aspekteSALZBURG. Festival für Musik unserer Zeit – 25. bis 29. März 2020

Die aspekteSALZBURG zählen zu den ältesten Festivals für Neue Musik in Österreich. 42 Jahre Innovation und Begegnung mit Neuem auf hohem interpretatorischem Niveau als zeitgenössischer Kontrapunkt in einer traditionsreichen Musik-Stadt. Die internationale Begegnung, die Berücksichtigung interdisziplinärer Entwicklung der Künste, das Präsentieren von noch nicht etablierten Konzepten aus aller Welt, all dies ist in den Programmen des Festivals zu finden. Eine Landkarte von Musik unserer Zeit, die unterschiedlichen Strömungen folgt, Interpretationen und Kompositionen gleichermaßen im Auge behält und das komponierte Werk einer außergewöhnlichen Persönlichkeit in den Mittelpunkt stellt. 2020 ist das der Komponist Johannes Maria Staud.

Bild Ludwig Nussbichler
Ludwig Nussbichler (c) Magdalena Lepka

Somit begegnen wir auch im vorliegenden Festival komponierenden und interpretierenden Protagonist*innen, deren Arbeiten viel verbindet, seien es gemeinsame historische Wurzeln oder die klare Abgrenzung zur Popularmusik, beziehungsweise zum Kunsthandwerk. Ein Aspekt der Neuen Musik erhält im Kontext mit den jüngsten gesellschaftspolitischen und ökologischen Themen eine vollkommen neue, sich nicht vordergründig erschließende und dennoch erkennbare Dimension: die Arbeit von Kunstschaffenden, gängige Konzepte zu hinterfragen, verbrauchte Wege zu verlassen, um neue zu versuchen, und dabei gleichzeitig den Bezug zu einem reichen kulturellen Erbe zu wahren, bringt Modelle an die Oberfläche, die für aktuelle und zukünftige Herausforderungen wertvoll sein können. Dies darf durchaus als Ermutigung verstanden werden, denjenigen Komponist*innen Gehör und Aufmerksamkeit zu schenken, deren musikalische Äußerungen schwieriger, anspruchsvoller und zuweilen unangenehmer, weil komplexer zu sein scheinen.

Doch hier die gute Nachricht: Lassen sich die Zuhörer*innen darauf ein, so finden sie oft deswegen einen Zugang zu Neuer Musik, da diese auch intuitiv emotional, sozusagen „atmosphärisch“ erlebbar werden kann.

Die thematische Leitlinie ist in dieser Ausgabe durch den ureigenen Festivalgedanken bestimmt: Aspekte Neuer Musik. Damit gewinnt die inhaltliche und stilistische Vielfalt der musikalisch-künstlerischen Produktionen an Bedeutung ohne den gemeinsamen Raum eines Genres zu verlassen. Dieses erhebt den Anspruch – frei nach Paul Becker – einer Kunstmusik, die für musikalische Innovation und neue stilistische Entwicklungen steht und sich konzeptuell, strukturell und ästhetisch von etablierten Verfahren, Gattungen oder Inhalten abzusetzen versucht.

Johannes Maria Staud – Composer in Residence

Johannes Maria Staud (c) Priska Ketterer

Seit dem Studienjahr 2018/19 Professor für Komposition an der Universität Mozarteum, zählt Staud zweifellos zu den erfolgreichsten Komponist*innen seiner Generation. Die künstlerischen Erfolge und Auszeichnungen, Aufführungen und Aufträge des 1974 in Innsbruck geborenen Komponisten und Schülers von Michael Jarrell und Hanspeter Kyburz illustrieren dessen steile internationale Karriere. So wurde seine Musik von Klangkörpern wie den Berliner Philharmonikern oder dem Ensemble Modern Orchestra uraufgeführt, Aufträge erhielt er unter anderem von den Wiener Philharmonikern, dem Cleveland Orchestra oder von der Wiener Staatsoper. Dort wurde vor wenigen Monaten die Premiere seiner Oper „Die Weiden“ gefeiert.

Sechs Aufführungen repräsentativer Werke in fünf Festivaltagen, darunter mit „Im Lichte II“ für zwei Klaviere auch eine Österreichische Erstaufführung. Der Ausgangspunkt dieser Johannes Maria Staud gewidmeten Programmlinie ist das für die Geigerin Midori komponierte Violinkonzert „Towards a Brighter Hue II“. Dieses Werk hat gewissermaßen ein Gedächtnis, beruht es doch auf dem früher komponierten gleichnamigen, von einer Skulptur des englischen Künstlers David Nash inspirierten Werk für Violine solo. Uraufgeführt wurde Letzteres von Ernst Kovacic, der beim Eröffnungskonzert auch den Solopart im Violinkonzert übernimmt. Das Ensemble Resonanz stellt dafür unter der Leitung von Johannes Fischer den kongenialen Klangkörper.

Begegnung mit Klassikern der Moderne

Auf der Reise durch das diesjährige Programm begegnen uns vereinzelt Klassiker der Moderne, die bestimmten Werken von Johannes Maria Staud gegenübergestellt werden und als historische Anknüpfungspunkte verstanden werden können:

György Ligeti ist mit „Ramifications“ (1968/69) für Streichorchester beim Eröffnungskonzert vertreten, das Berliner ensemble mosaik spielt „Dérive 1“ (1984) von Pierre Boulez und das Ariadita Duo interpretiert Igor Strawinsky mit „Le sacre du printemps“ (1910/13) in der Version für zwei Klaviere. Das oenm . oesterreichisches ensemble fuer neue musik setzt mit dem „Quartett, op. 22“ (1930) ein Werk von Anton Webern in den Raum, widmet sich Erinnerungen an eine in Salzburg aufkeimende Neue-Musik-Szene und führt sie mit zwei Uraufführungen in die Aktualität. Mit Werken von Klaus Ager und Musik seiner befreundeten Weggefährten Andor Losonczy und Bogusław Schaeffer bringt das Ensemble insbesondere die hohen kammermusikalischen Qualitäten seiner Musiker*innen zur Geltung.

Junge kreative Kräfte

Es stehen zahlreichen Uraufführungen brandneuer Werke durch herausragende Ensembles und Interpret*innen am Programm. Dabei loten Formationen wie das ensemble mosaik im Sinne einer jungen Komponist*innen-Generation neue faszinierende Möglichkeiten durch den Einsatz von Elektronik in Verbindung mit dem Instrumentalklang aus. Auch das Ensemble NAMES zeigt sich darüber hinaus mit der installativen Konzertperformance „The lost ones“ von Marco Döttlinger als experimentierfreudig und genreübergreifend.

Das mittlerweile international renommierte Wiener Ensemble PHACE bringt neben den Werken „Par ici!“ und „Par là!“ von Staud eine mit Spannung erwartete Uraufführung von Alexandra Karastoyanova-Hermentin und „Not I“ der Komponistin und Sängerin Agata Zubel. Die darauf folgende Vertonung des Films „Die Stadt ohne Juden“ durch Olga Neuwirth markiert einen weiteren Höhepunkt des Festivals.

Konzertdesign

Für das aspekteFESTIVAL 2020 wurden mit dem Großen Saal der Stiftung Mozarteum, dem Solitär und dem Kleinen Studio der Universität Mozarteum bewusst Konzerträume gewählt, die für die Anforderungen der programmierten Musik bestens geeignet sind. Doch es gibt eine Neuerung: Regisseur Thierry Bruehl wird das Design der einzelnen Konzerte optisch gestalten. Daraus wird eine inspirierende Hörsituation entstehen.

Mit den aspekteSPIELRÄUMEN wird die Kinder- und Jugendarbeit gesichert. Das Finale des Wettbewerbs „Jugend komponiert“ rückt erneut die jüngsten Komponist*innen Österreichs ins Licht.

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Aspekte Salzburg