Die Freistunde präsentiert Brian Brain

Die allwöchentlich im mica stattfindende und sich einer immer größerer Beliebtheit erfreuende  „Freistunde“ versteht sich als ein Ort der musikalischen Gratwanderung im Geiste des Experiments. Auch die am 30. November konzertierende Formation Brian Brain fühlt sich dem freien und stileübergreifenden Spiel im Kontext des modernen Jazz verpflichtet und geht daher mit der Ambition in den Abend, dem Publikum neue und innovative Sichtweisen auf diesen zu gewähren.

Bei Herbert Könighofer (Saxophone, Gitarren, Stimme, Elektronik), Philipp Nykrin (Piano, Bass) und Andreas Lettner (Schlagzeug) handelt es sich um drei Vertreter der jungen heimischen Jazzgeneration, die ihre Aufgabe vor allem darin sehen, den Begriff des Jazz einer neuen Deutung zuzuführen. Im Trio lösen ihn aus seinem traditionellen Kontext, formen ihn in der lebendigen Interaktion ganz nach den eigenen Vorstellungen um und hauchen ihm auf diesem Weg neues Leben ein. Passieren kann alles. Vorgegeben ist nichts. Auch weil die drei experimentierfreudigen Musiker wissen, dass gerade im Jazz noch lange nicht das letzte Wort gesprochen ist. Wohl in kaum einem anderen Genre ist es immer noch möglich, ungewöhnliche und eigenwillige Pfade, wohin diese auch führen mögen, zu beschreiten.

Und genau dies haben Könighofer (The Merry Poppins), Nykrin und Lettner (beide Namby Pamby Boy) auch in ihrem gemeinsamen Projekt Brian Brain im Sinn. Wer die drei Instrumentalisten aus anderen Formationen kennt, weiß, dass sie sich in keinem Moment irgendwelchen Einschränkungen unterwerfen und sich mit Vorliebe in der Überwindung von stilistischen Grenzen üben. Sie fühlen sich in der Elektronik genauso wohl wie auch im Hip Hop, Rock, Reggae und vielen anderen Spielformen. Die Kunst, welche die drei vortrefflich beherrschen, ist, all die verschiedenen Elemente in einem vielschichtigen und doch schlüssigen Ganzen zusammenzufassen. Quasi in der Rolle von Akrobaten jonglieren sie mit den einzelnen Versatzstücken und werfen sich kunstvoller Weise und einer gehörigen Portion Spielwitz ihre Ideen zu, als ob es nichts Selbstverständlicheres gäbe.

Was die BesucherInnen an diesem Konzertabend erwarten dürfen, ist eine moderne und innovative Auslegung des Begriffs Jazz fernab jeglicher Tradition. Spontan Dargebrachtes, Vertracktes, Schräges und Komplexes wird wohl daher genauso auf dem Programm stehen, wie etwas leichter Zugängliches und Gefälliges. Man muss sich daher schon überraschen lassen. Was aber die ganze Geschichte auch zu einer sehr spannenden und interessanten macht. (mt)