Bild (c) Jana Sabo

WAVES VIENNA CONFERENCE 2017 – „Women’s Networking“

Unter dem Schwerpunkt „Women in the Music Business“, der bereits in der letzten Auflage von WAVES VIENNA MUSIC FESTIVAL & CONFERENCE gestartet wurde, stand heuer das Panel „Women‘s Networking“. Nach Wien geladen waren erfolgreiche Frauen aus dem Musikbusiness, die über ihren Werdegang berichteten, Tipps und Anregungen gaben und internationale Mentoringprojekte präsentierten, darunter INEKE DAANS (PIAS/Großbritannien), ELISABETH FALKENSTEINER (V ARE/Österreich), ANNA LEISER (FEMDEX/Österreich), ELISE MORY (PINK NOISE/Österreich), MIRCA LOTZ (WE MAKE WAVES/Deutschland) und ANDREA ROTHAUG (ROCKCITY/Deutschland).

„Für eine Frau aber ganz gut“

Femdex, pink noise, RockCity, We Make Waves – nur einige Namen von weiblichen Projekten im immer noch männlich dominierten Musikbusiness. Im Zentrum der Diskussion standen deshalb Vertreterinnen dieser Plattformen, um Sichtbarkeit zu schaffen und den Blick auf positive Entwicklungen zu lenken. Die Protagonistinnen aus den unterschiedlichsten Bereichen waren sich schnell einig: Um Veränderungen zu bewirken, geht es vor allem darum, Netzwerke aufzuziehen und diese miteinander in Kontakt zu bringen. Kein Nebeneinander, sondern ein Miteinander. Solche Netzwerke zu bilden sind der Schlüssel zum Erfolg, um Frauen international und über herkömmliche Grenzen hinweg miteinander in Dialog treten zu lassen, Möglichkeitsräume des Austausches. Gerade durch Workshops, aber auch Diskursprogramme lässt sich die Community stärken und schafft Empowerment. Doch trotzdem müssen sich die unterschiedlichen Plattformen stets verteidigen, wieso es überhaupt Netzwerke für Frauen gibt, denn wer braucht das schon?

Bild (c) Jana Sabo

„There are not enough women to book“

Auf die Frage, was denn eigentlich der Trigger für die unterschiedlichen Initiativen war, wurde schnell klar, dass es sich dabei keineswegs um ein Big Event handelte, sondern vielmehr um viele einzelne Vorfälle aus dem Alltag, die sich über Jahre hinweg stetig wiederholten und summierten. Daraus resultierte schließlich das Gefühl, nicht gut genug zu sein, vor allem auch aufgrund der Unsichtbarkeit von weiblichen Role Models oder CEOs innerhalb des Musikbusiness und darüber hinaus. Gerade aus diesem Grund bemüht sich beispielsweise pink noise – Verein zur Förderung feministisch popkultureller Aktivitäten unter der Leitung von Elise Mory darum, diese überkommenen Strukturen auch in der Praxis zu überwinden, wie etwa durch das jährliche Girls Rock Camp. Mädchen oder musikbegeisterte Jugendliche sollen im Zuge dessen dazu ermuntert werden, in einer Band zu spielen und sich selbstsicher auf der Bühne zu bewegen, durch eine gemeinsame Projektentwicklung auch männlich konnotierte Bandstrukturen zu hinterfragen und sich selbst auch mal ans Schlagzeug zu setzen.

„Music has always been a tool of empowerment for the most disadvantaged members of society, whether overtly political or not, song is a symbol of hope and freedom“, lautet ein Auszug des Konzepts von We Make Waves, einem Showcase-Festival und einer Konferenz für Frauen und nonbinäre Identitäten innerhalb der Musikindustrie, das im November 2017 seine erste Auflage in Berlin präsentierte, ist ein weiteres Beispiel für aktive Veränderung. Dabei geht es in erster Linie um die Vernetzung, um einen Diskursraum und um Mentoring.

Fakt ist jedoch, dass das zeitgenössische Musikbusiness in vielen Aspekten immer noch von strukturellen Sexismus durchwachsen ist, was sich gerade im Club-, und Veranstaltungsbereich zeigt. Standardausreden treffen dabei auf durchlöcherte Statements für nicht vorhandene Problematiken wie etwa „There are not enough women to book“. Diese klassische Selbstverteidigung von Bookern, Veranstaltern und Labelchefs, dass es nicht genug Frauen oder DJanes, die man für die unterschiedlichen Genres buchen könnte, gibt, zeigt ein anderes Bild, als es bereits in der Realität der Fall ist, sei es aus Ignoranz oder Respektlosigkeit. Gerade durch Plattformen wie Femdex und female:pressure lässt sich das Gegenteil inzwischen in Form einer Datenbank und einer konkreten Grafik untermauern. Es ist somit längst Zeit, sich eine neue Ausrede zu überlegen.

Ada Karlbauer

Links:
Waves Vienna Festival and Conference