mica-Interview mit Àngela Tröndle

Die Sängerin, Pianistin und Komponistin Àngela Tröndle war mit ihrer Band Mosaik zuletzt im Rahmen der JazzWerkstatt in Wien zu sehen. Sie zählt aber gemeinsam mit ihren Bandkollegen Siegmar Brecher und Valentin Czihak auch zu den Organisatoren der JazzWerkstatt Graz. Mit ihrer, im Gesamtsound der Band integrierten, unaufdringlichen Art zu singen, sowie einer ausgeprägten Vorliebe für Klangmalereien, die ganz ohne Text auskommen, macht Àngela Tröndle nicht nur Vocal-Jazz-Freunde auf sich aufmerksam…

MG: “Kannst du kurz deine musikalische Sozialisation – bis hin zur Gründung von Mosaik – beschreiben?”

AT: “Ich bin ja gebürtige Salzburgerin und auch so richtig schön, nach dem Salzburger Klischee, in einer Musikerfamilie aufgewachsen. Meine Eltern sind beide klassische Streicher, sowohl unterrichtender Weise, als auch orchestral tätig. Da bin ich natürlich nicht umhin gekommen, auch Instrumente zu lernen, was jetzt aber nicht schlimm war – ganz im Gegenteil – dadurch hatte ich einfach die Möglichkeit, vieles auszuprobieren. Ich habe bei meinem Vater begonnen, Geige zu lernen, hab’ Blockflöte gespielt und eigentlich immer schon gesungen. In meiner Gymnasiumszeit – die ich wie viele meiner Jazz-Kollegen am musischen Gymnasium verbrachte – habe ich viel im Chor gesungen. Ganz unterschiedliche Stile , sehr viel Klassik, aber auch bis Jazz und Pop. Damals hab’ ich auch damit begonnen, in kleinen Band-Projekten arbeiten, in denen ich dann auch schon solistisch tätig war. Das hat sich mit der Zeit dann irgendwie entwickelt, und mit 15, 16, hab’ ich beschlossen. Gesangsstunden zu nehmen. Zu dem Zeitpunkt habe ich auch schon Klavier gespielt. Im Rahmen meiner Jazz-Gesangsstunden in Salzburg hab’ ich dann damit begonnen, mir eine Basisausbildung, was Jazz-Standards, Improvisation und Theorie betrifft, anzueignen. Dass ich irgendwie etwas mit Musik machen will oder muss, war eigentlich sehr bald klar, was genau hab’ ich aber lange Zeit nicht gewusst. Vor allem aufgrund der Tatsache, dass ich vorher bereits so viele verschiedene Sachen gemacht habe und mich auch bei allen sehr wohl gefühlt hab’. Ich bin dann über Umwege – die Umwege heißen zwei Jahre Schulmusik in Graz – an die Jazzabteilung in Graz gekommen, hab’ letztes Jahr im Juni mein Bachelaureat fertig gemacht und eigentlich vor zwei Jahren damit begonnen, meine eigenen Sachen zu machen. Ich hab’ angefangen zu schreiben, und das war dann auch wirklich der Punkt, an dem ich mir gesagt habe, ich will jetzt meine eigene Band, mit der ich die Sachen ausprobieren kann, um zu schauen, wie sie in der Realität funktionieren.”

MG: “Diese eigene Band war dann Mosaik – wann genau kam es zur Gründung?”

AT: “Anfang 2005 hab’ ich die Band gegründet, mit Tino Czihak am Bass, Stefan Heckel am Klavier, Siegmar Brecher am Saxophon und an der Klarinette und Philipp Kopmajer am Schlagzeug. Das hat dann langsam begonnen, sich zu entwickeln, aus 3,4 Nummern sind mittlerweile doch schon 18, 19 geworden, die vor allem mit der Band auch super funktionieren. Mit den vier Jungs hab’ ich eine wirklich gute Wahl getroffen – oder auch Glück, mit ihnen spielen zu dürfen – weil sie auch immer gute Ideen haben. Ich bringe manchmal auch nur Skizzen mit, die wir dann gemeinsam ausarbeiten. Wir haben in den letzten Jahren bei der Grazer Veranstaltungsreihe Fat Tuesday und im Rahmen der Generalihof-Konzerten gespielt, jetzt geht es aber richtig los, mit den Konzerten bei der JazzWerkstatt, in Wels oder Hallein.”

MG: “Du dürftest ohnehin sehr motiviert sein, schließlich bist du erst vor kurzem von einem mehrmonatigen Aufenthalt in New York zurückgekehrt. Wie hat sich das für dich ergeben?”

AT: “Nach meinem Bachelaureat im Juni habe ich beschlossen, mir eine kleine Auszeit zu nehmen und die Monate September, Oktober und November in New York zu verbringen. Ich hab’ dort quasi privat studiert – was für mich aber hauptsächlich bedeutet, 1000 Konzerte anzusehen und einige Stunden zu nehmen. Für mich war es aber einfach super, viel Zeit zu haben, um zu schreiben und einfach aufstehen zu können, um wirklich das zu tun, was du willst. Ganz ohne schlechtes Gewissen. Anfangs hatte ich noch irgendwie das Gefühl, ich mache jetzt einfach vier Monate Ferien und gebe dabei viel Geld aus. Aber wenn man am selben Abend zu einem super Konzert geht, kommt man dann schon drauf, dass das ein Blödsinn ist, halt immer noch ein bisschen dieses Studentendenken. Im Nachhinein – oder auch mittendrin – merkt man aber, dass das wirklich das Sinnvollste ist, was man machen kann, wenn man Musiker ist. Es geht sich natürlich nicht immer aus, und ich bin mir auch bewusst, dass ich so etwas wahrscheinlich nie wieder haben werde, so einen 3-Monatszeitraum, in dem man sich voll und ganz auf das Geschehen dieser Stadt konzentrieren kann.”

MG: “Inwiefern hat der Aufenthalt in New York deine Arbeit als Komponistin beeinflusst? Viele deiner Stücke heben sich ja sehr von den üblichen Song-Formaten ab.”

AT: “Die ersten Songs, die ich geschrieben habe, waren lustiger Weise relativ kompliziert, im Sinn von viele Teile, viele unterschiedliche Teile. Da kann ich jetzt für mich selber im Nachhinein feststellen, das war irgendwie so der Punkt, an dem ich auch mal irgendwie andere Sachen machen wollte. Jazz-Standards sind super und ich singe sie gerne, das ist auch wirklich eine gute Ausbildung, aber es waren schon viele Ideen da, die ich anders verpacken wollte. Mittlerweile gibt es ein sowohl als auch. Viele Songs sind ganz klassisch nach dem Muster AABA strukturiert, in anderen gibt es mehr Interludes oder freie Improvisationen, das heißt, es hat sich doch schon ganz gut vermischt, würde ich sagen. Einerseits gibt es Stücke, die sehr Text bezogen sind, andererseits gibt es Stücke, in denen ich eigentlich keinen Text singe, sondern, zum Beispiel, mit der Klarinette gemeinsam eine Melodie singe, die sich dann irgendwie durch das Stück zieht. Dabei improvisiere ich auch sehr viel. Das sind eben die zwei Schwerpunkte, die es für mich gibt. Ich hatte mir auch mal zur Aufgabe gemacht, einige englisch Rilke-Versionen zu vertonen, da gibt es mittlerweile auch schon einige davon.”

MG: “Du arbeitest, im Gegensatz zu vielen anderen Sängerinnen, auch immer wieder mit reinen Klangmalereien, vermeidest es phasenweise konsequent, Text zu verwenden…”

AT: “Ich hatte eine Phase, in der ich eigentlich nur diese Instrumentalen Sachen gesungen habe, was mir einfach irrsinnig taugt, und auch irgendwie liegt, weil ich es total genieße, einfach nur einen Klang zu erzeugen und ganz ohne Worte zu agieren. Ich finde, dass der Inhalt auch so sehr gut rüberkommen kann, dass der Inhalt eben ein Titel ist, zu dem man vielleicht ein paar Worte sagt – oder auch nicht – und eben einfach nur ein Musikstück spielt. Viele Leute reagieren da auch relativ überrascht, weil das eben ein ganz anderer Zugang ist, für eine Sängerin. Ich hab’ das einfach für mich entdeckt, und komme jetzt auch immer wieder drauf, dass sich das auch durch meinen musikalischen Background so ergeben hat. Aufgrund der Tatsache, dass ich auch viel im Chor oder im Orchester tätig war, fühlt es sich für mich einfach natürlich an, mit in der Band zu stehen, und eben nicht vor der Band zu stehen, mit dem was ich mache. Im Jazz würde man das wahrscheinlich als Scat-Gesang bezeichnen, aber das ist es natürlich nicht. Nach einiger Zeit bin ich natürlich wieder draufgekommen, dass Text eigentlich etwas Tolles ist.”

MG: “Trotzdem wechseln sich bei deinen Kompositionen grundsätzlich Text und Instrumentalpassagen miteinander ab, wie es scheint, versucht du den Textanteil nicht zu umfangreich ausfallen zu lassen?”

AT: “Ich beobachte immer wieder, dass ich irgendwie abschalte, wenn ich zuviel bekommen, zuviel an Text, den man eben nun mal versteht, dessen Sinn man sich nicht entziehen kann. Ich finde es fast interessanter, wenn man einen Anstoß bekommt, oder mit zwei Sätzen quasi ein Bild malt, und das Ganze dann musikalisch noch weiter führt. Bei einer der Interpretationen von den Rilke-Gedichten zum Beispiel fällt der erste Teil ganz instrumental aus, da spielt nur das Saxophon die Melodie, und ich beginne erst im zweiten Teil zu singen. Dabei ist der der Text eigentlich absolut gleichwertig zu dem vorangegangenen Instrumentalteil. Das war mir auch immer das Wichtigste, dass die Band eine wirkliche Band ist, und das funktioniert auch sehr gut mit den Jungs.”

MG: “Auf eurer Demo-CD ist auch eine Komposition von Kenny Wheeler zu hören, der sich auch auf deiner MySpace-Seite ganz oben auf der Liste der von dir verehrten Musiker ist…”

AT: “Es gibt ja diese wunderbare CD von ihm, Music for Small and Large Ensemble, wo Norma Winston eben genau das macht, das sie im Satz mitsingt. Dadurch mischt sich das Ganze irrsinnig gut, weil sie eben Teil von dem Sound ist. Dieser Aspekt ist auch bei dem Song, der auch auf unserer CD zu hören ist, sehr präsent. Da singe ich auch nur die Melodie, gemeinsam mit dem Saxophon. Ja, und Kenny Wheeler ist eben einer von vielen, der einfach unglaublich gute Musik schreibt – und spielt, natürlich.”

Das Interview führte Martin Gansinger

Fotos Àngela Tröndle: www.angelatroendle.com

 

 

 

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