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Nach der Lobby ist vor der Lobby – DER VCC BLOG

Ist mit 100% Fixkostenzuschuss alles gut? Und was soll man mit den Clubs machen, die Covid-19-Auflagen recht kreativ interpretieren?

Endlich. Endlich. Eeeeeendlich. Vor 16 Wochen haben wir 100% Fixkostenzuschuss gefordert. Endlich ist er da. Damit hat die Clubszene eine Chance zu überleben. Dass es dazu kam, ist vielen Leuten zu verdanken. Allen voran der Szene selbst, die sich einig war, es braucht diese Maßnahme. Das hat sich klar in unseren Fokusgruppen gezeigt. Wir haben das weitergetragen – sowohl in Interviews, in Hintergrundgesprächen, bei runden Tischen mit dem Kabinett von Minister Anschober und nicht zuletzt in einer Pressekonferenz. Die Vienna Club Commission war dabei ein Verstärker. Rumort hat es sowieso gehörig. Wir haben die Anliegen der Szene in ein Paper gegossen, sie an die Politik weitergetragen und ad nauseam wiederholt. Viele Menschen in der Szene haben das mindestens so laut gemacht. Bis zum Beschluss hat es länger gedauert, als uns allen lieb war.

Am Ende war dieser Prozess gut. Involviert waren Pressesprecher*innen, Nachtgastronomen*innen, Kulturschaffende, Veranstalter*innen, Interessenvertretungen und nicht zuletzt die Politik. Darunter waren auch Blindgänger, die etwa ihre App verhökern, Clubs um jeden Preis öffnen oder sich selbst am nächsten sein wollten. Und ja, wer auch immer sich angesprochen fühlt, darf sich zu ein wenig Selbsterkenntnis gratulieren. Der größte Teil dieser Menschen war allerdings intensiv bemüht, Lösungen zu finden. Auf dem bauen wir auf.

Denn nach der Lobby ist vor der Lobby. 100% Fixkostenzuschuss werden leider nicht reichen. Der gilt nämlich aller Voraussicht erst ab September und nicht rückwirkend. Auch zur Wienwahl wird sich wohl etwas tun, vor der Wahl, in Verhandlungen und weit darüber hinaus. Das Gesprächsklima ist sehr gut, das Bewusstsein klar vorhanden, dass Clubkultur durch Covid-19 stärker getroffen wird als alle anderen Szenen. Das Jahr war katastrophal, keine Frage, immerhin sollte es die Szene enger zusammenschweißen. Bei allem Ärger über späte und ungenügende Pakete hilft es selbstverständlich, wenn viele Leute mit einer Stimme sprechen. (Stefan Niederwieser)

Alkohol, Straße, Sucht

Vernetzung ist ein Hauptbestandteil unserer aktuellen Arbeit. Dazu gehören natürlich MA 36 oder IGKW, aber auch Sucht- und Drogenkoordination Wien (SDW) oder der Leiter der Einsatzgruppe gegen Straßenkriminalität (EGS). Letzteres Treffen war besonders spannend. Prinzipiell lässt sich sagen, dass Clubs nur selten Zielscheibe für Einsätze gegen die Suchtkriminalität sind. Dies kommt daher, dass sich Probleme durch Suchtmittel in Clubs in Grenzen halten. Außerdem haben Betreiber*innen mitsamt Personal noch Methoden geschaffen, wie sie ohne polizeiliche Hilfe etwas tun können. Wien hätte im Vergleich zu anderen Städten weniger gravierende Probleme zu verzeichnen. Dies ist zuletzt auch der Prävention durch SDW sowie 60 Streetworker*innen zu verdanken.

Allerdings beschränkt sich die Arbeit der SDW nicht nur auf illegale Suchtmittel. Ich zitiere aus dem Treffen: „Österreich hat ein Alkoholproblem!” Es gilt also auch für unsere Branche Methoden zu entwickeln, um präventiv eingreifen zu können. (Laurent Koepp)

Weiße, graue, schwarze Schafe

Natürlich bekommen wir mit, wenn Open Airs mit dicken Soundsystemen stattfinden oder in Bars und Clubs gefeiert wird. Manche nutzen Graubereiche kreativ aus, anderes ist illegal und gefährdet den Ruf der Szene – wenn es nämlich zu Infektionen kommen sollte.

Erlaubt sind seit 01.08.2020 Indoor-Veranstaltungen mit bis zu 200 Stehplätzen. Die Verordnung schreibt vor, dass dabei ein Abstand von einem Meter (zu Personen, die nicht im selben Haushalt leben) einzuhalten als auch ein Mund- und Nasenschutz zu tragen ist.

Wir wollen nun Lösungen finden, die allen Locations helfen. Darunter fallen der 100% Fixkostenzuschuss, Konditionen für eine reguläre Öffnung, Erleichterungen von Genehmigungen uvm. Wir möchten auch nochmals eindringlich appellieren, dass Clubs solidarisch sind. Wir werden einzelne schwarze Schafe jedenfalls nicht anschwärzen und schon gar nicht anzeigen. Um Vorschriften zu exekutieren, gibt es immerhin eine ganze Reihe anderer Organisationen wie etwa Polizei, Gruppe für Sofortmaßnahmen oder Permanenzdienst.

In diesem Sinne: one nation under a groove & wash your hands. (Martina Brunner)

Im VCC Blog berichtet die Vienna Club Commission wöchentlich über ihre Arbeit, die damit nachvollziehbarer werden soll. Mehr zu den Aufgaben und Arbeit des Pilotprojekts, das durch mica – music austria koordiniert und durch die Stadt Wien Kultur finanziert wird, findet sich hier