mica-Interview mit !DelaDap

Mit ihren mittlerweile drei Alben und zahlreichen Live-Auftritten im In- und Ausland haben !DelaDap die Musik der Roma in einem modernen und zeitgemäßen Licht erstrahlen lassen. In ihrem Sound haben elektronische Musik, Jazz, Salonmusik und indischer Banghra ebenso Platz gefunden, wie die Musik ihrer Väter und Großväter. Im Interview stellt !DelaDap-Mastermind Stani Vana das Projekt vor. Das Interview führte Michael Masen.  

Gibt es ein bestimmtes Thema, das dir für dieses Interview besonders am Herzen liegt?

Aktuell haben wir ja gerade das neue Album, Sara La Kali, draußen, das ich hier ganz gerne erwähnen möchte. Die Produktion hat wunderbare sechs Monate gedauert, wirklich ein Raketentempo. Ich bin damit wirklich äußerst zufrieden, was jedoch nicht bedeuten soll, dass ich mit den Vorgänger-Alben weniger zufrieden gewesen wäre. Mit Sara La Kali haben wir aber, so glaube ich, all das eingelöst, was wir bei den ersten beiden Veröffentlichungen mühsam zusammen gefügt haben. Jetzt, drei Monate nach dem Release, bin ich jedenfalls immer noch sehr zufrieden mit dem Sound – und die Reaktionen das Album betreffend geben mir hier auch recht.

Du hast auch dieses Album selbst produziert, nehme ich an.

Ja, ich habe es selbst produziert, so wie auch die beiden vorhergehenden !DelaDap-Releases. Ich bin sozusagen Produzent, Bandleader und Chef in Personalunion.

Stichwort “Bandleader” – heißt das, du bist alleine für das Songwriting verantwortlich?

Nein, das ist durchaus sehr verschieden. Beim ersten Album sind die Songs wirklich hier im Studio entstanden. Tibor Barkoczy, der Pianist von !DelaDap, hat die Stücke damals mit mir gemeinsam geschrieben und Melinda Stoika hat sämtliche Songs gesungen. Dabei hat es sich eher um Konstruktionen gehandelt. Das nachfolgende zweite Album ist uns im Vergleich zum ersten schon eher ein wenig flockiger von der Hand gegangen, weil wir nach dem Debut bereits ziemlich viel live gespielt hatten und uns auch viel Zeit zur Verfügung gestanden ist, beispielsweise in Hotels oder beim Soundcheck vor den Auftritten, diverse Sachen auszuprobieren. Teilweise habe ich da wirklich in die Trickkiste gegriffen, habe Sachen mit dem Telefon aufgenommen, um Ideen zu sammeln, oder mit irgendeinem kleinen Mikro, wenn eben gerade eines zur Hand war. Später wurden diese Ideen dann ausgearbeitet und sind ins Album eingeflossen.

Beim dritten Album schließlich ist die Arbeit schon sehr dynamisch abgelaufen. Die Songs sind teilweise auch beim Proben, wie man das eben so kennt, entstanden. Eine Besonderheit ist auch, dass ich bis auf einen Song, keinen einzigen alleine geschrieben habe. Es gab stets eine Zusammenarbeit zwischen mir und den Musikern, die sich schon wirklich äußerst motiviert in die Arbeit geworfen haben. Obwohl ich ansonsten zwar ein sehr großer Freund von parlamentarischer Demokratie bin, habe ich mir aber das Recht genommen, alleine die letztendliche Entscheidungsmacht für mich zu beanspruchen.

Genau wie beim Auto fahren ist es auch bei einem Projekt wie !DelaDap so, dass eben nur einer das Lenkrad halten kann. Und ich habe durch das uneingeschränkte Vertrauen der Leute die Möglichkeit, alles alleine zu produzieren. Alles, was den Sound und dessen Definition betrifft, steht alleine mir zu. Das soll aber nicht heißen, dass ich nicht zuhöre, wenn jemand Vorschläge einzubringen hat. Ich glaube, meine Kunst ist es, immer ein offenes Ohr für die Musiker und ihre Ansichten zu haben.

Hast du eine bestimmte Methode gefunden, mit der du an die Komposition heran gehst?

Wir arbeiten schon sehr zeitgemäß und modern, würde ich jetzt einmal sagen, obwohl mir das Wort “arbeiten” nicht so wirklich gefällt. Generell ist die Arbeitsweise von !DelaDap, also meine Arbeitsweise, so, dass ein Album entsteht, davon dann Songs ausgekoppelt werden, Maxi-Singles, die in einem weiteren Schritt an unsere Freunde bzw. Leute unseres Vertrauens zum Remixen weiter geschickt werden.

Es entsteht dann eine Kette von Songs, die für verschiedene Zielgruppen gemacht sind. Das klingt jetzt vielleicht zu sehr nach Marketing, aber tatsächlich läuft das eben so ab. Dieser Club, diese Leute bevorzugen eher diesen Sound, ein anderer hingegen wieder jenen. Dann spielt noch die Zeit, in der die Musik gespielt wird eine Rolle, usw. Wir versuchen, die Songs auf verschiedene Arten leben zu lassen, eben durch diese Remixe. Hinzu kommt schließlich noch die Live-Produktion, die genau genommen ebenso aufwendig ist, wie jene für die Platte. Die Stücke müssen hier eben an den Livebetrieb angepasst werden. Da kommen dann manche Feinheiten weg, die beispielsweise im Wohnzimmer ganz gut ankommen – generell ist es so, dass für die Live-Darbietungen alles eher vereinfacht wird. Die Abläufe werden aber ebenso kontrolliert wie für das Album, so dass es sich dabei wirklich schon um eine eigenständige Produktion handelt, die auch sehr von dieser Remix-Ästhetik lebt.

Es ist alles sehr homogen. Dazu kommt noch, dass wir mit Deladap einmal im Monat im Klub OST den !DelaDap-Klub veranstalten, wo wir auch sehr viel mit diversen Gästen arbeiten. Hier spielen dann Musiker von !DelaDap gemeinsam mit den Leuten, die wir eingeladen haben, oder ich als DJ studiere mit einem Gast ein Programm ein, das dann auch in die Live-Darbietung mit einfließt. Dieses !DelaDap-Konglomerat, wenn ich das so sagen darf, hat schon sehr viele Ecken und viele Räume, die sich gegenseitig öffnen lassen und sich auch gegenseitig befruchten. Es hat sich da wirklich eine sehr spannende Geschichte entwickelt.

Gerade hast du auch angesprochen, dass die Stücke an die Live-Situation angepasst werden. Wird hier alles bis ins kleinste Detail festgelegt, oder auch schon mal Raum für Improvisationen gelassen?

Es ist ja so, dass wir live ohne Schlagzeuger arbeiten – das sind alles Beats, also DJ- oder Disco-Ästhetik. Trotzdem wird durch die Technik aber alles sehr offen gehalten. Es ist kein Problem, die Songs akustisch zu spielen, da die Musiker von !DelaDap allesamt wirklich exzellente Instrumentalisten sind. Ich darf sie vielleicht kurz vorstellen: Aleksander Stoijic – Gitarre, Jovan Torbica – Double Bass, Alen Dzambic – Akkordeon, Pavel Shalman – Violine, Simona Senkiova – Vocals und Kristina Gunarova – ebenfalls Vocals. Und ich selbst bin sozusagen DJ by night und Produzent by day.

Es ist also überhaupt kein Problem, mal einen Song komplett akustisch zu spielen oder ihn dynamisch zu verändern. Ich arbeite, und das habe ich mittlerweile auch ganz gut im Griff, mit Tools, die es uns ermöglichen, auf der Bühne sehr interaktiv zu agieren. Das funktioniert nicht nach dem “Stop and Play – lets go”-Prinzip, sondern es sind wirkliche Songs, die eben auch als solche funktionieren. Somit ist auch ein gewisses Maß an Interaktion gegeben. Es bleibt sehr viel Raum für Improvisation – und damit natürlich auch für Fehler.

 
Was die Musik aber auch lebendiger wirken lässt.

Klar. Natürlich ist die Angst auch immer dabei – läuft es, läuft es nicht? Und wenn es läuft, ist die Freude freilich da und das wird auch vom Publikum so geschätzt.

Gerade vorher hast du auch die mitwirkenden Musiker vorgestellt. Spielt ihr schon von Beginn an in dieser Konstellation?

Nein, es war ein langer Weg, dahin zu kommen, wo wir jetzt stehen. Das ganze Projekt ist ursprünglich ja nach meinen Erfahrungen mit indischen Sounds entstanden. Lange Zeit habe ich auch mit Hans Kulisch an einem Projekt namens “Indian Massala Mix” gearbeitet. Dabei ging es darum, diese ultrakitschigen Bollywood-Sounds einigermaßen in die Clubs rein zu bringen, was für mich musikalisch wirklich extrem bereichernd war. Ich habe dabei sehr viel gelernt – nicht nur, was produktionstechnische Angelegenheiten betrifft, sondern ich habe für mich eine Tür geöffnet, wo es auch um andere Sounds ging und nicht bloß um den damals sehr gehypten “Wiener Sound”.

Vielmehr ging es dabei um Instrumente, von denen ich bis dahin nicht einmal wusste, wie man sie ausspricht. Dann habe ich begonnen, diese zu sampeln und produktionsfähig zu machen. Das war alles sehr spannend und genau so habe ich mir anfangs auch !DelaDap vorgestellt. Ich habe eigentlich gedacht, ich würde im Studio herum sitzen und schauen, dass ich den Gypsy-Sound irgendwie in die Clubs hinein bringe. Letzten Endes hat sich aber schließlich etwas ganz Anderes daraus entwickelt. Die ersten Songs waren derart vielversprechend, dass ich wirklich überwältigt war von der Musikalität und dem Groove. Dasselbe habe ich als Kind aus dem Eck der traditionellen Musik wahrgenommen. Als ich fünf oder sechs Jahre alt war gab es diesen Begriff “World Music” ja noch gar nicht – das hat sich erst später etabliert, Ende der Siebziger, Anfang der Achtziger. Vor allem war das auch alles sehr afrikanisch belegt.

Für mich war das einfach der Anstoß, zu überlegen, wie man so was auf die Bühne bringen könnte. Und glaub mir, das war sehr schwierig. Vor allem die Musiker, mit denen ich zusammen gearbeitet habe, vornehmlich Jazz-Musiker, waren es nicht gewohnt, mit einem Sequencer zu arbeiten. Ich war jedenfalls äußerst strukturiert unterwegs – das ist einfach meine Produktionsweise -, wodurch insgesamt ungefähr 25 bis 30 Musiker im Laufe der Zeit die !DelaDap-Türschwelle passiert haben. Seit über einem Jahr gibt es jetzt aber bereits eine fixe Besetzung. Die ersten Leute dieser Besetzung spielen jedoch schon länger bei mir mit. Alexander Stoisits beispielsweise ist schon seit fünf oder sechs Jahren mit dabei. Das war gleich der zweite Gitarrist, den ich ausprobiert habe und er ist mittlerweile ein extrem wichtiger Grundstein der Band.

Ich habe also schon wirklich mit vielen Leuten zusammengearbeitet, wobei dann noch hinzu kommt, dass bei !DelaDap auch immer viele Gäste mitwirken. Auf jedem Album findest du eine große Anzahl an Leuten, die nur eben mal für eine Aufnahme vorbei kommen, sich am Songwriting beteiligen, etwas einspielen oder auch singen. Der Pool an Musikern, die sich an !DelaDap beteiligt haben und das immer noch tun, ist schon sehr umfangreich – wenn ich die jetzt alle aufzuzählen hätte, müsste ich erstmal nachschauen. Beim letzten Album haben beispielsweise, außer den fixen !DelaDap-Mitgliedern, zehn Musiker mitgewirkt. Darauf bin ich auch sehr stolz, weil sich dadurch viele Möglichkeiten bieten und diese Leute mit dem, was sie machen, wirklich zu den Besten gehören.

Nach welchen Kriterien werden die Gastmusiker ausgewählt?

Dadurch, dass es !DelaDap nun doch schon eine Zeit lang gibt, wir auch viel unterwegs sind und auch unser Ruf einigermaßen gut ist, trauen sich die Leute, einfach auf uns zu zu kommen und zu fragen, ob sie mal mit uns was probieren können. Auf der anderen Seite suchen wir aber natürlich auch gezielt. Wenn ich ein bestimmtes Instrument oder eine Stimme einbauen will, überlege ich, wer dafür in Frage kommen würde, und die jeweilige Person versuche ich dann für eine Zusammenarbeit zu gewinnen.

Einmal sind wir beispielsweise irgendwo Backstage herum gesessen, da hat Titus Vadon (Russkaja) einfach mal gefragt, wann er denn mit uns jetzt endlich mal was aufnehmen könnte, worauf ich einfach entgegnet habe, “ok, machen wir dann in drei Wochen”. Es ist schon sehr spannend, wenn du die Möglichkeit hast, mit Leuten, die du kennst und deren Arbeit du sehr schätzt, einfach mal so zusammen zu arbeiten.

Auch bei dieser Maxi-Singles-Produktion, wo es um Remixe geht, lernt man ebenfalls immer ganz einfach neue Leute kennen. Seit zwei oder drei Monaten habe ich jetzt Kontakt mit Massivan, der in der Nähe von Ibiza lebt und so Downtempo Tracks kreiert. Mit dem habe ich jetzt zwei Songs aufgenommen, einfach, indem wir die Sachen immer wieder per E-Mail oder Skype hin und her geschickt haben. Und über den !DalaDap-Club lernen wir natürlich auch immer wieder Musiker kennen – das ist halt ein Pool an Leuten, ein Netzwerk, die gemeinsame Vorlieben haben.

Zusammen mit eurem letzten Album ist ja auch eine DVD erschienen. Ist so was nun in Folge der aktuellen Veröffentlichung wieder geplant?

Das ist natürlich auch eine Produktionsfrage. Beim vorletzten Album ist die DVD deshalb dazu gekommen, weil sich zwei Filmproduzenten angeboten hatten, !DelaDap auf Tour zu begleiten, womit dann schon genügend Material vorhanden war. Jetzt sind wir aber von dem Mix CD / DVD wieder abgerückt. Wir werden schauen, dass wir dazu einen Club machen und die Musik auf diese Weise visualisieren. Das Material, das wir momentan haben, reicht einfach nicht für eine Doku und extra so was zu produzieren ist nicht geplant.

Ich glaube auch, die Kräfte sollte man sich sparen und stattdessen für diverse Internet-Plattformen, Youtube oder Myspace, halt ein kleines Video machen oder dort passende Konzertmitschnitte anbieten. Auf MTV kommt jemand in unserer Größe ja sowieso nicht und alles andere macht nicht viel Sinn. Für so große Produktionen ist einfach kein Geld übrig.

 
In Sachen Promotion setzt ihr also lieber auf Mundpropaganda?

Genau. Das ist immer noch das Beste, was man machen kann. Ich habe über die Jahre überhaupt heraus gefunden, dass du die Stadt mit Plakaten zutapezieren kannst, soviel du willst – solange die Leute nicht von Mund zu Mund weiter geben, dass das, was du machst gut ist, bringt das gar nichts. Mundpropaganda ist für das was wir machen also nach wie vor die beste Werbung. Aber auch dieser Video-Austausch bringt was. Letztes Jahr beispielsweise, als wir nach dem Balaton Sound Festival mit dem Auto über Serbien und Mazedonien nach Griechenland gefahren sind – was übrigens ein Höllentrip war – habe ich einfach mit meiner Chipkamera was mitgeschnitten, mit Musik unterlegt und unter die Leute gebracht. Solange das witzig ist, verbreitet sich so was dann auch ziemlich rasch und sehr dynamisch.

Irgendwann wird sich das sicher wieder mal ändern, aber gerade jetzt haben wir eben dieses mediale Internet-Ding so wie es ist und das sollte man auch nutzen, wenn es sich schon anbietet. Genauso, wie vor 100 oder 200 Jahren mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln musiziert wurde, sollten wir das auch machen. Die hatten eben bloß ihre Hände, Gitarren und Pianos zur Verfügung, wir hingegen auch Sequencer und Sampler und derlei elektronische Möglichkeiten. Und ich denke, das sollte man auch ausnutzen.

Sollte irgendwann einmal mehr Geld im Topf sein für eine andere Produktion, dann müssen wir genau überlegen, was wir damit machen, aber im Augenblick konzentrieren wir uns darauf, den Weg nach England und die USA ins Auge zu fassen. Gerade da kommt man aber an Promo-Agenturen nicht vorbei und wir arbeiten mit sehr wenig Budget. Ich will das jetzt auch gar nicht irgendwie bejammern – mein Budget ist klar definierbar. Zwar nicht in einem Rahmen, wie ihn beispielsweise Madonna zur Verfügung hat, aber es ist schon was da, mit dem wir arbeiten können und das machen wir auch.

Du hast ja bereits auch erwähnt, dass du euer aktuelles Album für perfekt hältst. Wie glaubst du, könnte man da, im Hinblick auf ein Nachfolge-Album, noch was drauf setzen?

Wenn ich das wüsste, wäre ich wohl ein reicher Mann. Das erste Album ist wirklich sehr gut bei den Leuten angekommen, das war etwas Neues und sehr erfrischend. Bei der zweiten Veröffentlichung dann haben viele diesen elektronischen Touch vermisst, andere wiederum haben sich über den lebendigeren Sound gefreut. Viele werden sicher meinen, dass sich vom Sound her was verändert hat, ansonsten aber alles gleich geblieben ist. Ich spüre aber die Veränderung. Allerdings will ich auch nicht irgendwie herum experimentieren; ich bin jetzt 45 und habe sehr viel ausprobiert und auch eine Vorliebe und ein Gefühl für einen Sound, den ich auch noch weiter entwickeln will, aber ich fange deshalb nicht zu laufen an. Ich setze die Schritte, die ich für wichtig erachte und auf eben diesem Weg wird sich auch die vierte Produktion entwickeln.

Wenn ich Zeit hätte, so würde ich mich auch gleich jetzt hinsetzen und anfangen zu produzieren. Erst neulich habe ich gezählt, dass ich über 30 Songs habe, die ich gerne fertig machen würde. Auch vom dritten Album sind sehr viele Stücke noch nicht beendet worden.

Inzwischen haben wir auch neue Songs geschrieben, von denen ich behaupten kann, dass sie sehr viel Potential haben. Ich bin jetzt in einer Situation, wo ich sehr viel Material zur Verfügung habe, an dem ich wirklich herum tüfteln kann. Ich bin fest davon überzeugt, dass die vierte Produktion auch nicht die Revolution in Sachen !DelaDap werden wird, aber wir werden sicher noch mal stärker in die Tiefe gehen, mehr Sachen ausloten, die jetzt schon in Ansätzen vorhanden sind und ich glaube, damit auch niemanden enttäuschen – im Gegenteil, hoffentlich sogar ein paar Leute mehr für unsere Musik gewinnen.

Vereinfacht auf den Punkt gebracht, kann ich sagen, wir alle bei !DelaDap wissen schon, was uns Spaß macht und was wir gut können. Das ist auch sehr wichtig, dass man sich seiner eigenen Stärken bewusst ist und ich bin fest davon überzeugt, dass es ein Riesenspaß wird, das vierte Album zu machen.

Zudem stehen jetzt noch drei oder vier Maxi-Produktionen bevor, die für die nähere Zukunft geplant sind. Da werden sehr viele Songs, auch neue Sachen und Kooperationen mit beispielsweise DJ Pony, DJ Pankow und DJ Massivan, dabei sein.

 
Ihr kommt ja generell mittlerweile schon ziemlich in der Welt herum. Machen sich da länderabhängig Unterschiede bezüglich Resonanz auf eure Musik bemerkbar?

Prinzipiell hängt das ja immer von der Beschaffenheit der Länder, in denen die Leute leben, ab. Sicher gibt es auch Unterschiede, aber es ist immer wieder ein Vergnügen, wenn man in einem unterkühlten deutschen Landstrich die Leute zum Glühen bringt. Obwohl ich andererseits nicht erleben will, dass wir die heißblütigen Spanier oder Griechen abkühlen. Derartiges ist aber bisher zum Glück noch nicht passiert. Letztens hatten wir erst in Athen ein super Konzert, in einem bestuhlten Lokal. Die Kartenpreise waren dort so zwischen 30 und 45 Euro – das war ein Club, der hauptsächlich für gute Jazzmusik bekannt ist. Obwohl anfangs die meisten nur zum Schauen gekommen sind, sind am Ende alle entweder neben den Tischen oder gleich direkt darauf gestanden.

Ist bezüglich Live-Konzerten in nächster Zeit schon etwas geplant?

Was die nähere Umgebung betrifft, möchte ich vor allem auf den !DelaDap Klub hinweisen, der an jedem ersten Samstag des Monats im OST Klub stattfindet. Weiters sind wir noch für das heurige Donauinselfest gebucht und in Ungarn klappern wir eigentlich so ziemlich alles ab, was es gibt – die genauen Daten kann man auf unserer Myspace-Seite abrufen.

Ach ja, dann bemühen wir uns noch, am diesjährigen Sziget-Festival spielen zu können, hoffentlich auch auf der großen Bühne. Auf der Sziget-Homepage (www.sziget.com) gibt es eine Wunschmaschine, bei der man seine Stimme für uns abgeben kann. Das wäre wirklich toll, wenn uns Leute da ein wenig supporten könnten.

Ansonsten versuchen wir eben, die übrigen Länder auch noch für uns zu gewinnen, speziell Polen, Russland oder die Ukraine. Wir sind bestrebt, nicht nur Richtung Westen zu blicken, sondern auch gen Osten. Mir ist schon bewusst, dass wir für manche Medien etwas darstellen, das meiner Meinung nach an der Realität vorbei geht. Ich arbeite mit Leuten, die aus vier oder fünf Ländern zusammen kommen. Es ist spannend, es ist emotionell und oftmals positiv – trotzdem ist die Realität oft viel härter, aber ich glaube, dass wir eine kleine Möglichkeit haben, einen Punkt zu erreichen, wo wir zeigen können, dass es noch höher gehen kann. Dafür ist es wichtig, sich da und dort etwas mehr anzustrengen.

Ihr spielt ja sowohl Clubshows als auch Festivals. Habt ihr diesbezüglich irgendwelche Vorlieben?

Ein Club-Auftritt ist immer sehr intim – du hast wirklich das Publikum gleich vor dir, was stets sehr schön ist. Für Leute, die länger in der Gegend herumgurken, ist es natürlich aber auch wunderbar, auf einem großen Festival spielen zu können. Das ist dann sozusagen der Lohn für die ganze Mühe, die man sich gemacht hat. Wenn du über 3000 bis 7000 Köpfe hinweg blickst, so ist das schon ein ganz besonderes Erlebnis. Präferieren würde ich aber keines von beiden – ich finde alles auf seine Art großartig.

Seht ihr euch als Band, die auch eine Art politische Message transportiert? Nicht unbedingt über Texte, sondern eher dadurch, dass Leute vieler verschiedener Nationalitäten bei !DelaDap spielen?

Genau, eben auf diese subtile Art und Weise. Ich wollte einfach, ohne mahnend einen Finger zu heben, die Musik sprechen lassen und sagen, “Leute, freut euch, oder eben nicht”. Ich glaube, das ist der beste Weg – die Sache selbst erklärt sich ja von alleine. Das ist auch der Punkt, wo die Leute am empfindlichsten sind, wenn sie von selbst auf einen zukommen und Dinge hinterfragen, beispielsweise was sind Roma, wo kommen die her, was sind diese Ghettos da, was verkörpert diese Minderheit, usw. Durch die Selbstverständlichkeit der Funktionalität werden dann schon ganz automatisch diese Fragen auch beantwortet. Und ich glaube wirklich, dass das der beste Weg ist. Man muss nicht gleich alles über den Berg hauen, wenn es nicht funktioniert, aber alleine die Möglichkeit, dass es funktionieren könnte, ist Herausforderung genug, so etwas anzugehen.

So gesehen, ist !DelaDap tatsächlich auch eine politische Band, deren Statements nicht auf dem Papier und auch nicht auf dem Rednerpult, sondern direkt durch Emotionalität, das Zusammenleben der einzelnen Leute und durch die Produktion definiert werden.

Danke für das Interview.

!Dela Dap