Mit „Live in Nürnberg – Embracing Imperfection“ legt die österreichische Gitarristin BEA ein Album vor, das sich ganz dem Moment verschreibt. Entstanden bei einem Solo-Konzert am 8. November im Nürnberger Analogtreff, entfaltet diese Aufnahme eine besondere Sogkraft: warm, unmittelbar und frei von jedem nachträglichen Glätten.
BEA, bürgerlich Beate Reiermann, bewegt sich als Solokünstlerin an der Akustikgitarre souverän zwischen Jazz, Flamenco und zeitgenössischer Instrumentalmusik. Ihr Spiel ist geprägt von rhythmischer Feinheit, technischer Klarheit und einer emotionalen Tiefe, die sich nicht aufdrängt, sondern leise wirkt. Die Stücke öffnen Räume, in denen sich Bilder entfalten können: weit, offen, manchmal melancholisch, oft von stiller Intensität getragen.
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Das rein analoge Aufnahmeverfahren prägt den Charakter des Albums entscheidend. Kleine Unschärfen, atmende Pausen und minimale Reibungen werden nicht kaschiert, sondern bewusst angenommen. Der Titel „Embracing Imperfection“ ist dabei Programm und zugleich ein klares Statement gegen makellose Oberflächen und perfektionierte Klangproduktion. Das Ergebnis ist eine ehrliche Momentaufnahme, die Nähe schafft und Vertrauen weckt.
Alle Kompositionen stammen aus BEAs eigener Feder und tragen persönliche Geschichten in sich. Sie verbinden klar ausgearbeitete Strukturen mit improvisierten Passagen, in denen sich ihre stilistische Offenheit widerspiegelt. Jazzige Harmonien treffen auf flamencotypische Farben, Fingerstyle-Elemente auf freie, erzählerische Bögen. Der ruhige, unaufgeregte Zugriff lässt viel Raum für Atmosphäre – und genau daraus bezieht die Musik ihre Spannung.
Reiermanns musikalischer Weg, der sie von Wien über Spanien bis hin zu vielfältigen Einflüssen traditioneller Musik aus aller Welt führte, ist in jedem Ton spürbar. „Live in Nürnberg – Embracing Imperfection“ ist Musik, die keiner erklärenden Worte bedarf: ein intensives, facettenreiches Hörerlebnis, das umhüllt, berührt und lange nachklingt.
Michael Ternai
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