habe acht bis neun Lieder ausgewählt,wenn eines zu mir passt, arbeite ich weiter daran. Dean Martin ist eine Herausforderung, es sind aber sehr viele Country-Nummern aus den 60er-Jahren dabei.

Gibt es außer Country und Blues noch andere Genres, die du gerne hörst?
Christian Masser: Ich höre viel schwarzen Soul aus den Südstaaten und auch Maria Callas.

Von dir gibt es auch schon zwei CD-Veröffentlichungen. Wie wichtig sind sie dir?
Christian Masser: Schon wichtig. Nach den vielen Jahren etwas in der Hand zu haben, ist schon wichtig. Und es macht auch Freude, Tonträger zu verkaufen, ein wenig zu handeln.

Wie groß ist dein aktuelles Repertoire zurzeit?
Christian Masser: Von den Country-Songs sind es etwa 80 bis 100, beim Blues zirka 50 Stücke. Ich möchte, dass das Repertoire immer weiter wächst und ich möchte mich auch nicht festlegen. Wenn ich z. B. merke, dass ich Johnny Cash nicht mehr singen mag, sondern nur mehr Dean Martin – aber das ist zurzeit nicht der Fall. (lacht)

Interview, Fotos: Jürgen Plank
Live:
Sa 06.09.2014: Volkshausfest, Graz
Sa 09.08.2014: Luigis Musicclub, Ilz, Steiermark, 20h
Fr 01.08.2014 WUK, Währinger Str. 59, 1090 Wien, 20:30h, Eintritt frei

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