Tini Trampler (c) Rafaela Pröll

TINI TRAMPLER UND DAS DRECKIGE ORCHESTRA – „Delphine“

TINI TRAMPLER, die sich in den letzten Jahren vor allem mit den PLAYBACKDOLLS einen Namen machen konnte, erweckt nun mit dem Anfang Oktober erschienenen Album „Delphine“ (Preiser Records) ihre einstige DRECKIGE COMBO als TINI TRAMPLER UND DAS DRECKIGE ORCHESTRA wieder zum Leben. Und das auf eine mitreißende Art.

Es ist ein Soundtrack eines weit entfernten imaginären Landes, in dem von den Menschen die vielen musikalischen Traditionen der ganzen Welt gepflegt und miteinander verwoben werden. So etwas wie eine stilistische Benennung der Musik findet dort nicht statt, die an diesem Ort zum Erklingen gebrachte Folklore ist eine der unzähligen Dialekte, Epochen und klanglichen Ausschmückungen. Tini Trampler und das dreckige Orchestra verwirklichen auf „Delphine“ eine Art musikalischer Utopie. Die Grenzen zwischen den verschiedenen Spielformen sind in ihren Stücken einfach aufgehoben, obsolet und vernachlässigbar, sie werden einfach überschritten, kunstvoll, stilvoll, in aller Offenheit und mit jedem kreativen Geist.

Das dreckige Orchestra (c) Rafaela Pröll
Das dreckige Orchestra (c) Rafaela Pröll

Eine musikalische Reise rund um den Globus und durch die Zeit

Die charismatische Sängerin mit der rauen Stimme und ihr Ensemble bestehend aus Jakob Kovacic (Schlagzeug), Tino Klissenbauer (Akkordeon), Florian Wagner (Gitarre), Stephan Sperlich (Theremin, Synthesizer), Lina Neuner (Kontrabass), Bernhard Rabitsch (Trompete) und David Strobl (Perkussion) öffnen auf „Delphine“ die Tore zu einem neuen, ganz eigenen Klang, dessen Hauptmerkmal vor allem seine immense Vielfalt ist. Lauscht man sich durch die insgesamt 14 Nummern, ist es fast so, als begäbe man sich auf eine Reise rund um den Globus und durch die Zeit. Man startet in Berlin der 1920er im Chanson und wandert von dort zu den Melodien der mexikanischen Volksmusik. Dazwischen macht man halt im traditionellen Klang Ost- und Südeuropas, im Klezmer, im Jazzigen, im psychedelisch angehauchten, kunstvollen Rock, im anspruchsvollen Pop, im Wienerlied, im Blues und Tango und, und, und.

Bei einer so großen Zahl an Einflüssen kann es natürlich sein, dass man sich verliert, zu viel will und dazu neigt, die Dinge zu überladen. Bei Tini Trampler und das dreckige Orchestra passiert das nicht. Den Beteiligten gelingt es in wirklich fesselnder Weise, die Linie zu halten und aus diesem Verschiedenen etwas sehr Stimmiges und Spannungsgeladenes zu formen. Sie lassen Stücke entstehen, die genauso in schönster Melancholie schunkeln, wie auch elegant das Tanzbein schwingen lassen, denen etwas Geheimnisvolles und auch ein stets Augenzwinkern inne ist.

Tini Trampler und das dreckige Orchestra brennen auf „Delphine“ ein musikalisches Feuerwerk ab, das in den buntesten emotionalen Farben leuchtet. Das Album ist voller Charme, Gefühl und Witz und bereitet den Zuhörenden wirklich viel Freude. Ein wirklich schönes und gelungenes Comeback.

Michael Ternai

Tini Trampler & das dreckige Orchestra live
15.12. Schutzhaus Zukunft, Wien

Links:
Tini Trampler und das dreckige Orchestra
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