49. Innsbrucker Festwochen der Alten Musik 2025

Die Innsbrucker Festwochen der Alten Musik sind ein international renommiertes Festival für Originalklang
und ein Ort für Meister:innen ihres Fachs und die spannendsten aufstrebenden Talente der Szene. Seit ihrer Gründung 1976 ist Innsbruck Ausgangspunkt vieler Künstlerinnenkarrieren und weltweit eine der wichtigsten Adressen im Bereich der Alten Musik. 2023 übernahm Eva-Maria Sens als Künstlerische Direktorin gemeinsam mit Ottavio Dantone, der für fünf Jahre als Musikalischer Leiter fungiert. In dieser Zeit wird seine Accademia Bizantina, eines der weltweit renommiertesten Orchester der historischen Aufführungspraxis, als Orchester in Residence die Festwochen begleiten. Die Innsbrucker Festwochen 2025 finden vom 25. Juli bis 31. August unter der Leitfrage «Wer hält die Fäden in der Hand?» statt.

2026 feiern die Innsbrucker Festwochen ihr 50-jähriges Bestehen. Ein Jubiläum, das ihre Vorreiterstellung im Bereich der historisch informierten Aufführungspraxis unterstreicht. Seit jeher bieten sie nicht nur großen Meister:innen und renommierten Ensembles eine Bühne; auch junge, aufstrebende Künstler:innen liegen den Festwochen seit ihrer Gründung am Herzen, sind sie doch aus einer Sommerakademie heraus entstanden. In diesem Sinne weitergedacht, sind heute der Wettbewerb für Barockoperngesang „Pietro Antonio Cesti“, das Opernprojekt Barockoper:Jung sowie das neu gegründete Projekt youngbaroque richtungsweisend für den Gedanken der Förderung von jungen Künstler:innen.

Die Opern

Mit der Geschichte der Ifigenia lebt die griechische Mythologie in all ihrer Schönheit und ihren mäandernden Absurditäten auf der Festwochen-Bühne auf: Die schicksalhafte Erzählung wird in zwei Opern erzählt. Sie sind einander Vorgeschichte und Fortsetzung und haben beide Verbindungen zur österreichischen Musikgeschichte: «Ifigenia in Aulide» von Antonio Caldara und Apostolo Zeno (1718) und «Ifigenia in Tauride» von Tommaso Traetta und Marco Coltellini (1763). Ifigenia soll der Göttin Diana geopfert werden, damit die auf Aulis wegen Windstille gestrandete Flotte ihres Vaters den Kriegszug gen Troja fortsetzen kann. Ihre Opferung wird im letzten Moment verhindert, Ifigenia entführt und auf der Insel Tauris als Hohepriesterin festgehalten. Ihre unliebsame Aufgabe in diesem Reich Toantes ist es, an der Küste ankommende Fremde der Göttin Diana zu opfern. Einer dieser Fremden ist ihr Bruder Oreste, der mit seinem Freund Pilade auf der Insel landet, nachdem er seine Mutter Clitennestra getötet hat, um seinen Vater Agamemnon zu rächen. Er soll auf Tauris die Statue der Göttin Diana stehlen und so seine Seelenruhe wiederfinden, die er seit dem Mord an seiner Mutter verloren hat. Ifigenia zögert, die beiden Fremden zu opfern und setzt damit jene Handlung in Gang, die schließlich dazu führt, dass Oreste und Pilade – mit Hilfe von Ifigenias Vertrauter Dori – ihren Auftrag erfüllen und Ifigenia der Herrschaft von Toante ein Ende setzt.

Die erste Opernproduktion «Ifigenia in Aulide» von Antonio Caldara wird unter der Musikalischen Leitung von Ottavio Dantone und mit dem Orchester in Residence, der Accademia Bizantina, auf die Bühne gebracht. In dieser ersten szenischen Aufführung von Caldaras «Ifigenia» seit über 300 Jahren feiert der weltweit gefragte Countertenor Carlo Vistoli als Achille sein heißersehntes Festwochen-Debüt. Ihm zur Seite übernimmt Sopranistin Marie Lys die Titelpartie. Als Solist:innen stehen außerdem die ehemaligen Cesti-Preisträger:innen Laurence Kilsby als Ulisse, Filippo Mineccia als Teucro, Neima Fischer in der Rolle der Elisena und Giacomo Nanni als Arcade auf der Bühne. Der Cast wird durch die Mezzosopranistin Shakéd Bar als Clitennestra und den Tenor Martin Vanberg als Agamemnon vervollständigt.
In Szene gesetzt wird das «Opferdrama» der «Ifigenia in Aulide» – in der die Götter und Göttinnen die Fäden des menschlichen Schicksals ziehen – von der spanischen Kompanie PerPoc unter der Regie von Anna Fernandez, die mit einer Kombination aus Bühnen- und Puppenspiel sowie mit in barocke Ästhetik getauchten Bildern begeistern wird. Das Werk wurde 1718 am Leopoldinischen Hoftheater in Wien uraufgeführt.

Später im August wird die Geschichte der «Ifigenia» mit Tommaso Traettas «Ifigenia in Tauride» auf der Bühne des Tiroler Landestheaters fortgesetzt. Für die musikalische Umsetzung des zweiten Teils unserer Opern Fortsetzungsgeschichte konnte Christophe Rousset und sein Ensemble Les Talens Lyriques gewonnen werden, die seit ihrer Einspielung von Traettas «Antigona» (L‘Oiseau-Lyre, 2000) als Advokaten dieses wiederentdeckungswerten großen Komponisten gelten. In die Rolle der Ifigenia schlüpft hier die spanische Sopranistin Rocío Pérez, die erst kürzlich mit Roussets ‹lyrischen Talenten› in Domenico Cimarosas «L’Olimpiade» im Theater an der Wien zu erleben war. Den Oreste gibt der britische Counter Owen Willetts, während die düstere Gestalt des Toante durch den australischen Tenor Alasdair Kent verkörpert wird. Hinzu kommen die Sopranistinnen Karolina Bengtsson als Dori und Suzanne Jerosme (zuletzt bei den Festwochen 2023 in Traettas «Oratorium Rex Salomon») als deren Geliebter Pilade. Die Inszenierung obliegt der vielgefragten deutschen Regisseurin Nicola Raab. Die Oper wurde 1763 im Theater der kaiserlichen Sommerresidenz Schönbrunn basierend auf einem Libretto von Marco Coltellini und erfreute sich im ausgehenden 18. Jahrhundert großer Beliebtheit.

Premiere am Mi | 27.08.
Fr | 29.08.
jeweils 19.00 Uhr
Tiroler Landestheater, Großes Haus

Großer Beliebtheit erfreut sich jedes Jahr aufs Neue die Barockoper:Jung. 2025 bringen die Cesti- Teilnehmer:innen des Vorjahres Antonio Vivaldis Oper «Il Giustino» auf die Bühne. Die Sänger:innen haben sich 2024 beim 15. Gesangswettbewerb «Pietro Antonio Cesti» erfolgreich durchgesetzt und interpretieren das Dramma per musica in einer Inszenierung von Claudia Isabel Martin. Unter der Musikalischen Leitung von Stefano Demicheli debütieren im Rahmen der Barockoper:Jung: Maximiliano Danta, Jiayu Jin, Benedetta Zanotto, Justina Vaitkute, Sarah Hayashi, Lucija Varsic, Thoma Jaron-Wutz und Massimo Frigato.
«Il Giustino» erklang erstmals 1724 im römischen Teatro Capranica. Die Geschichte erzählt den Aufstieg des Bauern Giustino zum Kaiser: Auf dem Weg dorthin kommen ein wilder Bär, eine Entführung, ein Seeungeheuer, tatendurstige Held:innen und hinterlistig vertauschte Identitäten vor –Vivaldis Oper strotzt nur so vor fantasievollen Einfällen. Der Bauer Giustino träumt von einem aufregenden Leben, am besten mit ewig anhaltendem Ruhm. Prompt findet er sich am Kaiserlichen Hofe wieder, rettet kurzerhand Adelige aus misslichen Lagen und klettert so die Karriereleiter empor. Typisch für die damalige Opera seria basiert das Libretto auf historischen Personen und wahren Begebenheiten – so stammte der oströmische Kaiser Justin I. tatsächlich aus einer Bauernfamilie und durchlief eine erfolgreiche Militärkarriere, ehe er Kaiser Anastasios I. auf dem Thron ablöste. Die politische Handlungsebene wird dabei in barocker Manier mit zahlreichen angedichteten Liebesverwicklungen ausgeschmückt.

Premiere am So | 17.08., 16.00 Uhr
Di | 19.08., Do | 21.08., & Fr | 22.08.
jeweils 19.00 Uhr
Haus der Musik, Kammerspiele

Die Ambraser Schlosskonzerte

Die vier Ambraser Schlosskonzerte sind ein essenzieller Bestandteil der Festwochen und markieren den Beginn der Festivitäten. Dieses Jahr sind zu Gast: Giovanni Antonini, Il Giardino Armonico und Dmitry Smirnov mit einem Programm, das die „Sprezzatura“ – die Fähigkeit, anstrengende Tätigkeiten mühelos und natürlich erscheinen zu lassen – in den Mittelpunkt stellt. Das Ensemble Astrophil & Stella unter der Leitung der Traversflötistin Johanna Bartz wiederum hat ihr Programm irgendwo zwischen der Sehnsucht nach der Intimität und einem von innerer Unruhe getriebenem Wunsch nach Revolution verortet, der „Im Verborgenen“ stattfindet. Margherita Maria Sala ergründet in ihrem Konzert „Tormento & Gelosia“ gemeinsam mit dem Ensemble Locatelli die Zustände von ins Extrem getriebener Leidenschaft, während Céline Scheen und das Ensemble La Chimera unter der Leitung von Eduardo Egüez uns auf eine Reise quer durch Europa auf den Spuren des Grafen Juan de Tassis y Peralta nehmen, der „The Queen’s Lover“ der Isabella von Spanien gewesen sein soll.

Fr | 25.07. & Sa | 26.07.
Fr | 01.08. & Sa | 02.08.
jeweils 20.00 Uhr
Schloss Ambras, Spanischer Saal

Die Konzerte

Ottavio Dantone und seine Accademia Bizantina setzen ihre Reihe vokal-instrumentaler Huldigungsmusiken fort: am Mo, 11.08. wird ein Abend ganz dem unbestrittenen Meister des barocken Oratoriums gewidmet, dessen Todesjahr sich 2025 zum 300 Mal jährt: Alessandro Scarlatti. In dem Werk „Diana ed Endimione“ schlüpft Carlotta Colombo in die Rolle der Göttin der Jagd, Countertenor Paul-Antoine Bénos-Dijan in jene des Endimione. Ergänzt wird das Programm durch komische Szenen für Tenor und Bass, gesungen von Žiga Čopi und Marco Saccardin.
Zwei Tage zuvor, am Sa, 09.08. hält die Gewinnerin des Johann-Heinrich-Schmelzer-Wettbewerbs der Int. Barocktage Stift Melk, Han Sol Lee Eo die „strings“ der Violine im ersten Kapellenkonzert in der Hand. Am Abend desselben Tages spürt das Ensemble Explorations unter der Leitung von Roel Dieltiens der breiten Palette von Stimmungen in Johann Sebastian Bachs „Die Kunst der Fuge“ nach.
Dabei wird jedes Ensemblemitglied zwei Instrumente spielen – der Leiter selbst etwa Cello und Orgel – mittels derer sie die Fäden der Komposition dieses einzigartigen Werks spinnen. Am Mi, 13.08. feiern Christina Pluhar und L’Arpeggiata beim Open-Mind-Konzert Musikerinnen aller Epochen, die ihr Talent hinter dem ihres Ehemannes verstecken mussten oder ihre Karriere vorzeitig aufgaben – eine weibliche Perspektive auf die Leitfrage 2025.
Tags drauf, am Do, 14.08. spielt der Theorbist Luca Pianca in der Dämmerung im Hofgarten und lässt das Publikum an einem Dialog zwischen einem Titanen und den Grazien der griechisch-römischen Mythologie teilhaben. Eine Neu-Verortung im Innsbrucker St. Bartlmä gibt es am Fr, 15.08. mit den The Playford, die Shakespeare’s Songbook als Quelle verwenden, neu arrangiert haben und frei darüber improvisieren werden. Hier wird die Frage der Macht ganz in Shakespeares Manier musikalisch gestellt.
Im Riesensaal der Hofburg Innsbruck wird das Publikum am Sa, 16.08. wiederum in einen Zauberwald entführt, wenn Julien Chauvin mit seinem Ensemble Le Concert de la Loge, der Sopranistin Ana Vieira Leite und der Mezzosopranistin Eva Zaïcik einige der schönsten, von der Natur inspirierten Opernpartituren von Georg Friedrich Händel, Antonio Vivaldi und Nicola Antonio Porpora zum Besten geben. Ana Vieira Leite verbleibt in Innsbruck, um am Mo, 18.08. mit Concerto 1700 unter der Leitung von Daniel Pinteno ihre Stimme mit der Geige des Leiters zu vereinen. Auf dem Programm steht ein Schlüsselwerk des 18. Jahrhundert: die „Neun deutschen Arien“ von Georg Friedrich Händel.
Mit Claudio Monteverdis „Il Combattimento di Tancredi e Clorinda“ wird am Mi, 20.08. durch Michele Pasotti an der Laute und als Leiter von la fonte musica ein Komponist geehrt, der Drahtzieher so mancher musikalischen Entwicklung war. Am Sa, 23.08. dreht sich die Musik im mittäglichen Kapellenkonzert um „Solo cembalo“, das vom Gewinner des IV. Concorso Internazionale di Clavicembalo della Cittá di Milano, Kohei Takeoka, gespielt wird. Abends geht es im Spanischen Saal um Jean-Baptist Lully, wenn mit El Gran Teatro del Mundo unter der Leitung von Julio Caballero Pérez der junge Georg Philipp Telemann, Johann Caspar Ferdinand Fischer oder Georg Muffat zu Wort kommen, die sich selbst ob ihrer Bewunderung gerne als „Lullisten“ bezeichneten. Der Komponist, Geiger, Gitarrist und Tänzer am Hof des Sonnenkönigs kommt tags drauf selbst zu Wort: Les Épopées und Stéphane Fuget stellen seine und die Werke anderer französischen Komponisten in den Mittelpunkt des Konzerts. Ein Programm, das sich zwischen den schillernden Genüssen des „Grand Siécle“ und der Sehnsucht nach der Stille der Nacht bewegt. „Jesu, meine Freude“ – Johann Sebastian Bachs wohl großartigster Beitrag zur a cappella Chormusik – umgeben von Werken aus dem „Altbachischen Archiv“ wird am Di, 26.08. beim Konzert „Choral und Kontrapunkt“ im Dom zu St. Jakob von Vox Luminis unter der Leitung von Lionel Meunier dargeboten.
Am Do, 28.08. entführen Jiayu Jin – Preisträgerin des 15. Cesti-Wettbewerbs 2024 – und die Akademie für Alte Musik Berlin in einen musikalischen Salon: ganz im Erbe der halböffentlichen Salons der gehobenen Gesellschaft des 17. Jahrhunderts, die durch Diskurse, die dort geführt wurden, mehr Einfluss hatten, als so manchen Herrschenden Recht war. Für Sa, 30.08. hat Ottavio Dantone niemand geringeren als den weltweit gefeierten Countertenor Andreas Scholl zu Ottavio plus eingeladen. Auf dem Programm: Werken von Henry Purcell und Georg Friedrich Händel. Beim fulminanten Abschluss der Innsbrucker Festwochen 2025 – dem Finalkonzert des 16. Cesti-Wettbewerbs am So, 31.08. – halten hingegen die Jury und das Publikum die Fäden in der Hand. Doch natürlich haben auch die Finalist:innen des Wettbewerbs einige Macht darüber, wer den Wettbewerb erfolgreich für sich entscheiden wird.

Juli bis August
An verschiedenen Tagen & Orten

Neu: Youngbaroque meets masterclass

Beim Internationalen Jugendbarockorchesterfestival machen junge Menschen Alte Musik lebendig. Von 3. bis 6. August 2025 kommen in Innsbruck auf Alte Musik spezialisierte Jugendorchester zusammen, üben gemeinsam und treten zusammen auf. Dieses Treffen findet 2025 das zweite Mal im Rahmen der Innsbrucker Festwochen statt. Dieses Jahr wird das Abschlusskonzert gemeinsam mit den Gewinnenden der Masterclass von Anna Bonitatibus gestaltet. Diese Masterclass war ein Preis für fünf Gewinner:innen beim letztjährigen Cesti-Wettbewerb. Der Eintritt erfolgt mit einer freiwilligen Spende.

Do | 7.8., 11 Uhr
Haus der Musik Innsbruck, Kleiner Saal

Gratis Programme, Workshops & Freiluft-Konzerte

Wie jedes Jahr bieten die Festwochen ein abwechslungsreiches Programm bei freiem bzw. kostengünstigem Eintritt. Die seit vielen Jahren etablierten Lunchkonzerte und das beliebte Concerto mobile sind aus dem Festwochenprogramm ebenso wenig wegzudenken wie Musica montana und die Musik im Gottesdienst. Die beiden 2024 eingeführten Formate Hörgeschichten und Werkstattkonzert werden aufgrund der guten Resonanz weitergeführt. In Instrumentenbau-Workshops für Kinder weiht Claudia Unterkofler in die Geheimnisse des Geigenbaus ein und Benedikt Sonnleitner gibt Einblicke in die Welt des Trompetenbaus. Und natürlich darf auch das Trompetenconsort Innsbruck nicht fehlen. «Mit Pauken und Trompeten» bespielen die Musiker:innen vom Goldenen Dachl aus mit festlichen Klängen die Altstadt.

Fr | 24.07. – Fr | 31.08.
an verschiedenen Tagen & Orten

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Nähere Informationen zum Programm finden Sie unter https://www.altemusik.at/de/kalendarium