Bild Chris Norz
Chris Norz (c) Mariya Nesterovska

„Ich wollte unbedingt ein Drumset spielen […]“ – CHRIS NORZ in mica-Interview

MICA – MUSIC AUSTRIA lud 2019 anlässlich seines 25-jährigen Bestehens MusikerInnen dazu ein, einen Jingle für die MICA-Telefonschleifen zu kreieren. Als Sieger des Wettbewerbs ging der Musiker und Komponist CHRIS NORZ (HI5, LOW POTION) hervor. Michael Ternai lud den Tiroler zu einem kurzen Gespräch.

Chris, du bist ja der Sieger des Jingle-Wettbewerbs, den mica – music austria im letzten Jahr durchgeführt hat. Was hat dich dazu veranlasst, am Wettbewerb teilzunehmen? Wie hast du von dem Wettbewerb erfahren?

Chris Norz: Ich habe von dem Wettbewerb über den mica-Newsletter erfahren und mir gedacht, dass es ganz interessant wäre, da mitzumachen. Ich habe mir die Deadline für die Einreichung in meinen Kalender eingetragen, nur dann ganz auf diese vergessen. Ein paar Tage vor Ende der Frist ist dann plötzlich ein Erinnerungs-Mail aufgepoppt. Ich habe mich dann einfach durch das auf meinem Computer abgespeicherte Material durchgehört und geschaut, was man hernehmen könnte. Ich habe auch relativ schnell etwas Passendes gefunden. Ein Akkordabfolge, die ich dann relativ rasch in das vorgegebene Format von 25 Sekunden umgearbeitet habe.

Du spielst ja „hauptberuflich“ bei der Jazzformation HI5 und hast letztes Jahr auch ein Duo-Projekt gestartet.

Chris Norz: Genau. Das Duo heißt Low Potion. Es ist ein Projekt, das ich gemeinsam mit der Tiroler Sängerin Anna Widauer gestartet habe. Wir haben im letzten Herbst auch ein Album herausgebracht. Im Rahmen dieses Projekts habe ich erstmals ein wenig damit begonnen, selber am Computer zu produzieren. Das war eine sehr gute Erfahrung, weil ich doch viel über den Prozess einer Albumproduktion gelernt habe. Sonst bin ich natürlich nach wie vor viel mit HI5 unterwegs. Zudem spiele ich auch im Circadian Ensemble von Manu Delago mit. Hier ist auch ein neues Album draußen, das auf einer Tour vorgestellt wird. Das sind, kann man sagen, im Moment meine drei Hauptprojekte. Und die nehmen viel Zeit in Anspruch.

Wann hast du mit dem Musikmachen begonnen? Wo liegen deine musikalischen Anfänge? Was sind deine wichtigsten Stationen auf dem Weg zum Musiker?

Chris Norz: Ich bin zunächst in Innsbruck auf die Musikhauptschule gegangen, anschließend ins Musikgymnasium, wo man daneben ja schon am Tiroler Landeskonservatorium studiert. Ich habe eine klassische Schlagwerkausbildung gemacht, habe daneben aber auch sehr lange Klavier gespielt. Und am Ende dieser Ausbildung habe ich einen Jazzlehrgang absolviert, in dem ich meine jetzigen Kollegen von HI5 und auch Anna Widauer kennengelernt habe. Dann bin ich nach Basel gegangen und habe dort an der Jazzhochschule noch Jazzschlagzeug studiert. Mit dem Komponieren selbst habe ich eigentlich erst bei HI5 angefangen, was aber von Anfang an ganz gut geklappt hat. Das ist so ungefähr mein Werdegang.

„Aber Jazz taugt mir natürlich schon sehr, wobei ich mich jetzt aber selbst nicht unbedingt als Jazzmusiker bezeichnen würde.“

Es war dann eigentlich von Anfang an klar, dass du einmal in Richtung Jazz gehen wirst?

Chris Norz: Eigentlich gar nicht einmal so. Während des Studiums habe ich mich schon viel mit Jazz beschäftigt. Aber es war jetzt nicht so sehr der Grund, warum ich diesen Weg eingeschlagen habe. Ich wollte unbedingt ein Drumset spielen und mich in meinem Spiel verbessern. Und das funktioniert in einem klassischen Schlagwerkstudium eher nur bedingt, weil man da auch die Pauken und Stabspiele abdecken muss und eigentlich nur wenig zum Drumset-Spielen kommt. Bei einer Jazzausbildung hat man dann eben einen Drumset-Lehrer. Und das war eigentlich der Grund. Aber Jazz taugt mir natürlich schon sehr, wobei ich mich jetzt aber selbst nicht unbedingt als Jazzmusiker bezeichnen würde. Es gibt einfach Leute, die das viel intensiver verfolgen.

„Es sind sehr viele Einflüsse, die in unserer Musik Eingang finden.“

Mit HI5 seid ihr ja auch nicht unbedingt das, was man als eine klassische Jazzformation definiert. Ihr seid stilistisch viel breiter aufgestellt. Wo liegen eure Einflüsse? 

Chris Norz: Die Einflüsse stammen schon aus verschiedenen Richtungen. Teilweise aus der klassischen Musik, aus der Minimal Music, die mit sehr gut gefällt. Auch das Kammermusikalische findet bei uns Eingang. Vor allem dahingehend, dass wir den Gesamtklang im Sinn haben und nicht so sehr das Featuren einzelner Bandmitglieder. Das kommt bei uns eher weniger vor. Ja und auch sonst gefällt uns beziehungsweise mir verschiedenste Musik. Ich selber habe ja in einer Thrash-Metal-Band begonnen. Ich habe also harte Musik gespielt. Und die gefällt mir nach wie vor gut. Popmusik hat bei uns auch immer irgendetwas zu melden. Es sind sehr viele Einflüsse, die in unsere Musik Eingang finden.

Als ihr vor fast zehn Jahren mit HI5 begonnen habt, war es für euch vorstellbar, wohin die Reise einmal gehen wird, dass ihr mit eurer Musik einmal die Welt bereisen werdet?

Chris Norz: Dass wir einmal in Mexiko, Kanada, den USA, in Japan, Indien und England spielen werden, war natürlich nicht wirklich vorauszusehen. Da hat es uns natürlich das Förderprojekt New Austrian Sound of Music sehr geholfen, das wir in den letzten beiden Jahren in Anspruch nehmen konnten. Nun gilt es für uns, daran anzuschließen. Wir haben im Frühjahr schon einige Konzerte auf dem Programm und schauen natürlich, dass im Herbst auch noch etwas hinzukommt.

Was steht neben den Konzerten mit HI5 sonst noch in nächster Zeit für dich an? Kann man mit neuen Veröffentlichungen rechnen? 

Chris Norz: HI5 feiert 2021 ja sein zehnjähriges Bestehen. Und da wäre es schon schön, könnten wir etwas Neues präsentieren. Mit Low Portion spielen Anna und ich in diesem Jahr auch einige Konzerte. Außerdem wollen auch wir etwas Neues machen. Ja, und mit Manu Delago steht auch eine Tour an. Beschäftigt bin ich also auf jeden Fall.

Herzlichen Dank für das Gespräch.

Michael Ternai

Links:
HI5
Low Potion