
Zunächst noch als waschechte Rockerin unterwegs, war es die Entdeckung des Theremin, eines der am schwersten zu bedienenden Instrumente überhaupt, die die gebürtige Grazerin quasi von heute auf morgen eine gänzlich neue musikalische Fährte verfolgen ließ. Weg vom lauten Gitarren-Lärm hin zu der seltsam anmutenden Sanftheit der Sounds dieses außergewöhnlichen Klanggerätes, das sie schnell so kunstvoll zu beherrschen lernte, wie nur wenige andere fertig gebracht haben. Es gibt wohl kaum ein Superlativ, mit dem Dorit Chryslers Umgang mit dem Theremin nicht schon beschrieben und ausgezeichnet worden ist. Manche sehen in der Wahl-New Yorkerin sogar „Die Theremin Göttin“.
Aber es ist nicht nur alleine die technische Perfektion, die sie zu einer der führenden Vertreterinnen ihres Faches hat werden lassen. Auch ihr außergewöhnliches musikalisches Verständnis, ihre Offenheit, ihr innovativer Antrieb, sowie die bewusste stete Weiterentwicklung ihrer eigenen Klangsprache haben entscheidend dazu beigetragen, dass man heute von ihr allerorts in höchsten Tönen spricht. Es gibt wohl kein stilistisches Feld, auf dem sich Dorit Chrysler, die neben dem Theremin auch Harmonium, Mundharmonika, Air Synth und Keyboard spielt, nicht schon in irgendeiner Art und Weise erfolgreich versucht hätte. Sie fühlt sich im Kontext des Pop ebenso gut aufgehoben, wie auch in den verschiedensten avantgardistischen und experimentellen Musikformen, was natürlich zur Folge hat, dass das Spektrum ihres künstlerischen Schaffens ein ungewöhnlich weites ist. Dass dem wirklich so ist, davon kann man sich im Rahmen des Konzerts im Wiener Rhiz überzeugen. (mt)