Uraufführung Melancholia von Georg Friedrich Haas in Paris

Am 9. Juni 2008 findet in der Opéra National de Paris die Uraufführung der Oper Melancholia von Georg Friedrich Haas statt. Haas ist derzeit einer der erfolgreichsten Komponisten Österreichs. Bei Wien modern 2007 stand sein kompositorisches Schaffen im Mittelpunkt, im selben Jahr erhielt er den großen österreichischen Staatspreis.

Aufgewachsen ist Haas in Vorarlberg, wo er mit den Opern “Nacht” (1996) und “Die schöne Wunde” (2003) bei den Bregenzer Festspielen seine ersten internationalen Erfolge feiern konnte. Zurzeit lebt er in Basel, wo er an der Musikhochschule eine Kompositionsklasse leitet.
Haas’ dritte Oper Melancholia basiert auf dem 1995/96 erschienen Roman Melancholie des norwegischen Schriftstellers Jon Fosse, der auch das Libretto geschrieben hat. Hans Landesmann, der die Verbindung zwischen Fosse und Haas erkannte, hat die beiden zusammengebracht.

Die Oper befasst sich mit dem norwegischen Landschaftsmaler Lars Hertervig. Er wurde am 16. Februar 1830 auf Borg?y geboren und übersiedelte 1852 nach Düsseldorf, um dort an der Kunstakademie bei Hans Fredrik Gude zu studieren. Das Libretto der dreiteiligen Oper greift einen einzigen Tag im Spätherbst des Jahres 1853 auf. Hertervig hat sich in Helene Winckelmann, die Nichte seines Vermieters verliebt, der ihn deswegen hinauswirft. Helene stellt sich auf die Seite ihres Onkels, Lars ist eifersüchtig. Seine Studienkollegen konfrontieren bei seinem Besuch im “Malkasten”, dem Stammlokal des 1848 gegründeten Düsseldorfer Kunstvereins mit ihren sadistischen Scherzen. Schließlich gerät er in die Gewalt der Polizei, welche die bürgerlichen Anstandsvorstellungen des Vermieters durchsetzen soll.

Hertervig verliert aufgrund dieser Erlebnisse schließlich den Kontakt zur Wirklichkeit und zieht sich in eine Welt der Melancholie zurück. Er kommt in Christiana in die Irrenanstalt. Anschließend an diesen Aufenthalt entstehen jene Landschaftsbilder, mit denen er seinen hervorragenden Ruf als Maler des 19. Jahrhunderts erringen konnte.

Jon Fosses Roman schien sich sozusagen für eine Vertonung geradezu aufzudrängen. Durch den virtuosen literarischen Umgang mit Themen, Motiven, Wiederholungen, Variationen und Pausen, sorgte der Autor dafür, dass die Rezensenten allerorten den Vergleich des Romans mit Musik heraufbeschworen.

Georg Friedrich Haas beschreibt die Faszination von Hertervigs Bildern und seinen musikalischen Zugang so: “Es ist eine spirituelle, lyrische Welt, ein geradezu beängstigender Fotorealismus, aber diese Bilder haben eine Traurigkeit, eine metaphorische Angst und gleichzeitig auch ein Licht, das man nicht konkretisieren kann, das mit einer transzendentalen Hoffnung zu tun hat. Das habe ich auch musikalisch versucht einzufangen”.
Bei der Uraufführung dirigiert Emilio Pomàrico das Klangforum Wien und das Vokalensemble Nova, Regie führt Stanislas Nordey. In den Hauptrollen singen Otto Katzameier – Lars und Melanie Walz – Helene; weitere Rollen: Johannes Schmidt – Herr Winckelmann; Ruth Weber – Frau Winckelmann; Daniel Gloger – Alfred; Annette Elster – Kellnerin; Martyn Hill – Bodom.(sr)

Weitere Aufführungen:

Palais Garnier, Paris/F: 12., 15., 18. 22., 24. und 27. Juni

Stavanger/N, Oslo/N und Bergen/N geplant (Stavanger – Europäische Kulturhauptstadt 2008: 12. und 14. Sep. 2008; Oslo – Den Norske Opera, Ultima Festival: 1., 3., 5. und 10. Okt. 2008; Bergen – Den Nye Opera: 12. und 14. Feb. 2009; die norwegische Den Nye Opera ist Ko-Auftraggeber)

Die österreichische Erstaufführung erfolgt als Koproduktion mit der Oper Graz am 24. und 25. Okt. 2008 beim steirischen herbst.

Foto Georg Friedrich Haas © Eric Marinitsch/Universal Edition