DAME – „Rock EP“

Die neue EP des erfolgreichen Salzburger Rappers DAME heißt „Rock“ (Damestream Records). Der Name ist Programm. Denn der Sound ist zum ersten Mal sehr stonerrockig. Maskuline Gitarrenriffs, episches Schlagzeug und brunftige Stimmgewalt.

Vom Zocker zum Rocker

Cover "Rock EP"
Cover “Rock EP”

An Output mangelt es dem jungen und erfolgreichen Rapper nicht. Am 28. August 2020 folgt dem erst im September 2019 veröffentlichen siebten Studioalbum „Zeus“ bereits eine neue EP. Erstmals weichen Hip-Hop-Beats rockigen Live-Drums. Anstatt einer auf Loops basierenden Produktion setzt DAME nun auf verzerrte Gitarren. Ein mutiger Schritt. Kann sich der junge Musiker bislang nicht über mangelnde Resonanz seiner Musik beklagen. Zumindest nicht vonseiten seiner unzähligen Follower.

Weniger Aufmerksamkeit kam da bislang seitens diverser Radiostationen. Und das, obwohl die Texte gänzlich ohne Vulgärsprache auskommen. Auch inhaltlich behandeln seine Themen keine der üblichen Rapper-Klischees. Im Gegenteil. Wie poetisch DAME klingen kann, bewies er beispielsweise bereits am Album „Zukunftsmusik“ im Song „Deine Hände“ (2017). Ein Aufruf zum Vegetarismus.

Ernste Themen scheinen eine Konstante des Salzburgers zu sein. Jetzt erst recht in Zeiten der Krise. Einen Vorgeschmack kann man sich bereits anhören. Die erste Single „Hauptsache echt“ wurde im Juni veröffentlicht und ist eine Kritik an einer unechten, aber perfekt scheinenden Social-Media-Welt frei nach dem Motto: „Ich bin doch ein Star – hol mich hier raus.“

Passt man nicht ins System, oder passt das System nicht?

An poppigen Songstrukturen sowie der Gleichberechtigung von Gesang und Sprechgesang hält DAME nach wie vor fest. Gepaart mit den neuen Arrangements klingt das dann ähnlich einer Recording Session von Julian le Play und den White Miles. Somit könnte das Problem des mangelnden Airplays auf Ö3 künftig behoben sein.

Delikate Themen wie häusliche Gewalt an Frauen thematisiert DAME in „Sie läuft“ und nähert sich musikalisch sehr nah dem Genre Deutsch-Pop.

Hektischer gehts in „Panik“ zu. Ein Song über Panikattacken. Hier schießen die Silben so schnell über die Zunge, man könnte glauben, man leide selbst an solchen. Ganz offensichtlich das Symptom einer psychotischen Gesellschaft, in der Menschen zu Produkten werden, sich mit solchen vergleichen und verglichen werden und somit am Ende auch wie eines behandelt werden. Passt man nicht ins System oder passt das System nicht? Fragen dieser Art stellen sich in „Am Limit“.

Alles in allem eine apokalyptisch frische Scheibe – in der Tat. Und glücklicherweise auch mit Lösungsansatz. Und zwar mit einem Handstand auf der Planke und gleichzeitigem In-die-Hände-Klatschen. Dabei singen wir solidarisch: „Lasst uns gemeinsam untergehen.“ Rapmusik kann auch 2020 ohne Sexismus und Chauvinismus erfolgreich sein.

Dominik Beyer

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