„Ich mache meine Musik aus vollster Überzeugung“ – HANS HAUSER (HHanoi) im mica-Interview

Der Gitarrist und Sänger HANS HAUSER stammt aus Innsbruck und nennt sich HHANOI, demnächst ist er mit dem aktuellen Album „can’t control“ (Marmota Records) auf Tour in Deutschland. Jürgen Plank sprach mit HHANOI bei einem der Tourkonzerte in Wien über Grunge, Vietnam und die Erfahrungen, die dieser als Begleitmusiker bei STARMANIA gemacht hat.

Hans Hauser: Ich war dort auf Urlaub, kurz bevor ich die Band hhanoi gegründet habe. Im Urlaub schreibe ich immer Texte und einige davon habe ich vertont und die sind am Album aus dem Jahr 2012 drauf.

Hat dich der Aufenthalt dort musikalisch beeinflusst?

Hans Hauser: Ich sitze immer gerne irgendwo und beobachte und deshalb haben Reisen immer einen Einfluss aufs Songwriting.

Wo warst du fürs neue Album unterwegs?

Hans Hauser: Das Lied „Berlin“ ist in Berlin entstanden, weil ich in den letzten Jahren viel zwischen Berlin und Innsbruck unterwegs war, die anderen Lieder sind hauptsächlich in Innsbruck entstanden.

Was hast du musikalisch vor hhanoi gemacht?

Hans Hauser: Ich habe klassische Gitarre und E-Bass studiert und war Anfang der Nuller-Jahre bei der Cross-Over-Metalband Schneiderberg. Ich war damals eher als Sideman unterwegs und habe zum Beispiel in der Band von Nadine Beiler gespielt, in ihrer Starmania-Zeit. Ich habe auch mit dem Symphonieorchester am Innsbrucker Landestheater gespielt. Als Bassist hat man mich eher als Musiker gebucht, da war ich bei vielen Projekten dabei. Dann ist aber der Drang zum eigenen Songwriting wieder größer geworden und im Jahr 2010 bzw. 2011 habe ich für hhanoi mit den akustischen Songs begonnen.

„Für mich war Starmania ein erster Einblick in das Musikbusiness“

Bei Starmania warst du somit am Rande dabei, wie war das?

Hans Hauser: Ernüchternd. Wir waren im Sommer danach bei der Tour von Nadine dabei, es war einerseits ein Riesenspaß und wir haben auch tolle Konzerte gehabt. Aber wenn man andererseits ein bisschen Einblick in diese Businesswelt bekommt, die darum herumläuft, ist das eher ernüchternd. Auch zu sehen, wie wenig sich die Leute um Nadine gekümmert haben. Sie war ja doch sehr jung und ist dann zum Teil in Situationen geschmissen worden, in denen sich niemand um sie gekümmert hat, etwa bei Fernsehinterviews. Da ist sie oft sehr schlecht ausgestiegen. Manche Sendungen waren darauf aus, die drei blödesten Sager aus einem 90-Minuten-Interview zu bringen, und da war sie manchmal echt arm dran. Für mich war Starmania ein erster Einblick in das Musikbusiness.

Bild hhanoi
hhanoi (c) Michael Reisigl

Jetzt bist du ganz anders unterwegs, auch wenn es immer irgendwie auch ums Business geht. Ihr seid heute zum Beispiel aus Graz zum Konzert nach Wien angereist und es geht immer um Kosten und Gagen. Wie erlebst du die Situation jetzt?

Hans Hauser: Jetzt ist toll, dass ich alles in Personalunion bin und alles entscheiden darf. Ich darf alles so machen, dass ich inhaltlich zufrieden bin. Gerade musikalisch mache ich nur Sachen, die mir selbst gefallen und wenn ich bei einem Konzert das Gefühl habe, ich erreiche ein paar Menschen emotional oder wenn ein Album fertig wird, dann ist das super. Wenn noch etwas hereinkommt, ist die geschäftliche Seite eine Zugabe, aber die Befriedigung kommt von anderswo her. Andererseits ist es mühsam, wenn man alles selbst macht und mehr Zeit am Schreibtisch als hinter der Gitarre verbringt. Das ist natürlich auch eine Realität.

„Es wird sehr leise und im nächsten Moment kracht es“

Jetzt bist du ganz anders unterwegs, auch wenn es immer irgendwie auch ums Business geht. Ihr seid heute zum Beispiel aus Graz zum Konzert nach Wien angereist und es geht immer um Kosten und Gagen. Wie erlebst du die Situation jetzt?

Hans Hauser: Jetzt ist toll, dass ich alles in Personalunion bin und alles entscheiden darf. Ich darf alles so machen, dass ich inhaltlich zufrieden bin. Gerade musikalisch mache ich nur Sachen, die mir selbst gefallen. Und wenn ich bei einem Konzert das Gefühl habe, ich erreiche ein paar Menschen emotional, oder wenn ein Album fertig wird, dann ist das super. Wenn noch etwas hereinkommt, ist die geschäftliche Seite eine Zugabe, aber die Befriedigung kommt von anderswoher. Andererseits ist es mühsam, wenn man alles selbst macht und mehr Zeit am Schreibtisch als hinter der Gitarre verbringt. Das ist natürlich auch eine Realität.

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Ich habe dein neues Album so gehört: Du wolltest dich nicht entscheiden zwischen Ballade und Rocksong und hast daher beides gemacht. War das so?

Hans Hauser: Interessant. Ja, ich denke, diese Elemente zwischen ganz ruhig und doch wieder rockig zu verbinden ist ein Grundprinzip von hhanoi. Das kommt bei allen Alben vor. Ich werde immer effizienter im Songwriting und kann jetzt klarer ausdrücken, was ich will. Was ich sagen will, ist auf diesem Album gut vertreten. Manche Lieder sind nur ruhig, manche Lieder verbinden beides. Das liebe ich auch live: Es wird sehr leise und im nächsten Moment kracht es.

Ein Song heißt „i want something new“, der mich – und das ist jetzt ein großes Kompliment – an Neil Young erinnert hat. Ist er ein Anknüpfungspunkt für dich? 

Hans Hauser: Mittlerweile, ja. Nach der ersten hhanoi-CD hat jemand bei einem Lied zur Gitarre gesagt: „Die Gitarre erinnert mich an Neil Young.“ Ich habe mir gedacht: „Stimmt, da gibt’s ja diesen Neil Young, ich habe von ihm nichts zu Hause und sollte mir mal etwas kaufen.“ Ich weiß nicht, warum, aber ich glaube, es gibt eine Parallele im Zugang zum Gitarrenspiel zwischen uns beiden. Mittlerweile habe ich viel Neil Young gehört, aber diese Verbindung war schon da, bevor ich gewusst habe, wie er spielt. Ich habe mir gedacht: „Oh Gott, das klingt ja wirklich ganz ähnlich!“ Inzwischen finde ich, dass er sehr viele sehr coole Songs gemacht hat.

Gibt es noch weitere Bands, die dir wichtig sind?

Hans Hauser: Als Teenie habe ich natürlich Nirvana gehört und R.E.M. und eine der letzten Platten, die ich mir gekauft habe, war von Black Pumas, das ist eine amerikanische Band. In letzter Zeit hat mir auch Feist gut gefallen und Nick Cave höre ich auch immer gerne. 

Was ist für dich ein besonderes Lied auf deinem neuen Album?

Hans Hauser: Jeder Song hat den Moment, in dem er entstanden ist, und damit ist eine Situation im Leben verknüpft. Es ist immer eine nette Erinnerung, wenn man weiß, wo ein Lied fertig geschrieben wurde. „winter“ ist ein spezielles Lied, das habe ich geschrieben, als ich krank war und ein wenig Fieber hatte. Da habe ich an einem Jänner-Abend aus dem Fenster geschaut und die Lichter der Stadt gesehen. Ich habe eine Skizze mit dem Handy aufgenommen und einige Tage später angehört, weil ich unsicher war, ob das gut war. Aber mir hat der Song gefallen.

Ich finde den Moment interessant, in dem sich jemand dafür entscheidet, Künstler zu werden. Wie war dieser Moment bei dir?

Hans Hauser: Als Kind war ich sehr sportlich und sogar Meister im Langlaufen. Aber irgendwann habe ich jeden Nachmittag im Keller meiner Eltern verbracht und Musik gemacht. Da war’s mir selbst noch nicht klar, dass es das werden muss. Mir war das erst klar, als ich überlegt habe, was ich studieren soll. Im Alter von vierzehn oder fünfzehn Jahren war ich in einer Rebellionsphase vom ambitionierten Sportler zum Musiker mit zerrissener Hose und möglichst wenig Sonnenlicht und möglichst viel Gitarre.

Bild hhanoi
hhanoi (c) Michael Reisigl

Das heißt Punk? 

Hans Hauser: Ja, damals war schon die Grunge-Zeit, aber auch Punk.

Im Alter von vierzehn oder fünfzehn Jahren war der Weg somit vorgezeichnet. Wie ging es danach weiter?

Hans Hauser: Ich habe das Gymnasium fertig gemacht und habe dann am Mozarteum begonnen, klassische Gitarre zu studieren. Jazz wollte ich nie studieren. Davor habe ich zwar immer mit der E-Gitarre gespielt, aber ich habe gemerkt, dass ich mit der E-Gitarre nicht üben, sondern nur spielen will. Ich habe danach die klassische Gitarre als eigene Welt entdeckt, in der ich dann auch üben wollte.

Wie gehst du mit Kritik bzw. mit Rezensionen um?

Hans Hauser: Ich finde es meistens amüsant, wenn da etwas Kritisches oder Negatives steht. Geärgert habe ich mich darüber noch nie. Denn wenn man sich auf die Bühne stellt und Musik macht, muss man damit umgehen können. Ich mache meine Musik aus voller Überzeugung, aber mit dem Bewusstsein, dass gerade eine Stimme entweder jemandem gefällt oder eben nicht. Eine schlechte Kritik habe ich leider noch nicht so oft gekriegt, weil ich das immer sehr interessant finde. Das liegt wahrscheinlich daran, dass ich noch zu unbekannt bin. Denn die, die etwas schreiben, mögen die Musik ohnehin. Wenn man zum Beispiel Neil Young ist, dann müssen alle über ein neues Album schreiben. Aber ein Tiroler Blogger hat mal über hhanoi geschrieben: „Grauenvoll hymnisch.“ Das habe ich sofort in meine Presseinfo aufgenommen, weil ich die Wortkreation schön fand.

Als Kompliment.

Hans Hauser: Ja, ich finde schon. Aber das war in eine negative Kritik verpackt und ich habe mir gedacht: „Jetzt drehe ich den Spieß um, greife etwas heraus, was mir gefällt, und zitiere das auch noch.“

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Jürgen Plank

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hhanoi live
04.03.2020 – Bahnwärter Thiel (München, DE)
05.03.2020 – Tirol am Beat (ORF Radio Tirol, AT)
06.03.2020 – Cafe Tasso (Berlin, DE)
13.03.2020 – Treibhaus (Innsbruck, AT)

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Links:
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Marmota Records