
Was lässt sich über ein Album sagen, dass sich in der Frage des Gesamtsounds so wirklich gar nicht in eine bestimmte Schublade hineinstecken lässt. Mit „Rock’n Roll“ macht der Akkordeonist und Wienerlied-Veteran Stefan Sterzinger seinem Ruf, einer der eigenwilligsten Vertreter der Wiener Musikszene zu sein, auf jeden Fall einmal mehr alle Ehre. Irgendwelche Berührungsängste zu unterschiedlichen Stilen und Spielformen, hat der heute 53jährige Akkordeonist, der mit seiner Band Franz Franz & The Melody Boys bereits in den achtziger Jahren für Furore sorgen konnte, ja noch nie wirklich gezeigt. Wie der Akkordeonist und Sänger aber bei Sterzinger Experience an die Sache herangeht, ist ganz große Crossover-Kunst.
Sterzinger Experience – Folsom Prison Blues by mica
Der Wiener versteht es auf höchst eindrucksvolle Art und Weise, aus dem Sammelsurium an Stilen und Spielformen (Schrammelmusik, Pop, Country, Blues und Jazz) einen ungemein eigenständigen, vielschichtigen, gleichzeitig auch sehr gefälligen, fast schon leichtfüßigen, ja schwungvollen wirkenden Gesamtsound zu formen. Welches Etikett man den insgesamt zwölf Liedern nun umhängt, ist im Grunde genommen sowieso nebensächlich. Was zählt ist, dass es schlicht und einfach großen Spaß macht, sich durch das „Rock’n Roll“, welches am 2. März im Wiener Theater Akzent im Rahmen des diesjährigen Akkordeon Festivals präsentiert wird, zu hören. In seinen Texten gibt sich Stefan Sterzinger ganz in der Tradition eines Artmanns, Qualtingers und Nestroys von seiner spitzen und ironischen Seite.
Auf „Rock’n Roll“ spannt der Wiener Akkordeonist gekonnt einen Bogen zwischen der Tradition und der Gegenwart, zwischen dem Heurigenstammtisch und der Clubbühne, zwischen Anspruch und Ohrwurmmelodien, ohne dabei aber Gefahr zu laufen, sich in der Klischeehaftigkeit zu verlieren. Ein ganz starkes Stück Musik. (mt)